„Integrationsversagen“

Wien: Immer mehr Erstklässler mit Deutschproblemen

Österreich
12.02.2024 16:01

Die Zahl der außerordentlichen Schüler in Wiens Volksschulen ist zuletzt um ein Viertel gestiegen, insgesamt konnten rund 13.500 Kinder im Schuljahr 2022/23 dem Unterricht wegen Deutschproblemen nicht ausreichend folgen. Unter Wiens Erstklasslern hat mittlerweile ein Drittel außerordentlichen Status. Dabei wurden zwei Drittel dieser Kinder in Österreich geboren, zeigt die Beantwortung einer ÖVP-Anfrage durch Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS).

Der überwiegende Teil der außerordentlichen Erstklassler hat hierzulande auch einen Kindergarten besucht, zwei Drittel länger als ein Jahr. Dass sie bis zum Schuleintritt dennoch nicht so gut Deutsch sprechen, dass sie in allen Fächern regulär benotet werden können, ist für Wiens ÖVP-Bildungssprecher Harald Zierfuß ein „massives Bildungs- und Integrationsversagen“.

Grafik: So viele Tafelklassler können dem Unterricht nicht folgen

ÖVP fordert Aufstockung der Deutschförderkräfte in Kindergärten
Die Wiener ÖVP fordere schon lange eine massive Aufstockung der Deutschförderkräfte in Kindergärten und eine Kindergartenpflicht mit drei Jahren für alle, die nicht ausreichend Deutsch können, so der Wiener ÖVP-Chef Karl Mahrer. Er warnte vor negativen Auswirkungen auf die Bildungschancen der Kinder. In weiterer Folge könne das zu Jugendarbeitslosigkeit, mangelnden Perspektiven, Kriminalität und Radikalisierung führen.

Zitat Icon

Damit rauben SPÖ und NEOS Tausenden Kindern jedes Jahr ihre Zukunftschancen und lassen die Stadt mit massivsten Problemen zurück.

Wiens ÖVP-Bildungssprecher Harald Zierfuß

Auch die Grünen fordern mehr Sprachförderung
Die Wiener Grünen forderten ebenfalls mehr Sprach- und Deutschförderung. Die Kindergärten müssten mit genug Ressourcen ausgestattet werden, dass an jedem Standort wirkungsvolle Sprachförderung stattfinden kann, so die bei den Wiener Grünen für Bildung Verantwortlichen, Julia Malle und Felix Stadler.

Familienzusammenführungen: NEOS warnen vor Überlastung des Systems
Bildungsstadtrat Wiederkehr hatte die steigende Zahl außerordentlicher Schüler zuletzt mit einer Zunahme bei den Familienzusammenführungen erklärt und vor einer Überlastung des Wiener Bildungssystems gewarnt. Wien übernehme schon die Grundversorgung von mehr Asylwerbern, als in der Quotenaufteilung zwischen den Bundesländern vorgesehen wäre. Zusätzlich kämen auch noch die meisten Flüchtlinge nach positivem Abschluss ihres Asylverfahrens nach Wien.

Vorschulische Orientierungskurse
Wiederkehr forderte deshalb neben Strafzahlungen bei Nichterfüllung der Bundesländerquote auch, dass Nicht-Berufstätige, deren Asylverfahren abgeschlossen wurde, für drei weitere Jahre in dem Bundesland leben müssen, in dem das Verfahren durchgeführt worden ist. Um eine Überlastung der Schulen und außerordentlichen Schüler selbst zu verhindern, sollen Kinder, die noch nicht schulreif sind, weil sie etwa jahrelang in türkischen Flüchtlingslagern gelebt und noch keine Erfahrung mit Schule haben, in Wien ab diesem Semester zunächst vorschulische Orientierungskurse besuchen. Darüber hinaus habe Wien bereits die Zahl der Sprachförderkräfte in den Kindergärten erhöht, was zeitversetzt auch eine Wende bei außerordentlichen Schülerinnen und Schüler bringen sollte.

Was sind außerordentliche Schüler?
Als außerordentlicher Schüler wird ein Kind dann eingestuft, wenn es zwar über die geistige Reife für die betreffende Schulstufe verfügt, aber dem Unterricht wegen mangelnder Deutschkenntnisse noch nicht folgen kann. Für maximal zwei Jahre können daher außerordentliche Schüler in jenen Gegenständen, in denen wegen Deutschproblemen noch keine positive Beurteilung möglich ist, nicht benotet werden. Seit dem Schuljahr 2018/19 sieht das Schulorganisationsgesetz für außerordentliche Schüler bis zu 20 Stunden Deutschunterricht in separaten Deutschförderklassen vor. Wenn die Schüler schon etwas besser Deutsch sprechen, sind es sechs Stunden im Deutschförderkurs. Voraussetzung dafür ist eine Mindestzahl an Schülern, laut einer Befragung hält sich aber auch ein Drittel der Schulleitungen nicht an die Vorgaben und setzt wie früher auf Deutschförderung in regulären Klassen.

Gewerkschaft will Securities
Unterdessen hat der oberste Wiener Pflichtschullehrervertreter Thomas Krebs (FCG) mehr Handhabe bei Gewalt an Schulen gefordert. Die aktuelle Maßnahmen seien so, „als würde man mit einer Sandsack-Barriere eine Tsunami-Flutwelle aufhalten wollen“. Konkret forderte er Securities und die Möglichkeit, jene Schüler, die andere wiederholt gefährden, am Eingang zu kontrollieren. Außerdem sollten Schüler nach einer Suspendierung, wenn sie also wegen wiederholter Gewalt auf Zeit vom Unterricht ausgeschlossen werden, vor der Rückkehr in die Regelklasse in speziell Einrichtungen betreut werden.

Wiens FPÖ-Bildungssprecher Maximilian Krauss betonte per Aussendung, dass die Freiheitlichen schon länger Sicherheitspersonal an Brennpunktschulen gefordert hätten. Für „renitente Schüler“ müsse Bildungsstadtrat Wiederkehr außerdem „Bootcamps“ einrichten.

 krone.at
krone.at
Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.



Kostenlose Spiele