Bürgermeister-Gipfel

Wien erklärt, was „die Stadt zusammenhält“

Wien
04.07.2025 19:00

Zum Ende des globalen Bürgermeister-Gipfels in der Stadt war Wien nicht nur Gastgeber, sondern auch Hauptdarsteller: In Grundsatzreden wurde erklärt, warum Wien Probleme oft besser bewältigt als andere Städte. Den Kollegen riet man aus eigener Erfahrung, man müsse auch „Schläge einstecken“ können.

Mit einem gemeinsamen Besuch der Donauinsel (siehe dazu auch weiter unten) ist am Freitag das dreitägige Gipfeltreffen von über 100 Bürgermeistern und anderen Stadtverantwortlichen aus aller Welt zu Ende gegangen. Davor haben Bürgermeister Michael Ludwig und Stadtrat Jürgen Czernohorszky (beide SPÖ) den Kollegen aus aller Welt ins Gewissen geredet – ganz getreu dem Gipfel-Motto „Lokale Lösungen, weltweite Wirkung“.

Städte als „Schlüssel zur Zukunft“
Ludwig ist überzeugt, dass die Latte damit nicht zu hoch gelegt ist: Es seien gerade die Städte rund um die Welt, die die Probleme von heute an vorderster Front zu spüren bekämen, etwa „die Folgen des Klimawandels, die Aufnahme von Geflüchteten“ und die Notwendigkeit zur „Entwicklung neuer Technologien“. Als Beispiele dafür, wie ernst Wien die Herausforderungen nehme, nannte Ludwig etwa das Ziel der Klimaneutralität bis 2040, den sozialen Wohnbau und dass Daseinsvorsorge nicht auf Profit ausgerichtet sei. Städte seien „der Schlüssel zu einer nachhaltigen, inklusiven und lebenswerten Zukunft.“

Bürgermeister Michael Ludwig (am Treppenabsatz oben im Bild) im Wiener Rathaus mit ...
Bürgermeister Michael Ludwig (am Treppenabsatz oben im Bild) im Wiener Rathaus mit Bürgermeistern und Stadtverantwortlichen aus aller Welt.(Bild: Stadt Wien / Christian Jobst)

„Vertrauen als wahre Grundlage für Resilienz“
Für Klimastadtrat Czernohorszky beginnt die Widerstandskraft von Städten aber im Kopf: Das Vertrauen von Menschen in „ihre Stadt“ sei „die wahre Grundlage für Resilienz“, sagte er in seiner Grundsatzrede. Um eine Stadt widerstandsfähig zu machen, brauche es statt „Notmaßnahmen“ langfristige Planung, ist Czernohorszky überzeugt. Dabei verwies er auf aktuelle Maßnahmen zu Klimaschutz und Verkehrsplanung, räumte aber auch ein, dass Wien dabei bis heute vom Werk früherer Generationen – etwa bei Wasserversorgung und Kanalisation – profitiert.

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Eine resiliente Stadt bleibt fair, schützt Schwache und wahrt die Würde – auch unter Stress. Dann trauen die Menschen ihrer Stadt auch.

Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky

„Eine resiliente Stadt kann einen Schlag einstecken und trotzdem sauberes Wasser, sichere Mobilität, Gesundheitsversorgung, öffentlichen Raum und Unterkunft bieten“, lieferte Czernohorszky seine Definition einer krisensicheren Metropole. Aus seiner Sicht sind jedoch auch sozialer Wohnbau, Bildung und Gesundheitsversorgung Teil der Krisenvorsorge: Daraus resultiere „ein Gefühl der Fürsorge und Zugehörigkeit“, das „unsere Stadt in Zeiten sozialer Belastungen – wie der Flüchtlingskrise oder der Pandemie – zusammenhält.“

Sechs vorbildhafte Ideen aus aller Welt, eine davon aus Wien

Unter den vielen Projekten und Ideen, die auf dem „World Mayors Forum“ präsentiert wurden, hat die Spitze des „World Cities Summit“ sechs besonders gewürdigt:

  • Algier (Algerien) hat Förderungen für Wohnen im Eigentum neu gedacht und für viele geöffnet, die davor ausgeschlossen waren.
  • In Makassar (Indonesien) sind Info und Leistungen der Stadt nun über eine einzige App abrufbar.
  • Caracas (Venezuela) bezieht die Bevölkerung bei Projekten bis hinunter auf Grätzel-Ebene ein.
  • Der Wassermangel in Fukuoka (Japan) hat zu innovativen Techniken geführt, mit denen man dem Ziel näherkommt, „keinen Tropfen zu verschwenden“.
  • Wien bekam Lob für die Donauinsel – weil gelungen sei, das „Risiko von Überschwemmungen in eine Chance“ und „einen der beliebtesten öffentlichen Räume Wiens“ zu verwandeln.
  • Antwerpen (Belgien) wurde für die behutsame Renovierung von Altbauten als Vorbild genannt.

Gipfel vergehen, Partnerschaften bestehen
Abseits des Bürgermeistergipfels unterhält Wien auch zahlreiche andere Partnerschaften, mit elf Städten etwa derzeit aktive sogenannte themenspezifische Kooperationsabkommen. Die Metropolen sind über den gesamten Globus verstreut. Dazu zählen etwa das türkische Ankara, Brünn, Krakau, Paris, Laibach, Zagreb und sogar Vancouver in Kanada. Doch was ist der Sinn dahinter?

In den kommunalen Bereichen wie beispielsweise Stadtentwicklung, Abfall- und Energiewirtschaft, Wohnbau, öffentlicher Verkehr und Gesundheitswesen soll ein vertiefter Erfahrungs- und Wissensaustausch stattfinden. Darüber hinaus gibt es spezielle Abkommen mit Städten auf dem Gebiet des Katastrophenschutzes und des Krisenmanagements unter anderem mit Tel Aviv und Warschau. Viele Verbindungen sind historisch gewachsen, so auch die Achse Wien – Moskau. Altbürgermeister Michael Häupl pflegte eine enge Freundschaft zu Moskaus damaligem Stadtoberhaupt Juri Luschkow. Die Zusammenarbeit ist derzeit inaktiv – wegen Russlands Krieg gegen die Ukraine.

Zu den traditionell mit Wien eng verbundenen Städten zählen vor allem Prag, Bratislava und Budapest. Seit dem Jahr 2019 tauschen sich Wien, Hamburg und Zürich im Rahmen des Städtetrilogs über Herausforderungen und Entwicklungsstrategien aus, um voneinander zu lernen. Regen Austausch gibt es auch mit Berlin, Belgrad, Sarajevo und Sofia.

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