Schock für ein betagtes Wiener Ehepaar: Denn ein unseriöser Schlüsseldienst keilte an der Haustüre um Schlösser zum Wucherpreis und wurde dann auch noch aggressiv. Eine junge Nachbarin zeigte Zivilcourage.
Wirbel um eine neue Abzocke in der Leopoldstadt. Scheinbar macht eine Sicherheitsfirma gezielt Jagd auf betagte Wiener. Das Ziel: Diesen an der Haustüre extrem überteuerte Sicherheitsschlösser anzudrehen. Als die jüngsten „Opfer“ stutzig werden, eskaliert die Situation.
Haarsträubende Geschichte
Aber von Anfang an: Freitagvormittag vergangene Woche. Ein Mann, der sich als Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma (der Name ist der „Krone“ bekannt) ausgibt, steht vor der Tür. Der Grund seines Besuchs: Es habe kürzlich einen Einbruch im Haus gegeben, die Schlösser seien nicht mehr sicher - dringender Handlungsbedarf. Kostenpunkt: über 3000 Euro.
Anzahlung gleich fällig
Das Ehepaar wird unter Druck gesetzt. Der Mann behauptet, auch bei anderen Hausbewohnern bereits neue Schlösser eingebaut zu haben. Darunter sogar bei der Nachbarin gegenüber. Eine glatte Lüge. Als der „Experte“ dann auch gleich eine Anzahlung verlangt und bereits am nächsten Tag zur Tat schreiten will, wird das Ehepaar stutzig und verlangt einen Ausweis, um weitere Informationen einzuholen. Dann eskaliert die Situation. Es kommt zu Handgreiflichkeiten – wie das Ehepaar später gegenüber der Polizei zu Protokoll gibt.
Verbraucher sollten im Falle einer schlechten Erfahrung mit einem unseriösen Anbieter eine Anzeige bei der Polizei erstatten sowie eine Meldung bei der WKW machen und den Konsumentenschutz kontaktieren.

Christian Adamovic, Landesinnungsmeister der Metalltechnik
Bild: Foto Weinwurm
Junge Nachbarin schreitet ein
Zu diesem Zeitpunkt wird Christine, 27, auf die Szene aufmerksam. Sie wohnt gegenüber, kennt das Ehepaar seit ihrer Kindheit. Sie hört Hilfeschreie, sieht den flüchtenden Mann – und zögert nicht. „Ich habe gar nicht nachgedacht. Ich habe ihn angesprochen, aber er hat nur provokant gelächelt und ist weitergegangen. Da habe ich mein Handy herausgeholt und ihn gefilmt“, schildert sie. Der Fall liegt nun auf jeden Fall bei der Polizei.
Im Internet warnen Kunden vor aggressiver Masche
Sicher ist: Das Vorgehen scheint System zu haben. Auch im Internet ist die Firma für ihre Masche verschrieben. Es hagelt negative Bewertungen und Warnungen. Es heißt zum Beispiel (siehe Faksimiles): „Bei meiner älteren Nachbarin hat er was von einem angeblichen Einbruch in unserem Haus erzählt. Als ich mit dem Handy auf den Flur gegangen bin, ist er abgehauen. Höchste Vorsicht bei dieser Firma.“ Die Aktion ist nicht nur unethisch, auch die angebotenen Schlösser sind preislich deutlich überzogen - kosten eigentlich nur einen Bruchteil.
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