Der internationale Skiverband FIS hat in der Vorwoche die verpflichtende Nutzung des Airbags in den Speed-Disziplinen abgesegnet. Dass es die Möglichkeit gibt, Ausnahmen zu beantragen, ärgert die Schweizer Ski-Legende Bernhard Russi.
„Ich bin zu 100 Prozent überzeugt, dass das Airbag-Obligatorium richtig ist. Denn wir reden im Skisport ständig von der Sicherheit. Zu Recht, es ist nun mal gefährlich, mit den hohen Tempi und praktisch ungeschützt einen Berg runterzufahren“, schreibt Russi in seiner Kolumne für das Schweizer Blatt „Blick“.
„Sehr gute Idee zunichtegemacht“
Dennoch habe es die FIS geschafft, „eine eigentlich sehr gute Idee gleich selber wieder zunichtezumachen. Dass Fahrerinnen und Fahrern nun Ausnahmegenehmigungen beantragen dürfen und sicher auch werden, ist befremdlich“, kritisiert der Schweizer. Die Ausnahmeregelung sorge dafür, „dass man von Anfang an die neue Regel nicht konsequent durchsetzt. Die Botschaft, die so rüberkommt, ist genau das Gegenteil von dem, wie es sein sollte.“
Wie die FIS bekannt gab, können die nationalen Verbände Ausnahmen für Athleten zulassen, falls diesen der Airbag nicht passt und das die Bewegungsfreiheit in gefährlicher Weise einschränkt.
Umstrittenes Thema im Skizirkus
Ob erwiesen ist, dass der Airbag unter dem Skianzug schwere Verletzungen verhindern kann, ist jedoch umstritten. In der vergangenen Saison wurde heftig darüber diskutiert. Einige Athleten meinten, dass die Spezialweste mit aufblasbaren Luftkammern potenziell sogar gefährlich sei, wenn die Auslösung im falschen Moment passiere. Zudem seien Knieverletzungen im alpinen Skisport viel häufiger und gefährlicher, und gegen diese könne der Airbag nichts ausrichten. Der Airbag soll sich in dem Moment mit Luft aufblasen, in dem der Träger aus dem Gleichgewicht gerät, und soll primär den Oberkörper und den Nacken schützen.
Einer, der dem Airbag noch nicht vertraut, ist Speed-Ass Vincent Kriechmayr. „Ich bin ihn deswegen noch nicht gefahren, weil ich ihn noch nicht optimal gefittet habe für mich“, sagte der Oberösterreicher. „Ich fahre Rennanzüge, die sehr beweglich sind. Ich muss mich rühren können. Der Airbag hat mir von der Passform noch nicht 100 Prozent gepasst“, betonte er. „Grundsätzlich ist alles, was unseren Sport sicherer macht, zu befürworten, aber es gibt schon auch noch andere Dinge, wo man ansetzen kann. Der Airbag wird nicht das Allheilmittel sein.“
Kriechmayr ist mit seiner Haltung nicht alleine. Auch Aleksander Aamodt Kilde, Dominik Paris oder Lara Gut-Behrami trugen zuletzt keinen Airbag. Marco Odermatt, Sofia Goggia und viele andere sind dagegen bereits ausgerüstet.
Ob der ÖSV für Kriechmayr (oder andere) eine Ausnahme anmelden wird, ist noch unklar. Das erste Speedrennen in dieser Saison steht erst am 6. Dezember in Beaver Creek auf dem Programm, wo es eine Abfahrt zu absolvieren gilt.
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