Kein Handy, kein Flug

Ryanair: Ab heute ist Schluss mit dem Papierticket

Wirtschaft
12.11.2025 12:33

Europas größte Billigfluglinie verlangt ab sofort digitale Bordkarten – ausgedruckte Tickets sind passé. Was für viele Vielflieger längst Routine ist, sorgt bei anderen für Ärger und Unsicherheit. Kritiker befürchten, dass Menschen ohne Smartphone oder mit wenig Technik-Erfahrung beim Fliegen künftig abgehängt werden könnten.

Die Umstellung gilt ab dem heutigen Mittwoch, 12. November. Wer bei Ryanair eincheckt, muss seine Bordkarte nun elektronisch vorzeigen – am besten über die hauseigene App „myRyanair“, die zur zentralen Schaltstelle des Check-ins wird. Ohne digitale Bordkarte auf dem Smartphone geht künftig weder der Zugang zur Sicherheitskontrolle noch zum Flugzeug.

Wahlmöglichkeit weicht Sorgen
Die deutsche Verbraucherzentrale warnt davor, dass die neue Regelung technisch weniger versierte Reisende oder Menschen ohne Smartphone ausschließen könnte. „Mobilität darf nicht an das technische Geschick oder die tatsächlichen Möglichkeiten von Reisenden geknüpft werden“, sagt Fluggastrechte-Referent André Duderstaedt gegenüber deutschen Medien. Sollte die Umstellung Menschen mit Behinderung benachteiligen, könnten diese sich nach Einschätzung des Verbands auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz berufen.

Ryanair will Wegweiser sein
Ryanair versucht, die Sorgen zu zerstreuen. Der Start der Umstellung wurde vom ursprünglich geplanten Mai auf den ruhigeren November verschoben – um mögliche Startprobleme in einer weniger hektischen Reisezeit besser auffangen zu können. Nach eigenen Angaben will die Airline mit der digitalen Bordkarte über 300 Tonnen Papierabfall pro Jahr vermeiden – und damit weltweit die erste komplett papierlose Fluggesellschaft werden.

Konkurrenten wie Easyjet, British Airways, Lufthansa oder Condor lassen ihren Kunden bislang die Wahl zwischen analoger und digitaler Bordkarte.

App-Zwang lässt sich kaum umgehen
Die Ryanair-App wird für Reisende praktisch unverzichtbar. Wer etwa über andere Buchungsportale bucht, soll trotzdem in die App gelotst werden. Immerhin können Gruppenreisende die elektronischen Bordkarten auch gesammelt auf einem einzigen Gerät vorzeigen oder an Mitreisende weiterleiten.

Ryanair-Chef Michael O’Leary gibt sich gelassen: Sollte der Handy-Akku leer sein, helfe das Personal am Flughafen kostenlos weiter – vorausgesetzt, der Check-in wurde bereits online erledigt. „Wenn etwas passiert, bringen wir Sie trotzdem an Bord“, sagte O’Leary im Gespräch mit dem britischen „Independent“. Wer jedoch ohne Check-in am Schalter erscheint, muss tief in die Tasche greifen.

Gänzlich papierlos ein Etikettenschwindel?
Wer seine Bordkarte nicht digital vorweisen kann, muss am Flughafen eine Check-in-Gebühr zahlen – je nach Land 30 bis 55 Euro pro Person und Strecke. Immerhin entfällt künftig die bislang erhobene Gebühr von 20 Euro für den Neuausdruck einer bereits erstellten Bordkarte.

Ganz papierlos wird Ryanair damit dennoch nicht – für Kunden bleibt vor allem ein Grundsatz bestehen, den Verbraucherschützer längst aus anderen Bereichen kennen: „Nicht digital bedeutet teurer.“

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