NGO ist besorgt

Familiencamp in bosnischen Bihac geschlossen

Ausland
19.09.2025 06:54
Porträt von krone.at
Von krone.at

Um das Flüchtlingscamp Lipa in der nordbosnischen Stadt Bihać ist es ruhig geworden. Der umstrittene Internierungstrakt, der von Österreich und der EU mitfinanziert wurde, steht leer und wurde nie in Betrieb genommen. Und weil die Zahl der ankommenden Migranten in Bosnien relativ gering ist, wurde nun auch das „Familiencamp“ in Bihać geschlossen. Die NGO SOS Balkanroute ist besorgt.

Das Camp Borići, in der Innenstadt von Bihać gelegen, beherbergte ausschließlich Familien und unbegleitete Minderjährige. Nach der Schließung wurden sie in das Camp Lipa, rund 25 Kilometer außerhalb von Bihać verlegt. „Leider ist das ein weiteres Resultat der jahrelangen ‘Aus dem Augen, aus dem Sinn‘-Politik“, kritisierte der Obmann von SOS Balkanroute, Petar Rosandić, gegenüber der APA.

„Camp Lipa ist kein Platz für Kinder und Familien“
„Lipa, gelegen im Nirgendwo, neben einem Minenfeld, kann kein Platz für Kinder, Familien und unbegleitete Minderjährige sein“, sagte Rosandić. Das Flüchtlingscamp liegt sehr abgelegen, weit weg von jeglicher Infrastruktur, umgeben von einem mit Minenwarnschildern versehenen Wald. Die Kinder, die mit ihren Familien aus dem Camp Borići umgesiedelt wurden, können wegen der fehlenden Transportmöglichkeiten die Schule nun nicht mehr besuchen. Auch andere Aktivitäten oder einfach nur Einkäufe sind schwierig zu organisieren.

Migranten innerhalb eines Zeltes im Camp Lipa
Migranten innerhalb eines Zeltes im Camp Lipa(Bild: APA/AFP)

SOS Balkanroute setzt sich deshalb dafür ein, dass der Schulbesuch wieder möglich gemacht wird und es zumindest einmal täglich einen Shuttle-Dienst von Lipa in die Stadt und wieder zurück organisiert wird. Es gebe diesbezüglich positive Signale vom Bürgermeister der Stadt, Elevdin Sedić, so Rosandić. Unbegleitete Minderjährige sollen außerdem in einem bereits bestehendem Schutzhaus der italienischen Organisation IPSIA in Bihać unterkommen, betonte der Obmann von SOS-Balkanroute. Dort gebe es aktuell ausreichend Plätze und „ausgezeichnete Bedingungen“.

„Wir sind sehr daran interessiert, dass keine unbegleiteten Minderjährigen alleine in Lipa sind“, sagte auch der Bürgermeister von Bihać, Elevdin Sedić, kürzlich gegenüber österreichischen Journalisten. Die Situation im Camp hat sich zwar seiner Ansicht nach im Laufe der vergangenen Jahre verbessert. Doch kommt es nach wie vor zu gewaltsamen Auseinandersetzungen – so wurde etwa laut „Sarajevo Times“ im Mai ein Migrant in Lipa getötet. Geflüchtete berichten außerdem von kriminellen Strukturen innerhalb des Camps.

Wasserversorgung könnte bei größerer Auslastung Problem sein
Aktuell beherbergt das Camp Lipa rund 200 Personen. Insgesamt hat es eine Kapazität von 1500 Personen. Sollte die Zahl der ankommenden Flüchtlinge aber wieder steigen, würde die Trinkwasserzufuhr sowie die Abwasserentsorgung ein Problem darstellen, betonte Sedić. Darauf habe man bereits „vor Jahren“ hingewiesen. „Die 500.000 Euro, die Österreich und die EU in den Internierungstrakt investiert haben, hätte man in eine bessere Wasserversorgung investieren können“, kritisierte der Bürgermeister. „Jetzt heißt es, es sei nicht genug Geld dafür da.“

Das umstrittene Flüchtlingslager Lipa war 2020 errichtet worden, wurde kurz darauf aber wegen seines desolaten Zustands wieder geschlossen. Mit österreichischer und internationaler Hilfe wurde das Camp im unwirtlichen Gelände, südöstlich von Bihać im bosnischen Kanton Una-Sana, umgebaut und saniert. 2023 sorgte der Bau des Hafttrakts, an dem das Wiener Zentrum für Migrationspolitik (ICMPD) beteiligt war, für Schlagzeilen. SOS Balkanroute hatte öffentlich gegen den Bau und die Inbetriebnahme mobilisiert.

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