"Normalerweise geht man bei so einem Schadensbetrag nicht mit einer bedingten Strafe nach Hause", hielt die vorsitzende Richterin Hannelore Pilz fest. Nur das Geständnis des Angeklagten, seine bisherige Unbescholtenheit und der lang zurückliegende Tatzeitraum - die kriminellen Machenschaften hatten sich zwischen Ende 2006 und März 2008 abgespielt - hätten dem Mann den Gang ins Gefängnis erspart, sagte Pilz.
Der Personalvertreter hatte sich eine seit 1998 bestehende Vereinbarung zwischen dem Spital und einem Apotheker zunutze gemacht: Dieser bot Mitarbeitern der Krankenanstalt Medikamente zu einem deutlich reduzierten Preis an. Die Bestellungen und die Abrechnung oblagen der Personalvertretung, wobei der jeweilige Vorsitzende die einkassierten Beträge - wöchentlich im Durchschnitt immerhin 15.000 Euro - in einem Tresor verwahrte, ehe er sie gesammelt dem Apotheker ablieferte.
"Ich hab' bis zum Schluss geglaubt, es wird gut gehen"
Daraus bediente sich der Angeklagte, nachdem er der Spielsucht verfallen war und sämtliche private Kanäle, die er angezapft hatte, versiegt waren. "Ich hab' schon meine ganze Familie, meine Mutter geplündert gehabt. Und dann habe ich in die Kassa gegriffen", gab der 44-Jährige zu Protokoll.
100.000 Euro habe seine Mutter verloren, er selbst habe all seine Ersparnisse von 160.000 Euro verspielt. Sein Kreditrahmen für einen geplanten Hausbau sei ausgereizt, das Bankkonto überzogen gewesen. Daher habe er "immer wieder ein paar Tausend Euro aus dem Tresor genommen. Ich hab' bis zum Schluss geglaubt, es wird gut gehen. Im Nachhinein wäre ich froh gewesen, wenn jemand die Bremse gezogen hätte."
Apotheker erstattete keine Anzeige
Der Krankenpfleger hatte am Roulette-Tisch jedoch kein Glück. Er verlor auch das fremde Vermögen. Als der Apotheker auf Zahlung der ausständigen Gelder drängte, erzählte er diesem zunächst erfundene Geschichten - unter anderem gab er vor, von der Russen-Mafia bedroht zu werden -, ehe er endlich die Fehlgriffe beichtete. Der Apotheker erstattete dennoch keine Anzeige. Mithilfe seiner Ehefrau brachte der Personalvertreter 65.000 Euro auf, die er dem Apotheker bezahlte. Auf die offenen 235.000 Euro verzichtete der Mann aus unbekannten Gründen.
Die Strafverfolgungsbehörden erfuhren von den Malversationen erst, nachdem in dem Krankenhaus eine weitere groß angelegte Veruntreuung aufgeflogen war, die zur Verurteilung der betreffenden Täterin geführt hatte. Diese plauderte aus, dass sie nicht die Einzige sei, die sich etwas zuschulden habe kommen lassen. So landete auch der langjährige Personalvertreter doch noch vor dem Kadi.
Den zahlreichen Mitarbeitern, die bei ihm Tabletten und Pulver bestellt und dafür bezahlt hatten, entstand übrigens kein Schaden. Die Apotheke hatte trotz der stockenden Zahlungsflüsse sämtliche georderten Waren geliefert.
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