Urteile: Haftstrafen

43 Kolumbianerinnen „ausgenutzt und ausgebeutet“

Gericht
22.10.2025 18:16

Urteilsverkündung am Mittwoch in Salzburg im Fall der mutmaßlichen Menschenhändler-Bande, die jahrelang Kolumbianerinnen nach Österreich holte und sie hier als illegale Sexarbeiterinnen ausbeutete. Haftstrafen setzte es für die drei angeklagten Frauen, die führende Rollen in der Organisation hatten, und einen Taxifahrer. Die Urteile sind nicht rechtskräftig. 

Für den Staatsanwalt ist es „der Höhepunkt eines drei Jahre andauernden Verfahrens“: 43 Opfer, mehr als 30 Beschuldigte, aber nur fünf sitzen auf der Anklagebank – der Bandenchef tauchte in der Türkei unter, der Rest befindet sich in Kolumbien. „Eine solche kriminelle Vereinigung hat es hier noch nie gegeben“, sagt der Ankläger am Mittwoch bei seinem Schlussplädoyer.

Er spricht von Manipulationsversuchen bei den Ermittlungen und den Aussagen der drei hauptangeklagten Frauen: eine Rumänin (31) und zwei Österreicherinnen (32, 34). Sie hatten alle eine führende Rolle inne, aber nur eine habe die Ausnützung und Ausbeutung der Opfer bestätigt. Die anderen zwei Angeklagten, zwei heimische Taxifahrer, haben laut Anklage mitgeholfen: Sie fuhren die Kolumbianerinnen zu den Sex-Geschäften und nahmen ihnen den verdienten Lohn sowie Dokumente ab. 

10.000 Euro Schulden schon bei Ankunft
Die „Krone“ berichtete mehrfach über den Fall: Eine Bande rund um einen in Türken (34) mit Salzburg-Bezug – medial bekannt als „El Chefe“ – hat der Anklage nach Dutzende Kolumbianerinnen unter falschen Versprechungen ins Land geholt, sie unter Androhung von Gewalt zur illegalen Sexarbeit gezwungen und ausgebeutet. Von „Zwang“ und „Täuschung“ redet die Opfer-Anwältin, die acht Kolumbianerinnen rechtlich vertritt: „Sie sind hergekommen mit der Erwartung, gut betreut zu werden und legal zu arbeiten. Es war aber alles illegal, ihnen wurde alles abgenommen.“

Europol nahm in Kolumbien weitere Bandenmitglieder fest.
Europol nahm in Kolumbien weitere Bandenmitglieder fest.(Bild: Europol)

Maximal drei Monate waren die Opfer im Land, wurden immer wieder zu Freiern geschickt, bis sie ihren „Deal“ abgearbeitet haben. Dieser Deal sei mehr oder weniger Zwangsarbeit gewesen: Schon bei der Ankunft in Österreich hatten die Frauen 10.000 Euro Schulden bei „El Chefe“. Manche flüchteten, andere kämpfen noch heute mit psychischen Folgen, so die Opfer-Anwältin.

„Sache läuft jetzt noch weiter“
Ein Verteidiger übte in seinem Plädoyer Kritik, weil der Banden-Boss Ende 2022 eigentlich schon in Salzburg in Polizei-Händen war, aber freigelassen wurde. „Da draußen geht die Sache jetzt noch weiter“, so der Anwalt, der für seine Mandantin – die Rumänin, Lebensgefährtin und laut Anklage rechte Hand des Anführers – eine milde Strafe forderte.

Am Abend verkündete der Schöffensenat die Urteile: Sechs Jahre Haft gab es für die Lebensgefährtin des Bandenbosses. Viereinhalb Jahre für die Organisatorin. Eine weitere Frau bekam zwei Jahre teilbedingt, davon sechs Monate unbedingt. Das gleiche Urteil erhielt einer der beiden Taxifahrer. Der zweite bekam 15 Monate auf Bewährung und eine Geldstrafe in der Höhe von 1800 Euro. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

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