
Gleichstellung ist der Schlüssel für Fachkräfte, wirtschaftliche Stärke und die Zukunft Kärntens, betonen AMS-Chef Peter Wedenig, die Arbeitsmarkt- und Gleichstellungsreferentin Gaby Schaunig und ÖGB-Frauenvorsitzende Silvia Igumnov. Einige Programme, auch „Quick Wins“ können dafür einiges tun.
Der Kärntner Arbeitsmarkt ist im Umbruch: Einerseits wird der demographische Wandel stärker spürbar, andererseits finden sich immer mehr Arbeitskräfte im Zentralraum Klagenfurt/Villach, doch auch außerhalb suchen Unternehmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und durch die anziehende Konjunktur braucht es qualifizierte Fachkräfte, die es nur gibt, wenn die Frauen eingebunden werden.

„Arbeitsbedingungen müssen die Lebensrealitäten berücksichtigen. Davon profitieren nicht nur die Frauen, sondern auch die Wirtschaft, die Regionen, die Gesellschaft insgesamt“, so Arbeitsmarkt- und Gleichstellungsreferentin und LH-Stv. Gaby Schaunig.
Gleichstellung zeigt sich in Arbeitsmarktzahlen
„Gleichstellung ist kein kurzes Projekt, sondern eine bewusst gewählte Strategie, die langfristig in die Zukunft wirkt und vielfach als Wettbewerbsvorteil unterschätzt wird“, so Kärntens AMS-Chef Peter Wedenig, der dies mit Daten untermauert: Die Arbeitslosenquote von Frauen konnte von 10,4 Prozent im Jahr 2016 auf 6,7 Prozent im Jahr 2025 gesenkt werden. Damit lag sie unter der Quote der Männer (8,2 Prozent im Vorjahr) und unter dem Österreichdurchschnitt der Arbeitslosenquote bei Frauen: 6,9 Prozent. Die Erwerbsquote bei Frauen ist in Kärnten auf 70,1 Prozent gestiegen (Stand 2024; 2016 lag sie bei 65,1 Prozent).
Im Februar ist die Arbeitslosigkeit in Kärnten wieder um 0,8 Prozent gesunken; bei Frauen um minus 1,1 Prozent.
Peter Wedenig, Geschäftsführer AMS Kärnten
Dies sei, so Wedenig, durch gezielte Programme entstanden, beispielsweise durch „Gender Budgeting“: 51,3 Prozent der Mittel, also 35,2 Millionen Euro, wendet das AMS für Frauenprogramme auf; für Berufsorientierung, für Förderung von Wiedereinsteigern, für Aus- und Weiterbildung.
Reihenweise belegen Studien: Unterschiedlich zusammengesetzte Teams arbeiten am besten; also Männer und Frauen, Ältere und Jüngere.
Gaby Schaunig, Arbeitsmarkt- und Gleichstellungsreferentin und LH-Stv.
Kleine Schritte – große Wirkung
Pragmatische Hebel, die rasch Wirkung in Sachen Chancengleichheit zeigen, sollen „Quick Wins“ bieten – ohne zusätzliches Budget, ohne zusätzliches Personal. Als kleinen Schritt mit großer Wirkung wird Geschäftsführern beispielsweise empfohlen, die Gleichstellung auf der Firmenhomepage sichtbar zu machen: Ein kurzes Statement zur Gleichstellung, denn Haltung wirkt, wenn sie sichtbar ist, heißt es bei „Quick Wins“. Geschlechtergerechte Sprache, eine Ansprechperson im Unternehmen für Gleichstellungsfragen seien ebenfalls einfache Schritte auf dem Weg.
“Gleichstellung ist eine Win-win-Situation für alle, für die Frauen, für die Männer und auch volkswirtschaftlich“, so Schaunig, die eine Erfolgsgeschichte aus einer Frauenstiftung bringt: Eine Frau, die Notstand bezogen hatte und wegen einer Erkrankung nicht mehr in ihrem erlernten Beruf als Friseurin arbeiten konnte, wurde umgeschult, ist nun als Visagistin in Vollzeit beschäftigt, hat ein gesichertes Einkommen und eine gute Perspektive für ihre Pension.
Am Frauentag feiere ich, was Frauen leisten, und zeige auf, dass die Gleichstellung noch immer nicht erreicht ist. Es braucht Druck und Kontrolle.
Silvia Igumnov, ÖGB-Landesfrauenvorsitzende
Noch immer verdienen Frauen in Österreich im Durchschnitt um 15,5 Prozent weniger als Männer – das sind mehr als 10.000 Euro weniger im Jahr! „Diese Ungleichheit wirkt sich nicht nur im Erwerbsleben aus, sondern verfestigt sich im Alter“, spricht ÖGB-Landesfrauenvorsitzende Silvia Igumnov die für Frauen im Durchschnitt um 40 Prozent niedrigere Pension an. „Das sind in Kärnten 942 Euro weniger.“ Ein hohes Risiko von Altersarmut besteht: Von 17.000 Ausgleichszulagenbeziehern in Kärnten sind 67 Prozent Frauen.
Lohnunterschiede nur wegen des Geschlechts
„Und zwei Drittel des Lohnunterschiedes sind nicht erklärbar, kommen also nur durch die Tatsache zustande, dass es eine Frau ist und kein Mann“, so Igumnov, die die ab Juni in Österreich umzusetzende Lohntransparenzrichtlinie begrüßt. Die Richtlinie besagt: Unternehmen ab 100 Beschäftigten müssen einer staatlichen Stelle offenlegen, was sie den Mitarbeitern zahlen. „Transparenz schafft Fairness. Nur wenn die Gehälter nachvollziehbar sind, können ungerechtfertigte Unterschiede beseitigt werden.“
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