Streit um Kommentar

„Zensur“: Wahlkampf schwappt auf Bauern über

Kärnten
15.09.2024 10:01

In der Landwirtschaftskammer Kärnten hängt aktuell der Haussegen schief. Der blaue Vizechef ärgert sich über „Meinungszensur“.

Zugegeben, der bisherige Wahlkampf präsentierte sich in Kärnten eher gemäßigt – keine unfairen Anschuldigungen oder wüsten Beschimpfungen, keine Schreiduelle oder persönlichen Angriffe; höchstens wurden kleine Seitenhiebe ausgeteilt. Offenbar hat sich das aber noch nicht bis in die Landwirtschaftskammer durchgesprochen, denn dort kracht es nun ordentlich.

Bekanntlich bemühen sich vor allem die Kärntner Freiheitlichen schon länger um die Wählergruppe „Bauern“, übten noch Anfang des Jahres harsche Kritik an der ÖVP-Agrarpolitik. Nun scheint der Wahlkampf in die Zentrale in der Museumgasse in Klagenfurt vollends Einzug gefunden zu haben, ausgerechnet die Kammerspitze liegt dort im Clinch: Vizepräsident Roman Linder (Freiheitliche Bauernschaft) wirft LK-Präsidenten Siegfried Huber (Bauernbund) „Meinungszensur“ vor – aber worum geht es eigentlich?

Huber und Linder (nächstes Bild) sind wohl nicht mehr besonders gut aufeinander zu sprechen.
Huber und Linder (nächstes Bild) sind wohl nicht mehr besonders gut aufeinander zu sprechen.(Bild: (c)Paul Gruber)
Auslöser ist ein Kommentar für den „Kärntner Bauer“.
Auslöser ist ein Kommentar für den „Kärntner Bauer“.(Bild: zVg)

Jedem der 36 Kammerräten ist es gestattet, für die Wochenzeitschrift der LK – „Kärntner Bauer“ – einen Kommentar zu verfassen. Darin werden unterschiedlichste Sachthemen rund um die Interessensvertretung der Kärntner Landwirte behandelt. Linder wollte seine Bühne nützen, um unter anderem die Abschaffung der „Präsidentenpension“ zu fordern – nach zehn Amtsjahren finanziert die Landwirtschaftskammer nämlich eine lebenslängliche Pension für die jeweiligen Präsidenten; zusätzlich zu den gesetzlichen Bezügen. Dass eine solche Forderung dem aktuellen LK-Chef Huber sauer aufstößt, dürfte zu erwarten gewesen sein.

Präsident gibt sich wortkarg
Und so flog der Kommentar kurzerhand raus: „Offenbar ist Meinungsvielfalt in der Landwirtschaftskammer nicht erwünscht“, ärgert sich sein blauer Vize. Zwar gibt es keinen Rechtsanspruch auf eine Veröffentlichung, eine schiefe Optik ergibt sich trotzdem – hat der Präsident etwa ein dünnes Fell? „Das ist ein internes Thema, dazu gebe ich keine Auskunft“, hält sich Huber kurz. Erledigt ist das Thema jedenfalls noch nicht, bald soll es eine Sitzung geben. Dort wird dann vermutlich weitergestritten … 

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