Die teuren Errichtungskosten von über einer halben Million Euro für eine öffentliche WC-Anlage in der Donaustadt regen viele „Krone“-Leser weiter auf. Ein Bauingenieur übt jetzt harte Kritik und sagt ganz klar: Solche Kosten sind fragwürdig
Am Badeteich Hirschstetten bei der Spargelfeldstraße in der Donaustadt wurde von der Stadt eine „goldene“ Toilettenanlage für über eine halbe Million Euro gebaut – wir berichteten.
Viel Steuergeld für kleines und großes Geschäft
Alleine die Sanitärmodule kosteten dort unglaubliche 195.585 Euro. Die Baumeisterarbeiten machten über 177.000 Euro aus, knapp 47.000 Euro gingen für das Dach drauf. Insgesamt waren es 544.888,97 Euro. Blechen durfte die enorm hohe Summe der Steuerzahler. Jetzt hat sich ein renommierter Bauingenieur bei der „Krone“ gemeldet.
„Hätte höchstens 200.000 bis 250.000 Euro kosten dürfen“
Herbert Gölß ist Geschäftsführer der BuG Beratende Ingenieure GmbH und seit über 30 Jahren in der Branche tätig. „Die Kosten für den Bau erscheinen viel zu teuer. Wenn bestehende Anschlüsse vorhanden waren, dann hätte der Bau allerhöchstens 200.000 bis 250.000 Euro kosten dürfen“, so Gölß. Also genau die Hälfte. Doch der Experte legt nach: „Aus fachlicher Sicht bestehen erhebliche Zweifel an der Angemessenheit der genannten Baukosten. Vier bis fünf Positionen sind zudem stark hinterfragungswürdig. Etwa die Glaserarbeiten für über 6000 Euro. Eine belastbare Einschätzung ist allerdings erst nach Prüfung der Ausschreibung und des Leistungsumfangs möglich“
An der gleichen Stelle stand schon einmal eine WC-Anlage, die zweimal mutwillig von Böllern schwerbeschädigt wurde. In Abstimmung mit dem Bezirk wurde ein Abbruch der bestehenden Anlage sowie ein vollständiger Neubau beschlossen. „Das Projekt wurde ordnungsgemäß ausgeschrieben und bis 2025 umgesetzt“, beteuert die zuständige MA48 auf „Krone“-Anfrage.
Über 500.000 Euro Baukosten für nur eine WC-Anlage sind wirklich außergewöhnlich. Vor allem, wenn Anschlüsse bereits vorhanden waren.

Bauingenieur Herbert Gölß
Bild: zur Verfügung gestellt
Doch wie sieht die genaue bepreiste Ausschreibung aus? Welche Firmen sind hier zum Zug gekommen? Diese Fragen bleiben offen. Nur so viel: „Die Verfügbarkeit und Bereitstellung von WC-Anlagen mit ordnungsgemäßen Hygienestandards hat hohe Priorität. Die Planung und die Errichtung neuer Anlagen erfolgt immer bedarfsorientiert im Auftrag der zuständigen Bezirksgremien“, heißt es weiter. Bei den Ausschreibungsunterlagen würde es sich zudem um Vertragsunterlagen handeln, „deren Übermittlung ohne vorherige sorgfältige interne Prüfung nicht möglich sei. Dies ist insbesondere deshalb erforderlich, da die Unterlagen auch die Interessen der Vertragspartner berühre und teilweise Betriebs- bzw. Geschäftsgeheimnisse enthalten könnten.“ Die Herausforderungen würden bei mutwilligen Beschädigungen wie Vandalismus und Graffiti, aber auch bei Verschmutzungen oder nicht sachgemäßer Nutzung, liegen.
In Wien sind die Bezirke für die Organisation und Instandhaltung öffentlicher Toiletten zuständig, wobei die Stadt Wien (Magistrat) die Standorte koordiniert. Die Finanzierung erfolgt über das dezentrale Budget der Stadt, Errichtung, Erhaltung und Reinigung wird aus dem Bezirksbudget finanziert.
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