25.02.2014 15:47 |

Virtuelles Geld weg

Bitcoin-Handelsplattform aus Netz verschwunden

Zwei Wochen nachdem der Handel mit der Internetwährung Bitcoin auf der Plattform MtGox ausgesetzt wurde, ist die Website nun verschwunden. Am Dienstag erschien unter der Adresse www.mtgox.com nur noch eine weiße Seite - und die Besitzer sind ihr virtuelles Geld offenbar los. "Wir konnten nichts tun", so die zuständige japanische Finanzaufsicht.

Die einst größte Börse für das virtuelle Geld scheint ihren Betrieb eingestellt zu haben: ihre Website ist nicht mehr erreichbar, der Chef verschwunden und das Büro in Tokio verwaist. Einige Investoren protestierten am Dienstag vor dem Gebäude und forderten Auskunft über den Verbleib ihrer Anlagen. "Ich bin sehr verärgert", sagte Kolin Burgers, der in der Spitze Bitcoins im Wert von 300.000 Dollar (über 218.000 Euro) bei MtGox im Depot hatte. "Das ist wohl alles weg."

Bei der Börse war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch Gründer und Vorstandschef Mark Karpeles war nicht aufzufinden: Der Portier seiner Privatwohnung konnte ihn nicht erreichen, aus dem Briefkasten quillt die Post.

Vertrauensverlust für digitale Währung
Damit verliert die Cyberwährung, die man an den Bitcoin-Börsen in reales Geld eintauschen kann, erneut an Vertrauen. Die virtuelle Währung war im Jahr 2009 als Antwort auf die internationale Finanzkrise erfunden worden. Geschaffen hatte sie ein unbekannter Programmierer, der eine von Staaten, Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige Währung wollte.

Das virtuelle Geld wird durch komplexe Verfahren berechnet. Der Wechselkurs zu echten Währungen schwankt aber stark. Zentralbanken warnen vor den Risiken der Währung für die Nutzer. Erst im Januar waren in den USA zudem zwei Organisatoren solcher Handelsplattformen wegen des Verdachts auf Geldwäsche festgenommen worden.

Zukunft von MtGox ungewiss
Nun herrscht völlige Unklarheit über die Zukunft von MtGox, die 2010 gegründet wurde. Anfang Februar hatte das Unternehmen alle Konten wegen "ungewöhnlicher Aktivitäten" bis auf weiteres gesperrt. Die Anleger kamen an ihre virtuellen Guthaben nicht mehr heran. MtGox versprach in der vergangenen Woche, alles komme wieder in Ordnung. Gleichzeitig teilte der Betreiber der Plattform mit, seinen Sitz "aus Sicherheitsgründen" in die japanische Hauptstadt Tokio verlegt zu haben. Dieser Umzug habe zu Verzögerungen bei der Lösung der technischen Probleme geführt.

Am Montag teilte die Bitcoin-Stiftung in den USA mit, MtGox-Chef Mark Karpeles habe seinen Verwaltungsratssitz in der Stiftung aufgegeben. Der Kurs des Bitcoin auf MtGox.com fiel seitdem. Am Dienstag erreichte er 135 Dollar (etwa 98 Euro), nach mehr als 900 Dollar im Jänner.

Bitcoins bei Hackerangriff gestohlen?
Einem dem Technikportal "Wired" vorliegenden "Krisen-Strategie"-Dokument zufolge könnte ein Hackerangriff für das plötzliche Abtauchen der MtGox-Betreiber verantwortlich zeichnen. Demnach sollen der Börse über eine offenbar lange unentdeckt gebliebene Sicherheitslücke mehr als 744.000 Bitcoins im Gegenwert von rund 350 Millionen US-Dollar gestohlen worden sein. (254,6 Millionen Euro).

Dem Papier zufolge soll MtGox davon gewusst und ein Ausstiegsszenario geplant haben. Geplant sei ein Neustart der Bitcoin-Börse unter neuem Namen - Gox - und ohne Chef Mark Karpeles. Bestätigen konnte "Wired" die Echtheit des Dokuments bislang jedoch nicht.

Andere Bitcoin-Börsen distanzieren sich
Andere Bitcoin-Börsen gingen indes auf Distanz zu MtGox und erklärten, das Problem läge bei dem Unternehmen, nicht bei der Währung selbst. "Dieser tragische Vertrauensbruch bei Kunden von MtGox resultiert aus dem Verhalten des Unternehmens und reflektiert nicht die Seriosität oder den Wert von Bitcoins", erklärten sechs Branchenvertreter in einer gemeinsamen Stellungnahme. Allerdings hatten auch andere Betreiber von Bitcoin-Handelsplätzen in der Vergangenheit mit Sicherheitsproblemen und Hackerattacken zu kämpfen.

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