Vom chronischen Defizitbringer wurden die Kassen in den letzten Jahren so weit saniert, dass sie derzeit schwarze Zahlen schreiben, ohne dass es für die Patienten Verschlechterungen gab. Dieser Erfolg soll nun als Modell für das Gesundheitssystem dienen.
Gesundheitskosten werden dennoch steigen
Trotzdem wird Gesundheit nicht billiger. Die (öffentlichen) Ausgaben werden auch in Zukunft weiter steigen. Allerdings sollen durch die Reform bis 2016 rund 3,4 Milliarden Euro "eingespart" werden - das heißt in dem Fall, dass der Kostenanstieg gebremst wird.
Schelling erklärt: "Es wird einen Vier-Jahres-Plan für die Umsetzung geben. Mit jedem Bundesland wird ein eigener Zielsteuerungsvertrag abgeschlossen." Teure Doppelgleisigkeiten werden abgeschafft, viele Behandlungen werden (wo es medizinisch vertretbar ist, Anm.) in Tageskliniken oder in die Ordinationen verlegt. "Das Geld folgt der Leistung", lautet künftig das Prinzip. Bisher war es so, dass die Einrichtungen danach trachteten, möglichst viel Geld aus verschiedenen Töpfen zu bekommen, egal, ob es dem Patienten nützt oder nicht.
Schelling: "Keine doppelten Untersuchungen mehr"
Wie funktioniert das in der Praxis? Einige Beispiele: Wenn jemand sich einer Meniskusoperation unterziehen muss, muss er vorher zum Orthopäden, hat Röntgen, Magnetresonanz usw. zu absolvieren. "Wenn dann fix ist, dass er operiert wird, kommt er ins Spital, und alle Untersuchungen werden noch einmal gemacht. Das darf es nicht mehr geben", erklärt Schelling. "Voraussetzung ist, dass die Daten für alle im System zugänglich sind."
In den Spitälern soll es zu Spezialisierungen auf bestimmte Fachgebiete kommen. Für den Patienten ergibt sich dadurch der Vorteil, dass zum Beispiel durch viele Nierentransplantationen, die durchgeführt werden, die Sicherheit und die Qualität steigen werden. "80 Prozent aller Operationen sind lang vorgeplant, hier lässt sich in der Steuerung viel verbessern", meint Schelling.
Zahl der Gruppenpraxen wird erhöht
Bei den niedergelassenen Ärzten soll die Zahl der Gruppenpraxen deutlich erhöht werden, verschiedene Fachärzte unter einem Dach ist ein Ziel. Damit verbunden sind neue Kassenverträge, in denen längere Öffnungszeiten - zum Teil am Abend und am Wochenende - festgeschrieben sind. So können Ambulanzen entlastet werden. 27 Prozent der Österreicher gehen einmal im Jahr ins Spital, der EU-Schnitt sind 17 Prozent.
Vorbilder im Ausland gesucht
Weiters geplant ist die Einrichtung einer "medizinischen Fernberatung als Soforthilfe", damit "die Patienten gleich zum richtigen Arzt oder ins richtige Spital gehen", beschreibt Schelling das Ziel vom "best point of service". Derzeit sieht man sich im Ausland Beispiele an, wo das am besten funktioniert. Dann wird es auch bei uns fix eingerichtet.
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