Papst rügt Westen:
„Krieg ist wieder in Mode gekommen“
Die Spannung war groß, als Leo XIV. am Freitag die erste Neujahrsansprache vor den beim Heiligen Stuhl akkreditierten Botschaftern hielt. Und die hatte es ordentlich in sich: In den bisher acht Monaten seines Pontifikats war es die wohl am stärksten konservativ gefärbte Rede des Papstes aus den USA.
Leo XIV. war eindeutig in seiner Aufforderung zur Solidarität mit Migranten, die aus Notlagen ihre Heimat verlassen und Schutz in reicheren Ländern suchen. Ähnlich klar waren seine Ausführungen zu Venezuela. Hier mahnte der Papst „den Willen des venezolanischen Volkes zu respektieren und sich für den Schutz der Menschen- und Bürgerrechte aller einzusetzen“. Die US-Intervention in Caracas nannte er nicht ausdrücklich beim Namen.
Auch seine weiter gefasste Kritik an der Schwächung des multilateralen Systems und der Zunahme des kriegerischen Denkens enthielt implizite Kritik am Vorgehen Donald Trumps. Hier war der Papst rhetorisch vielleicht am stärksten und formulierte: „Eine Diplomatie, die den Dialog fördert und den Konsens aller sucht, wird durch eine Diplomatie der Stärke, durch einzelne Staaten oder Gruppen von Verbündeten ersetzt. Krieg ist wieder in Mode gekommen, und eine kriegerische Stimmung breitet sich aus.“
Kritik an UNO dürfte USA freuen
Doch enthielt die Rede des Papstes auch andere Punkte, die für die Regierung in Washington durchaus willkommen erscheinen mussten. Etwa, als er den Vereinten Nationen den Ratschlag gab, sich weniger um die Verbreitung von „Ideologien“ zu kümmern, sondern sich vielmehr auf ihre Rolle als Friedensvermittler zu konzentrieren.
Noch deutlicher wurde Leo XIV. bei seiner „kategorischen Verurteilung“ der staatlichen Förderung von Abtreibungen. Und die Legalisierung von Euthanasie kritisierte er ebenso scharf wie gesellschaftspolitische Modelle, die darauf gerichtet seien, die traditionelle Ehe von Mann und Frau zu zerstören.
Es ist bedauerlich festzustellen, dass insbesondere im Westen der Raum für echte Meinungsfreiheit immer mehr eingeschränkt wird.

Papst Leo XIV.
Bild: EPA/VATICAN MEDIA HANDOUT
Auch der Vorwurf der Einschränkung der Meinungs- und Gewissensfreiheit in Ländern des Westens, die sich offiziell zu den Spielregeln von Freiheit, Pluralismus und Demokratie bekennen, war in der Rede des Papstes enthalten. Wörtlich sagte er: „Es ist bedauerlich festzustellen, dass insbesondere im Westen der Raum für echte Meinungsfreiheit immer mehr eingeschränkt wird, während sich eine neue Sprache mit orwellschem Beigeschmack entwickelt, die in ihrem Bestreben, immer inklusiver zu sein, darin mündet, diejenigen auszuschließen, die sich nicht den Ideologien anpassen, von denen sie beseelt ist.“
„Gewissensfreiheit zunehmend infrage gestellt“
In diesem Kontext sieht er die Gewissensfreiheit zunehmend auch von Staaten infrage gestellt, „die sich auf Demokratie und Menschenrechte zu gründen bekunden“. Manches von dem, was der Papst da vortrug, klang im inhaltlichen Kern ähnlich wie die Kritik, die US-Vizepräsident JD Vance zuletzt – wenn auch in ganz anderem Tonfall – bei der Münchner Sicherheitskonferenz vorgetragen hatte.












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