Nach Routineeingriff

Tochter (23) starb: Familie wartet seit 2008 auf Prozess

Österreich
29.09.2012 08:36
Man schrieb den 29. November 2008, als eine 23-jährige Frau (Bild) in einem Wiener Spital starb. Weil Ärzte ihr eine Überdosis Schmerzmittel verabreicht haben, so Gerichtsgutachter. Wer glaubt, die Urteile seien längst gesprochen, der irrt. Prozesstermin ist frühestens 2013, mehr als vier Jahre nach Kirstins Tod.

Die Eltern der Frau können das alles nicht begreifen, sie sind von der Justiz zutiefst enttäuscht, berichtet ihr Anwalt Sebastian Lesigang (re.). Dabei liegen die Fakten doch auf dem Tisch. Kirstin kam wegen eines orthopädischen Routineeingriffs in das Krankenhaus "Zum Göttlichen Heiland". Einen Tag danach starb sie. Gerichtsgutachter fanden heraus, dass der Patientin Schmerzmittel in zu hoher Dosierung verabreicht worden sind - was zu einem Herzstillstand führte.

Prozess-Beginn frühestens 2013
Zwei Ärzte wurden wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, mitbeschuldigt ist auch das Spital. Der Akt kam ins Bezirksgericht Hernals. Die Richterin befand, sie sei nicht zuständig. Es bestehe der Verdacht der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen. Dieses schwerere Delikt müsse im Landesgericht verhandelt werden. Das war im August 2011. Da legte der Anwalt des Spitals ein Privatgutachten vor, das die Aussagen des Gerichtssachverständigen anzweifelte. Seither wandert der Akt von einem Gutachter zum nächsten.

Mit einem Prozess ist frühestens 2013 zu rechnen. Lange nach dem vierten Jahrestag von Kirstins Tod. Und man fragt sich: Wird das Verfahren verschleppt, werden die Vorwürfe anerkannter Gerichtsgutachter so lange zerredet, bis am Ende nichts mehr übrig bleibt? Nur die Version des Spitals, deren Vertreter keine eigene Schuld sehen, sondern den Tod der kerngesunden 23-jährigen Frau am liebsten auf einen nicht vorhersehbaren Herzinfarkt zurückführen würden?

Chinesische Studentin nach Operation im Wachkoma
Neun Monate vor Kirstins Tod kam es im selben Spital zu einem ähnlichen Vorfall. Eine chinesische Studentin (24) fiel nach einer Blinddarm-OP ins Koma, aus dem sie bis heute nicht erwacht ist. Sie wird von ihren Eltern gepflegt. Mit Anwalt Stefan Stoiber wurde eine Schadenersatzklage gegen das Spital eingebracht. Doch dort verzögert dessen Anwalt den Prozess. Verfahrensende? Nicht absehbar.

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