Was macht die ÖVP?

Verflixte Ehe mit Rechts oder Liebäugeln mit Links

Oberösterreich
04.01.2026 11:20

2026 wird für die ÖVP in Oberösterreich zum Jahr der Weichenstellung. Vor der nächsten Landtagswahl im kommenden Jahr rückt ihr Koalitionspartner FPÖ zunehmend auf den Pelz und liegt in Umfragen schon vor der Landeshauptmann-Partei. Von der anderen Seite her wirbt die SPÖ um die Gunst von Stelzer und Co.

Seit 1945 stellt die ÖVP in Oberösterreich durchgehend den Landeshauptmann. Nach der Wahl im kommenden Jahr könnte diese Ära vorbei sein: Manche Umfragen sahen zuletzt die FPÖ bereits vor der Volkspartei. Diese versucht, mit eigenen Umfragen, in denen sie nach wie vor Erste ist, die eigenen Funktionäre zu beruhigen.

Auch der Parteichef, Landeshauptmann Thomas Stelzer, verfällt zumindest nach außen hin noch nicht in Panik. Im Gegenteil: Bisher hat er den Spagat scheinbar mühelos geschafft, mit seinem schärfsten Konkurrenten um den LH-Sessel, FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner, unaufgeregte koalitionäre Eintracht herzustellen.

FPÖ kann entspannt bleiben
Was die ÖVP aber wurmt: Während Stelzer und sein Gefolge sich aus ihrer Sicht tagespolitisch abrackern und in der Öffentlichkeit omnipräsent ihre Arbeit ins Licht rücken, ist von Haimbuchner und Co. kaum etwas zu hören. Die FPÖ hat es sich in ihren eigenen Parteikanälen gemütlich eingerichtet und kann – entspannt zurückgelehnt – ihren Umfragewerten beim Steigen zusehen, unken ÖVPler.

Es wird Stelzer im Jahr vor der Wahl also vermutlich nichts anderes übrig bleiben, als um jene Wähler zu buhlen, die sich seit dem bisher letzten Urnengang dem rechten Lager zugewendet haben. Mit dem demonstrativ zur Schau gestellten Koalitionsfrieden könnte es dann rasch vorbei sein.

SPÖ-Kritik immer mit „ausgestreckter Hand“ 
Noch dazu, weil seit dem Amtsantritt von Martin Winkler als SPÖ-Chef auch die linke Hemisphäre der Landespolitik in Bewegung geraten ist. Bei aller Kritik, die Winkler immer wieder an Schwarz-Blau äußert – besonders in Sachen Energie-, Wirtschafts- und Gemeindepolitik -, macht er doch stets klar, was sein Ziel ist: eine Koalition mit der ÖVP. Daher ist bei jeder Spitze, die Winkler gegen die Chefs der Landesregierung setzt, immer auch von „ausgestreckter Hand“ an Stelzer und einem gemeinsamen Kurswechsel die Rede.

2026 wird für die ÖVP also das Jahr der Weichenstellung: Bleibt sie der für sie zunehmend riskanten Ehe mit der FPÖ treu oder gibt sie dem Liebeswerben der SPÖ nach?

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