Übung in Wien beweist

So schnell kann Eis zur tödlichen Falle werden

Wien
10.01.2026 16:00

Tagelang durchgehend Minusgrade und viele andere, die man in Wien auf Eisflächen in der Natur spazieren oder eislaufen sieht – was soll da schon passieren? Retter zeigten die Konsequenzen bei einer Übung auf der Alten Donau anschaulich vor.

Die Wasserretter des Wiener Samariterbunds haben auch im Winter genug zu tun. Grund dafür sind Menschen, die sich wegen der trügerisch fest scheinenden Oberfläche auf zugefrorene Gewässer trauen – und einbrechen. Nur knapp konnten allein am Freitag und am Samstag drei Personen aus der Neuen Donau gerettet werden. Viele wollen nicht verstehen, warum zum Beispiel an der Alten Donau nicht funktionieren soll, was anderswo bei denselben Temperaturen funktioniert. Das beweist, dass sie das Eis in der Stadt nicht kennen.

Auch Wiens Eisflächen sind anders
Wiens stehende Gewässer sind zum Unterschied von anderen von Grundwasser dominiert. Das hat konstant sieben Grad Celsius, auch im Winter. Dazu kommen die verhältnismäßig geringe Fläche der Gewässer, reichlich Wasserpflanzen, versteckte Zu- und Abflüsse und oft Brücken – alles Faktoren, die das Eis dünner sein lassen, als es wirkt. Natureisflächen solle man immer nur betreten, wenn sie behördlich freigegeben sind, mahnen die Samariter. Das bedeutet in Wien: nie.

Auch dieses Wochenende missachteten viele Wiener die Warnungen.
Auch dieses Wochenende missachteten viele Wiener die Warnungen.(Bild: Martin A. Jöchl)

Eben wegen der genannten Risikofaktoren will sich die Wiener Gewässer-Abteilung gar nicht auf eine Bewertung einlassen. Das strikte Nein zur Eis-Freigabe ist so alt, dass man dort nicht einmal weiß, ob das in der Vergangenheit je anders gehandhabt wurde. In Wien könne man nie mit Sicherheit sagen, wie dick das Eis sei, betont die MA 45 – und gibt zu bedenken: „Die Alte Donau ist bis zu vier Meter, die Neue Donau bis zu sieben Meter tief.“ Die beliebten Ausflugsziele können schnell zur Todesfalle werden.

Unterschätzte Gefahren auch nach geglückter Rettung
Gerade das Wetter der vergangenen Tage hat das Risiko verschärft: Schnee auf dem Eis wirkt isolierend und hemmt das Gefrieren des Wassers. Dort, wo kein Schnee liegt, beweist zudem ein Blick: Es gibt genug Stellen, an denen das Eis dunkel aussieht. Auch das ist ein Zeichen, dass es zu dünn ist, um selbst Kinder zu tragen – oder Tiere: Oft wird nicht bedacht, dass man mit einem nicht angeleinten Hund in der Nähe von Eis dessen Leben riskiert.

Der Retter nähert sich flach auf dem Eis liegend. Eine herumliegende Latte wird zur ...
Der Retter nähert sich flach auf dem Eis liegend. Eine herumliegende Latte wird zur „Rettungsleine“ für den Verunfallten.(Bild: Martin A. Jöchl)
Helfer und Opfer bleiben nahe am Boden, bis das rettende Ufer erreicht ist, um nicht gleich ...
Helfer und Opfer bleiben nahe am Boden, bis das rettende Ufer erreicht ist, um nicht gleich wieder einzubrechen.(Bild: Martin A. Jöchl)
Das Aufwärmen der verunfallten Person muss schonend erfolgen, da sonst ein Kreislaufschock ...
Das Aufwärmen der verunfallten Person muss schonend erfolgen, da sonst ein Kreislaufschock droht.(Bild: Martin A. Jöchl)

Wer einbricht, gefährdet außerdem auch Retter, zufällige wie professionelle. Sogar für die Profis ist die Rettung aus dem Eis eine heikle Angelegenheit, die trainiert werden muss, wie die Übung der Samariter vom Wochenende zeigt (Bilder oben). Für Laien gilt: Möglichst vom Ufer oder höchstens flach am Eis liegend mit dem größtmöglichen Abstand und Hilfsmitteln – auch ein Schal oder ein Gürtel können helfen – das Opfer langsam an Land ziehen.

Genug sichere Alternativen
Auch nach der Rettung gibt es Besonderheiten: Zu schnelles Aufwärmen etwa kann zu tödlichem Kreislaufversagen führen. In jedem Fall sollte am Anfang ein Notruf stehen. Wiens Helfer haben – leider – auch im Ernstfall die nötige Erfahrung. Als sichere Alternative stehen aber gerade in Wien mehr als genug Eislaufplätze und -hallen zur Verfügung, und noch mehr ab 22. Jänner: Dann geht der Wiener Eistraum in seine 31. Saison.

Mit Hochdruck wird auf dem Rathausplatz für den „Eistraum“-Start am 22. Jänner gebohrt, ...
Mit Hochdruck wird auf dem Rathausplatz für den „Eistraum“-Start am 22. Jänner gebohrt, gehämmert, geschraubt und gesägt.(Bild: Martin A. Jöchl)

Das Einzelticket für Erwachsene kostet online heuer 9,50 Euro, an der Kasse vor Ort 10,50 Euro. Die Preise sind damit stabil geblieben. Weggefallen sind allerdings die Saisonkarten. Die meisten passionierten Eisläufer halten ohnehin „ihrem“ Platz auch während des Eistraums die Treue. Für alle anderen sind die beliebten Klassiker stets eine willkommene Alternative, auch und gerade, wenn es vor dem Rathaus zu voll wird.

Neben dem Wiener Eislaufverein beim Stadtpark (11 Euro), der Hernalser Institution Engelmann (10 Euro), der früheren Albert-Schultz-Halle und numehrigen Steffl-Arena (11,50 Euro) haben auch der Eisring Süd und die Stadthalle (9,50 Euro) ihre treuen Fans (die Preise beziehen sich jeweils auf Erwachsenen-Karten unter der Woche). Überall gibt es zudem verschiedene Ermäßigungen und Schnäppchen. Gratis, aber nur für Kinder, ist auch heuer wieder die kleine Kunststoffbahn im Margaretner Bacherpark.

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