Das Futter serviert, keine natürlichen Feinde und beste Pflege: Zootiere überleben oft deutlich länger als ihre Artgenossen in freier Wildbahn. Doch genau das sehen Wissenschaftler als besonders problematisch an, wenn es um den Artenschutz, dem sich viele Tierpark verschrieben haben, geht.
In vielen Zoos gibt es zu wenig junge und viele ältere Tiere, weshalb solche Populationen als weniger stabil und widerstandsfähig gelten, wie die Universität Frankfurt am Donnerstag unter Verweis auf eine gemeinsame Studie unter anderem mit der Universität Zürich mitteilte.
Alterspyramide zur Beurteilung
Die Experten analysierten die demografische Entwicklung von insgesamt 774 Säugetierpopulationen, die zwischen 1970 und 2023 in europäischen und nordamerikanischen Zoos gehalten wurden. Basis ist demnach eine internationale Datenbank, die von mehr als 1200 Institutionen weltweit genutzt wird und in der für jedes einzelne Tier unter anderem Alter, Geschlecht, Abstammung, Herkunft sowie der Reproduktionsstatus erfasst werden.
Zur Beurteilung, wie stabil eine Gruppe von Zootieren ist, nutzten die Forscher Alterspyramiden. Eine stabile, widerstandsfähige Population weist typischerweise eine pyramidenförmige Altersstruktur auf: Viele junge und fortpflanzungsfähige Individuen bilden die Basis, während der Anteil älterer Tiere nach oben hin abnimmt. Solche Populationen sind besser etwa gegen Krankheitsausbrüche gewappnet.
Zu wenig Nachwuchs
Die Studie zeigt jedoch in vielen Fällen, dass der Anteil von Zoopopulationen mit relativ wenigen jungen und vielen älteren Tiere zunimmt. Zudem nahm zeitgleich der Anteil der sich fortpflanzenden Weibchen stark ab – um 49 Prozent in den nordamerikanischen und um 68 Prozent in den europäischen Populationen. In einigen der untersuchten Tiergruppen gab es zuletzt gar keine fortpflanzungsfähigen Weibchen mehr.
Dies hat nach Angaben der Forscher nicht nur zur Folge, dass Nachwuchs fehlt, sondern es beeinträchtigt auch die Sozialstruktur vieler Tierarten. Fortpflanzung und Aufzucht von Jungtieren zählten zu den Grundbedürfnissen von Tieren und seien elementare Bestandteile einer artgerechten Haltung.
Erstautor Marcus Clauss von der Universität Zürich forderte: „Dieser Trend muss unbedingt gestoppt und umgekehrt werden“. Zoos könnten ihre zentrale Rolle im Artenschutz nur erfüllen, wenn sie tatsächlich stabile „Reservepopulationen“ erhalten. „Dafür braucht es wieder mehr Jungtiere und weniger alte Tiere“, forderte Clauss. Im Jänner 2025 hatte sich Clauss schon einmal deutlicher geäußert und für eine „geplante und fachgerechte Tötung überzähliger Zootiere“ plädiert.
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