Vereiste Gehsteige

Wiener Fußgänger wurden aufs Glatteis geführt

Wien
14.01.2026 19:00

So zackig in Wien trotz extremer Wetterverhältnisse zuletzt die Straßen geräumt wurden, so sehr hatte man zu Fuß oder auch auf dem Fahrrad das Nachsehen. Die städtische Mobilitätsagentur relativiert und findet, der Winterdienst habe auch abseits der Straßen „hervorragend“ funktioniert.

Auf Eis gelegt haben sich jene Wiener im wahrsten Sinn des Wortes in den vergangenen Tagen gefühlt, die nicht per Auto unterwegs waren. Während viele Straßen rasch schnee- und eisfrei waren, wurden Gehsteige und Radwege oft stiefmütterlich behandelt. Dabei hat Wien einen hoch bezahlten Radfahr- sowie eine Fußgängerbeauftragte (Jahresbudget drei Millionen Euro).

Der „A-Plan“ hat Vorrang
Über den Winterdienst der MA 48 lassen Martin Blum und Petra Jens aber nichts kommen. „Hervorragende Arbeit“ sei geleistet worden – aber eben streng nach den städtischen Einsatzszenarien. Die besagen, dass zuerst die „A-Pläne“ abgearbeitet werden müssen, in denen die Hauptrouten verzeichnet sind. Für „K-Pläne“ (kleinere Wege) und „R-Pläne“ (Radwege) blieb zuletzt kaum Zeit.

Auch Tage nach dem Ende des Schneefalls blieben Gehwege weiterhin nur im Sparprogramm geräumt.
Auch Tage nach dem Ende des Schneefalls blieben Gehwege weiterhin nur im Sparprogramm geräumt.(Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)

Für die Gehsteige sind zudem die Grundeigentümer verantwortlich, die den Winterdienst meist an private Firmen delegieren. Viele von diesen scheiterten wegen ihrer (zu) knappen Personalkalkulation an der Aufgabe. Auch die MA 48 greift zum Teil auf Privatfirmen zurück. Eine Abteilungssprecherin erklärt: 281 Räum- und Streufahrzeuge waren dieser Tage im Einsatz, 70 davon von privaten Firmen. Auch bei denen habe die Räumung gut funktioniert, heißt es.

Beim nächsten Mal soll alles besser werden
Wie viele Gehwege durch die Arbeit von Jens von Eis und Schnee befreit worden sind, will die Fußgeherbauftragte nicht mit Zahlen beantworten. Nur soviel: „Konkrete Beschwerden, die bei uns einlangen, werden je nach Zuständigkeit an die MA 48, MA 42 oder an den Bezirk weitergegeben.“ Zumindest sollen die Erkenntnisse der vergangenen Tage genutzt werden, um dazuzulernen: Man werde Beschwerden „sammeln, auswerten und mögliche Mängel mit der MA 48 besprechen“.

Viele Rettungseinsätze wegen Gehsteig-Rutschpartie
Es blieben jedenfalls noch genug unsichere Flächen übrig, um die Wiener Berufsrettung auf Trab zu halten. Ungefähr 100 Mal rückten die Einsatzkräfte allein am Glatteis-Dienstag wegen Stürzen aus. Am Vormittag verzeichneten die Rettungskräfte die meisten Ausfahrten. Etwa 65 Menschen wurden bis Mittag versorgt und in Spitäler gebracht. Insgesamt seien 10 Prozent der Einsätze am Dienstag auf das Glatteis zurückzuführen gewesen.

Unfälle seien vermehrt auf Gehwegen passiert, beobachtete auch die Berufsrettung. Auffällig viele Einsätze wegen verletzter Radfahrer habe es nicht gegeben. Auch der Wiener Gesundheitsverbund (WIGEV) sowie das AKH verzeichneten in ihren Kliniken ein „vermehrtes Patientenaufkommen“, so eine Sprecherin. Behandelt wurden primär Verletzungen am Sprunggelenk, an Schultern, Handgelenk, Fußgelenk oder an der Hüfte.

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