Schlüsselbox entfernt

Bezirkschef zückt im Kampf gegen Airbnb die Flex

Wien
30.09.2025 17:00

Im Wiener Bezirk Neubau hat Bezirksvorsteher Markus Reiter (Grüne) ein spektakuläres Zeichen gesetzt: Mit Flex und Schutzbrille rückte er einer illegal montierten Airbnb-Schlüsselbox am Sankt-Ulrichs-Platz zu Leibe – und kündigte an, dass es nicht bei dieser einen Aktion bleiben wird.

„Wir können nicht länger zusehen“, erklärt Reiter. Schon vor der Wahl habe er das Verbot von Airbnb in Wohnzonen zu einem seiner Kernthemen gemacht. Doch die Stadtregierung habe nach wie vor nicht gehandelt. Darum greift er nun selbst durch: „Heute können wir eine Schlüsselbox wegflexen, aber in den nächsten Jahren muss eine echte Änderung der Bauordnung erfolgen.“

Wiener verlieren dringend benötigten Wohnraum
Die Szene am Platz war symptomatisch für das Problem: Touristen irren mit Koffern durch die Gassen, suchen auf einer App nach dem richtigen Haus – und finden schließlich die kleine Metallbox am Zaun. Ein Code genügt, schon öffnet sich die Tür zur nächsten Kurzzeitwohnung. Für Anrainer bedeutet das ständiges Kommen und Gehen, Fremde im Stiegenhaus, Unruhe im Grätzel. Für die Wiener geht durch die illegalen Airbnb-Vermietungen dringend benötigter Wohnraum verloren.

Neubaus Bezirksvorsteher Markus Reiter (Grüne) flext eine Schlüsselbox weg.
Neubaus Bezirksvorsteher Markus Reiter (Grüne) flext eine Schlüsselbox weg.(Bild: Martin A. Jöchl)

Tausende Wohnungen
Wohnbausprecher Georg Prack von den Wiener Grünen verweist auf die Dimension des Problems: Rund 700 Wohnungen im Siebten seien mittlerweile in Ferienapartments umgewandelt – das entspricht rund vier Prozent des Bestandes. „Wenn wir die Schlüsselboxen im öffentlichen Raum sehen, wissen wir: Hier läuft etwas Illegales“, so Prack. Er fordert ein generelles Verbot von Airbnb-Vermietungen innerhalb des Gürtels, außerhalb nur noch in stark eingeschränktem Ausmaß.

Schlüsselboxen im öffentlichen Raum als Anzeichen für illegale Vermietungen
Schlüsselboxen im öffentlichen Raum als Anzeichen für illegale Vermietungen(Bild: Martin A. Jöchl)

Ruf nach generellem Verbot
Die Zahlen sprechen für sich: Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Airbnb-Angebote in Neubau verzehnfacht – von 70 im Jahr 2014 auf 720 im Jahr 2024. Zwar gibt es seit 2024 strengere Regeln, die Vermietungen auf 90 Tage im Jahr beschränken. Doch in dicht besiedelten Bezirken sind sie wirkungslos. Bis zu 20 Prozent einer Liegenschaft dürfen weiter gewerblich genutzt werden – eine Hintertür, die viele Anbieter nützen.

Aufruf, Schlüsselboxen zu melden
„Der öffentliche Raum gehört allen und nicht den Profitgeiern“, so Reiter. Daher ruft er die Bevölkerung auf, verdächtige Schlüsselboxen sofort zu melden. Jede Box, die entdeckt wird, will er konsequent entfernen lassen. Für ihn ist klar: Nur mit harten Maßnahmen lässt sich Wohnraum in der Innenstadt retten – bevor noch mehr Grätzel zum Spielplatz für Kurzzeitgäste werden.

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