Hören Frauen von Jobs in der Technik, winken viele sofort ab. Damit haben auch die Ausbildungen in diese Richtung noch immer einen schweren Stand. Diesen Umstand will Martina Gaisch ändern. An der Fachhochschule in Hagenberg (Oberösterreich) setzt sie Zeichen - für mehr Vielfalt.
Warum interessieren sich Mädchen so wenig für Mathematik, Informatik und Co.? Wie gelingt es, Frauen mehr dafür zu begeistern? Diese Fragen beschäftigen Martina Gaisch. „Mehr Vielfalt in die Informatik“ lautet die Devise des von ihr geleiteten Studiengangs „Design of Digital Products“ am Campus der Fachhochschule Oberösterreich in Hagenberg.
Es braucht auch ein anderes Wording. Web-Engineering ist ein Begriff, der jetzt nicht sehr sexy für Frauen ist. Deshalb nennen wir es Creative Coding. Wir wollen aber keinen Etikettenschwindel und dann mehr vom Selben bieten, sondern das auch didaktisch anders machen. Am Ende ist das Ergebnis das gleiche, nur der Weg ist ein anderer.
Martina Gaisch, Leiterin des Studiengangs „Design of Digital Products“ an der FH OÖ
Das Studium bringt neue Zielgruppen an die Fachhochschule im Mühlviertel. Für einige ist es Liebe auf den zweiten Blick. „Wir haben welche dabei, die sich bis dato nicht hergetraut haben, weil sie sich vor dem elitären Nimbus fürchten, den Hagenberg oft hat“, erzählt Gaisch. Dabei bewerben sich nicht nur Frauen um einen Studienplatz, sondern auch Männer - eine Durchmischung, die 54-Jährige auch bei den Lehrenden umzusetzen versucht.
Ergebnisse waren alarmierend
Außerdem wird geachtet, dass die Inhalte in den sechs Semestern anders vermittelt werden: „Kreativer, projektbasierter, kollaborativer.“ Das Angebot ist das Ergebnis vieler Studien, die Gaisch in den letzten Jahren machte. Die Ergebnisse waren alarmierend. „Wenn neun von zehn Mädels sagen, dass ihnen abgeraten wird, in den technischen Bereich zu gehen und sie lieber etwas Kommunikatives, Soziales oder Frauenspezifisches machen sollen“, so die Professorin.
Mit „kompliziert“, „langweilig“ und „Stress“ einen schweren Stand
Auch das negative Bild der Technik bei Frauen, die Begriffe wie „kompliziert“, „langweilig“ und „Stress“ nennen, zeigen den Handlungsbedarf. „Davon muss man wegkommen“, so Gaisch, die für ihre Bemühungen im Vorjahr mit dem Grete-Rehor-Preis ausgezeichnet wurde und weiter die Ärmel hochkrempelt.
Katze erklärt Berufe
Beim vom Bundeskanzleramt forcierten Projekt LEA, das sich dem Aufbrechen von klassischen Rollenbildern verschrieben hat, kreiert ihr Team Videos, um technische Berufe für junge Mädchen greifbar zu machen. Die Rolle der Erklärerin übernimmt dabei eine Katze namens Cody.
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