Fall neu aufgerollt

Skandal schlägt ein: Kinderdorf verliert Millionen

Wien
22.01.2026 14:57
Porträt von krone.at
Von krone.at

SOS-Kinderdorf verzeichnet einen massiven Spendenrückgang in Millionenhöhe im Vergleich zum Vorjahr. Seit Bekanntwerden der mutmaßlichen Missbrauchsvorwürfe im September sind insgesamt 107 weitere Fälle gemeldet worden. Am Standort Wien soll laut Organisation ein Fall neu aufgerollt werden.

Verletzungen, Missbrauch, Gewalt: Die Vorwürfe gegen Einrichtungen in ganz Österreich sind erschütternd – und die Skandale wirken sich auch auf die Finanzen aus. Die Spendeneinnahmen liegen laut SOS-Kinderdorf rund 14 Prozent unter dem Vorjahreswert, ein Minus von 4,2 Millionen Euro.

Neu mitgeteilt wurde eine Sonderuntersuchung am Standort Wien zu einem bereits bekannten Fall aus den 2010er-Jahren bis 2017. Betreute Minderjährige seien psychischer und körperlicher Gewalt ausgesetzt gewesen, außerdem spielten Vernachlässigung, sexualisierte Gewalt und Grenzverletzungen eine Rolle. Der direkt beschuldigte Mitarbeiter wurde im Vorfalljahr gekündigt. Auch die Staatsanwaltschaft Wien wurde damals informiert, die Ermittlungen wurden laut aktuellen Informationen jedoch nicht weiterverfolgt.

Wer wusste was? Leitung in Wien dienstfrei gestellt
Um Interessenkonflikte zu vermeiden, wurde die bereits damals in leitender Position befindliche Person bis zur Klärung dienstfrei gestellt, so SOS-Kinderdorf auf ihrer Webseite. Nun wird insbesondere geprüft, wann die Leitung von den Verdachtsfällen erfahren hat und ob die Hinweise intern sofort gemeldet und die notwendigen Schritte eingeleitet wurden.

Das Vertrauen in SOS-Kinderdorf ist erschüttert – das wirkt sich auch auf Spendengelder aus.
Das Vertrauen in SOS-Kinderdorf ist erschüttert – das wirkt sich auch auf Spendengelder aus.(Bild: APA/BARBARA GINDL)

Zudem betonte SOS-Kinderdorf, dass die Betroffenen damals Hilfsangebote erhalten hätten. Eine interne Revision für den Wiener Standort wurde im darauffolgenden Frühjahr 2018 veranlasst. Die aktuelle Betreuung der Kinder und Jugendlichen am Standort sei weiterhin gesichert.

Hälfte der Meldungen von Opfern selbst
Mit Stand 12. Jänner 2026 verzeichnet die Organisation insgesamt 107 Meldungen über mögliche Kindeswohlgefährdung oder -verletzung. Die Hinweise gingen über verschiedene Kanäle ein – die Überprüfung und Einordnung der Fälle laufe noch. Je nach Ergebnis könne die Zahl der Vorfälle laut SOS-Kinderdorf nach oben oder unten korrigiert werden. Knapp die Hälfte der Meldungen stammt von Betroffenen selbst, der Rest aus ihrem Umfeld. Erfasst werden nicht nur Missbrauchsvorwürfe, sondern auch allgemeine Beschwerden sowie Beobachtungen zur Betreuung und Unterbringung der Kinder und Jugendlichen.

Reformmaßnahmen auf dem Prüfstand
Die unabhängige Reformkommission unter Vorsitz von Irmgard Griss besuchte im Dezember 2025 den Kärntner Standort Moosburg und im Jänner 2026 Imst in Tirol. Ziel war es, die aktuelle Situation vor Ort zu prüfen und zu sehen, wie die Reformmaßnahmen, insbesondere zu Kinderschutz, Betreuungskonzepten und Strukturen, wirken.

Der Aufsichtsrat von SOS-Kinderdorf nahm nach seiner ersten Sitzung im Dezember seine Arbeit auf und begleitet die Aufarbeitung aktiv. Auch die Opferschutzkommission wurde mit neuen unabhängigen Expertinnen und Experten neu aufgestellt. Zudem wurde eine zentrale Falldatenbank eingeführt, um eine systematische interne Fallaufarbeitung zu gewährleisten.

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