Bunte Haare, vollvermummtes Gesicht, Sonnenbrille – Raven Saunders, die Frau mit der Maske, ist zurück auf der Olympischen Bühne und steht schon im Kugelstoßen-Finale. Ihr Leben hat(te) es in sich.
„Hilft bei der Konzentration.“ Sagt Raven Saunders, wenn sie gefragt wird, warum sie im Wettkampf ihr Gesicht verhüllt. Könnte stimmen, die Quali schaffte die US-Amerikanerin souverän, sie steht im Finale und kämpft um eine Olympia-Medaille. Es wäre die zweite nach Silber in Tokio 2021.
Switchen wie Hulk
Das Gefühl eines großen Coups bei Olympia ist für sie ebenso wenig neu wie ihr extravagantes Auftreten. Schon 2021, eben in Tokio, war sie mit einer „Hulk“-Maske aufgetreten und aufgefallen. Mithilfe der Maske verwandelte sie sich quasi, analog zur Comic-Figur. „Am Anfang fiel es mir schwer, ähnlich wie Hulk, zwischen den beiden Personen in mir zu unterscheiden und zu kontrollieren, wann der Hulk herauskommt und wann nicht“, erklärte sie damals gegenüber „Yahoo“.
Saunders, heute 28 Jahre alt, ist eine vielschichtige Person. Sie hat mehr erlebt, als ihr lieb war und ist. Sie spricht offen über ernste psychische Probleme in ihrer Jugend. Ihre Therapeutin habe sie vor Schlimmerem bewahrt, erklärte sie einmal. „Ich war jung, lesbisch, schwarz – und hatte wirklich das Gefühl, dass es keinen Ausweg gab.“ Gab‘s zum Glück doch. Sie schaffte es bis zur Medaillengewinnerin. Auch weil sie (mithilfe der Hulk-Maske) gelernt habe, sich abzugrenzen, wie sie erzählte.
Schicksalsschlag nach Triumph
Dem großen Triumph – im Zuge dessen sie mit der „Hulk“-Geste schon für Wirbel gesorgt hatte – folgte die Tragödie: Die Mutter von Saunders starb kurz nach dem Gewinn der „Silbernen“ in Tokio.
Saunders‘ thematische Steckenpferde neben dem Sport sind die LQBTQ-Gemeinschaft und psychische Probleme. Sie hoffe, mit einer weitere Medaille Menschen in genau diesen beiden Genres zu „inspirieren und motivieren“. Die Chance dazu bietet sich am Freitagabend im Finale. Bei dem Saunders sehr wahrscheinlich mit schwarzer Maske antreten wird.
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