Hydroxychloroquin

Gegen Corona wirkungslos, nun Studie zurückgezogen

Wissen
19.12.2024 09:31
Porträt von krone.at
Von krone.at

Hydroxychloroquin gehörte während der Corona-Pandemie zu den Lieblingsmedikamenten von US-Präsident Donald Trump und Brasiliens Ex-Staatsoberhaupt Jair Bolsonaro, obwohl die Wirksamkeit des Anti-Malaria-Mittels im Zusammenhang mit dem Coronavirus nie bewiesen wurde. Nun ist eine französische Studie zurückgezogen worden, die mitentscheidend für den damaligen Hype rund um das Mittel gewesen war.

Die vor viereinhalb Jahren im „International Journal of Antimicrobial Agents“ mit Co-Eigentümerschaft der Internationalen Gesellschaft für Antimikrobielle Chemotherapie (ISAC) veröffentliche Studie von französischen Wissenschaftlern hatte einen unerhörten Wirbel ausgelöst. Das beeinflusste auch die Covid-19-Politik von ganzen Staaten. Die Wissenschaftszeitschrift „Nature“ schrieb am Mittwoch dazu: „Zu Beginn der Pandemie hatten Laborstudien und einige Berichte aus China darauf hingewiesen, dass Hydroxyquloroquin bei der Behandlung von Covid-19 helfen könnte. (Didier) Raoult, der damalige Leiter der IHU (Infektions-Forschungseinrichtung in Marseille; Anm.), war ein starker Befürworter dieser Idee. Am 16. März 2020 berichteten er und seine IHU-Kollegen in einem Vorabdruck, dass Hydroxychloroquin, in einigen Fällen zusammen mit dem Antibiotikum Azithromycin, die SARS-CoV-2-Viruslast bei 20 Teilnehmern gesenkt hatte.“

Didier Raoult hatte mit einer umstrittenen Studie den Hype ausgelöst.
Didier Raoult hatte mit einer umstrittenen Studie den Hype ausgelöst.(Bild: APA/AFP/Christophe SIMON)

Die Studie sei von US-Fernsehsendern sofort gehypt worden. Vier Tage später wurde die Arbeit im „International Journal of Antimicrobial Agents“ veröffentlicht, bei dem Co-Autor Jean-Marc Rolain gar Chefredakteur war. Das wissenschaftliche Journal hatte das eingereichte Manuskript innerhalb eines Tages angenommen. Normalerweise dauert das zumindest Wochen. Trump bezeichnete jedenfalls das Uralt-Malariamittel gar als „Geschenk Gottes“. Die Sache sei „bahnbrechend“. Mehrere Staaten, so auch die USA, ließen gar die Verwendung von Hydroxychloroquin bei Covid-19 zu. 

Eine Person während Tests gestorben
Forscher hatten die umstrittene Studie mehrfach kritisiert und Bedenken hinsichtlich der Datenqualität, unklarer ethischer Hintergründe und wegen anderer Faktoren geäußert. Sechs mit Hydroxychloroquin behandelte Personen brachen sogar eine Studie ab – eine von ihnen starb und drei wurden auf eine Intensivstation verlegt.

Zurückgezogene Studie weltweit 3600 Mal zitiert
Das Zurückziehen der Veröffentlichung durch den Elsevier-Verlag wurde jetzt jedenfalls begrüßt. „Das sind unglaublich gute Nachrichten“, sagte Elisabeth Bik, eine Bildforensikerin und Beraterin für wissenschaftliche Integrität in San Francisco, die zu den Kritikern des Papiers und von Raoults Arbeit gehört und sie auch im Auftrag des Journals analysiert hat. Der französische Wissenschaftler ist mittlerweile in Pension. Die Studie wurde weltweit 3600 Mal von anderen Fachleuten in Studien zitiert. Sie ist damit die am zweithäufigsten zitierte Studie, die je zurückgezogen werden musste.

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