Die These, dass weiße Hunde nicht zu erziehen sind, ist zwar wissenschaftlich nicht bewiesen, Autor und „Krone“-Kolumnist Robert Schneider ist dennoch fest überzeugt davon. Sein Hund Smilla hat den Beweis angetreten.
Smilla ist schwer erziehbar. Ich sagte immer, dass alle Hunde mit weißem Fell eigentlich gar keine Hunde sind. Sie lassen sich nicht abrichten, Kommandos wie „Hier!“ und „Ablegen!“ können sie sich einfach nicht merken, aber das Leckerli, das zur Belohnung gedacht ist, schnappen sie dir in einem unaufmerksamen Moment so schnell aus der Hand, dass du fast wieder geneigt bist, vor lauter Staunen „Schlauer, schlauer Hund!“ zu rufen.
Schon als wir Smilla bei einer Züchterin im Allgäu gekauft haben, fand ich sie seltsam. Im Grunde genommen beide: die Züchterin wie den kleinen Tibet-Terrier. Als er uns das erste Mal sah, sprang er über den Zwingerzaun und mitten auf den Tisch der Gartenlaube, während die anderen Hunde kläfften oder überhaupt nicht reagierten. Meine Kinder, die damals noch klein waren, interpretierten es als Liebe auf den ersten Blick.
Die Züchterin spürte das offenbar und trieb den Preis glatt noch einmal einen Hunderter hinauf. Murrend sagte ich im Nachhinein zu meinen Buben: „Ihr seid schlechte Geschäftsleute. Man darf sich niemals anmerken lassen, dass man unbedingt kaufen will.“
Jedenfalls lebt und gedeiht dieses Miststück jetzt in unserem Haus, gehört zum Inventar. Smillas Gier ist jenseits von Gut und Böse. Schon oft habe ich mir überlegt, sie so lange aus dem Hundenapf fressen zu lassen, bis sie tot umfällt. Sie hört nämlich mit dem Fressen nicht mehr auf. Ein „frühhundliches“ Trauma, vermute ich. Gar nicht so unähnlich den frühkindlichen Traumata, die sich im Erwachsenenalter dann zu einem bestialischen Appetit auf immer noch mehr, noch weiter, noch höher emporstilisieren. „Smilla ist wie Benko“, lautet der Running Gag bei uns im Haus. Als Benko nämlich das Chrysler-Building kaufte, ist er tot umgefallen, sinngemäß natürlich. Mal sehen, wann unsere Smilla crasht.
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