30-Jahre-Jubiläum

Wie eine „Hexenjagd“ Schumis Weltkarriere startete

Formel 1
13.11.2024 07:07

Michael Schumacher fixierte auf den Tag genau vor 30 Jahren in Adelaide seinen ersten von sieben WM-Titeln. Williams sprach von „schwerem Foul“. „Hexenjagd“ löste Start zu Schumis Weltkarriere aus. 

Was war das für ein herrlicher Tag, jener 13. November 1994, als der Autor dieser Zeilen in Kingscote auf Kangaroo Island in die kleine Maschine kletterte, um den rund halbstündigen Flug nach Adelaide anzutreten. Dorthin, wo ein paar Stunden später, der hochdramatische WM-Finalthriller zwischen Michael Schumacher im Benetton und Damon Hill im Williams, der mit nur einem Zähler Rückstand auf Platz zwei der Meisterschaftswertung lag, über die Bühne gehen würde. Lediglich ein paar Schäfchenwolken trübten bei 21 Grad Lufttemperatur den tiefblauen Himmel, 135.000 Fans auf den Tribünen sorgten für den perfekten Rahmen ...

Doch schon beim letzten Informationsgang durch Fahrerlager und Boxengasse spürte man das Knistern in der ohnehin spannungsgeladenen australischen Luft. Bei Williams stand man auch noch ein halbes Jahr nach dem tödlichen Imola-Unfall von Ayrton Senna unter einer Art Schockstarre – doch man witterte die große Chance, mit dem Duo Hill und Nigel Mansell mögliche „Fouls“ von Schumacher abwehren zu können. Bei Benetton dagegen sprach Teamchef Flavio Briatore schon während der ganzen Saison von einer Art „Hexenjagd“ gegen seinen Rennstall (u.a. zwei Rennen Sperre gegen Schumacher). „Präsident Max Mosley war es ein Dorn im Auge, dass ein Privatteam, das noch dazu ein T-Shirt-Hersteller ist, schneller fährt als Ferrari, McLaren oder Williams.“

Schäden von Hill zu groß
Dann war es endlich soweit. Die Startampel sprang auf Grün. Schumacher und Hill überholten Pole-Setter Mansell, alles lief reibungslos. Bis Runde 36. In der East Terrace-Kurve rutschte „Schumis“ B194-Bolide von der Piste, prallte gegen die Begrenzungsmauer, von dort zurück auf den Asphalt. Hill witterte seine Chance, setzte zum Überholmanöver an, die beiden Autos kollidierten. Schumacher schied aus und dachte: „Scheiße, jetzt ist der Titel beim Teufel.“ Denn Hill schleppte seinen waidwunden FW16 trotz einer stark beschädigten Aufhängung noch an die Box. Dort versuchte Technikchef Patrick Head mit bloßen Händen zu retten, was zu retten ist. Doch die Schäden waren zu groß ...

Von Ferrari zu Benetton: Gerhard Berger tauschte mit „Schumi“ 1996 das Cockpit. 
Von Ferrari zu Benetton: Gerhard Berger tauschte mit „Schumi“ 1996 das Cockpit. (Bild: AFP)

Damit avancierte Michael Schumacher zum ersten deutschen Formel 1-Weltmeister. Während die ganze britische Insel dem Kerpener ein „schweres Foul“ unterstellte, blieb der Champion cool. „Es war über die ganze Saison ein harter Kampf mit Damon, aber das Gefühl, hier und jetzt als Weltmeister dazustehen, ist einfach nur traumhaft!“

Niki Lauda im Talk mit Schumacher.
Niki Lauda im Talk mit Schumacher.(Bild: AP)

Zu Schumis Dominanz in den Folgejahren mit sechs weiteren WM-Titeln meinte einst Niki Lauda lächelnd: „Um eine Chance zu haben, sollte man Michael drei oder vier Rennen sperren ...“ 

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