Wenn es für die Eltern erstrebenswert wäre, dann stünde der sechsjährige Felix wohl längst im berühmten "Guinness-Buch der Rekorde", als jüngster Abenteurer und Globetrotter der Welt. Zum Glück geht's ihnen aber nicht um Rekorde.
Knirps war schon in 46 Ländern
Der aufgeweckte Grazer Knirps war bereits auf fünf Kontinenten und in 46 Ländern. Er hat mit seinen Eltern insgesamt 31 Reisen unternommen, hat 483 Tage seines kurzen Lebens im Ausland verbracht und dabei imposante 230.000 Kilometer in Flugzeugen und 102.000 Kilometer auf dem Landweg zurückgelegt.
"Ich seh' schon die entsetzten Blicke mancher Leser", sagt Mama Monika. Und: "'Um Gottes Willen', denken da wohl viele, 'das arme Kind wird von seinen reiseverrückten Rabeneltern um die Welt gezerrt!'" Stimmt. Daran denkt man, wenn man die Globetrotter-Statistik des Buben liest. Aber die wird von den Eltern kaum öffentlich serviert. Weil Mama und Papa keinen Wert darauf legen, ihren Felix ins Rampenlicht zu rücken. Eines ist aber schon wahr: Sie sind reiseverrückt. Und sie wollen diese Verrücktheit auch als Familie ausleben.
"Weil's eine Sucht ist, die mein ganzes Leben ausfüllt"
Papa Gerhard Huber, geboren in Liezen und Sohn eines begeisterten Bergsteigers, war acht Jahre alt, als er begann, Wander- und Urlaubsabenteuer mit einer simplen Kompaktkamera festzuhalten. "Mit 14 hab ich meinen ersten Diavortrag gehalten", sagt er. Dann studierte er in Graz Maschinenbau - "Weil der Bub ja was Anständiges lernen sollte" -, bewegte sich ein paar Jahre lang als "Den-Urlaub-für-Weltreisen-Nutzender" in der Wirtschaftswelt und sagte dieser 1999 ade.
Er machte sich als Abenteurer, Reisefotograf und Vortragender selbständig. "Weil's eine Sucht ist, die mein ganzes Leben ausfüllt. Mehr als 120 Länder haben meine Fotografierwut schon ertragen müssen, daraus sind etwa 150 Vorträge entstanden." Diese teilt er mit anderen - "Reiseversum" heißt seine Vortrags-Firma, angesiedelt ist sie in der Grazer UCI-Kinowelt-Annenhof.
"Das Reise-Gen ist ganz sicher vererbbar!"
Aber in dieser Geschichte geht's ja um Felix - den Weltreiseknirps.
"Seit er auf der Welt ist, hat sich mein Reisestil geändert", sagt der Papa. "Ich bin jetzt mit Frau und Sohn unterwegs. Und ich weiß heute auch: Das Reise-Gen ist ganz sicher vererbbar!"
"Als uns die Nachricht von der bevorstehenden Ankunft von Felix erreicht hat, haben wir uns natürlich Gedanken gemacht, wie wir das Reisen in Zukunft gestalten sollten. Uns war klar: keine Reisen in abgelegene Regionen, keine Gebiete mit Malaria, eine Reisedauer von maximal vier Wochen, die jährliche Reisezeit muss sich auf drei Monate beschränken und - ganz wichtig - eine vernünftige medizinische Versorgung muss vorhanden sein."
Felix hat alle Tests "bestanden"
Für die allererste Felix-Reise wählten die Eltern ein Gebiet, das ihnen - als welterfahrene Globetrotter - seltsamerweise unbekannt war: Kroatien! "Zwischen Split und Dubrovnik waren wir aufgrund eines Megastaus acht Stunden im Auto, und Felix, damals gerade fünf Monate alt, hat keinen Mucks gemacht. Autofahrertest bestanden! Er hat auch in jeder Lebenslage, egal wie laut der Lärm war, wie ein Murmeltier geschlafen. Schlaftest bestanden! Danach - als er acht Monate alt war - sind wir in die Karibik geflogen. Zehn Stunden im Flugzeug, und er hat sich dabei köstlich amüsiert. Flugtest bestanden!"
Weitere Tests: Felix und das Essen. "Er war von Anfang an ein guter Esser. Natürlich haben wir uns bei jeder Fernreise Sorgen wegen der Gefahr einer Durchfallerkrankung gemacht und dementsprechende Medikamente mitgehabt. Aber unser Felix war auch in dieser Beziehung sehr robust und hat Reisen in kritische Gebiete wie Zentralasien, Ägypten oder Indien ohne Probleme überstanden."
Felix liebt das Klettern und interessiert sich für Kultur
Felix und die Natur: "Sein Lieblingssport war von Anfang an das Klettern. In Grönland haben ihn die Eisberge sehr beeindruckt. Er hat zwar gesagt: 'Brrrr, das ist kalt', aber wir hatten trotzdem alle Mühe, ihn davon abzuhalten, einen der Eisriesen zu erklimmen."
Felix und die Kultur: "Ab dem Alter von drei Jahren hat sich Felix für die klassischen Sehenswürdigkeiten interessiert. Neben Petra in Jordanien, den Salzterrassen von Maras in Peru oder dem indischen Taj Mahal war er vor allem von den ägyptischen Pyramiden fasziniert. 'Was ist das? Wer hat da gelebt? Warum ist alles kaputt?' - Fragen, die er immer gestellt hat."
In Ladakh, das zwar zu Indien gehört, aber dem tibetischen Kulturkreis angehört und Reisende mit seiner Vielfalt an Klöstern und mönchischen Zeremonien verblüfft, spielte sich folgende Szene ab. Papa Gerhard: "Plötzlich hat mich Felix gefragt: 'Papa, was heißt meditieren?' Wie erklärt man das einem Fünfjährigen? 'Na ja', hab ich gesagt, 'das heißt still sitzen, ganz ruhig werden und möglichst an gar nichts denken.' Felix: 'Aber Papa, das geht doch gar nicht - man kann nicht an gar nichts denken.' Ich hab gesagt: 'Na probier's doch einmal!' Da ist Felix ganz ruhig geworden, hat die Augen geschlossen und ist in sich zusammengesunken. Nach etwa drei Sekunden hat er mich angeschaut und gesagt: 'Papa, weißt du, was ich jetzt getan hab'? Ich hab einfach an Luft gedacht - das ist ja auch fast nichts.'"
"Durch Felix öffnen sich viele Herzen für uns"
Er lernt von ihnen, aber die Eltern lernen auch von ihm. "In der Begegnung mit den Einheimischen liegt wohl der größte Vorteil der Felix-Präsenz. Kinder öffnen Türen, die einem sonst vielleicht verschlossen bleiben", sagt Gerhard Huber. Und: "Wir haben Felix von Anfang an Offenheit gegenüber anderen gelehrt. Mit ihm ist auch für uns der Weg zur grandiosen Vielfalt unseres Planeten und zu den Menschen, die ihn bewohnen, leichter geworden. Meistens war es unser fröhlicher, unbeschwerter kleiner Sohn, der - bewusst oder unbewusst - den ersten Kontakt hergestellt und die Herzen der Menschen für uns alle geöffnet hat."
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