Zwischens Wiens Bezirken gibt es große Unterschiede bei der Anzahl von Privat-Pkw. Während in Neubau immer mehr Abstellplätze für Autos verschwinden, soll der Verkehr in der Donaustadt hingegen weiter fließen
Auf den ersten Blick sind die neuesten Zahlen der Analyse des Verkehrsclub Österreich nicht überraschend. Unter den österreichischen Bundesländern weist Wien mit durchschnittlich 298 Privat-Pkw weiterhin die geringste Dichte an Autos pro 1000 Einwohner auf.
Doch gleich in 14 Bezirken gibt es in der Bundeshauptstadt weniger als 300 Pkw pro 1000 Personen. Zwischen den Bezirken gibt es zum Teil große Unterschiede (siehe Grafik). Mit 217 ist Neubau das Schlusslicht beim privaten Autobesitz in Wien. Und das merkt man auch.
Neubau: Seit 2018 insgesamt 1000 Stellplätze für Autos weniger
Flächendeckend gilt hier Tempo 30. In Begegnungszonen, in denen Fußgänger „Vorfahrt“ haben, sogar nur Tempo 20.Fahrradständer, Gastgärten und „Grätzl-Oasen“ verdrängen immer mehr Parkplätze. Doch das ist so gewollt. Wegen der Neugestaltungsprojekte in den vergangenen Jahren (U-Bahn-Bau, Zieglergasse, Neubaugasse, Zollergasse, Ruth-Klüger-Platz, Bernardgasse) sind mehrere Hundert Auto-Abstellplätze für immer verschwunden.
Während Gegner die angespannte Parkplatz-Situation kritisieren, wird stolz vermeldet, dass seit 2018 knapp 1000 Stellplätze vom öffentlichen Raum in Garagen verlagert werden konnten.
Die Anrainer werden bei uns in die Straßen- Umgestaltungspläne miteingebunden. Es gibt aber auch den ganz klaren Auftrag aus der Bevölkerung für mehr Grünflächen im Bezirk.
Markus Reiter, Bezirksvorsteher von Neubau (Grüne)
Bewohner die auf ein Auto angewiesen sind, werden unterstützt, betont der Bezirk. Mit einer Mobilitätsberatung, die es wienweit nur im siebten Bezirk gibt. „Dieser von der Bevölkerung unterstützte Weg soll weiter fortgesetzt werden“, kündigt Neubaus Bezirksvorsteher Reiter an. Nun sollen die Bandgasse und die Lerchenfelderstraße umgestaltet werden.
Donaustadt: Auto ist in Flächenbezirken weiter unentbehrlich
Schauplatzwechsel in die Donaustadt. Der Flächenbezirk belegt im Ranking mit 366 Pkw pro 1000 Einwohner den dritten Platz. Viele Bewohner sind dort auf ihr Auto angewiesen, auch weil die Distanzen viel größer sind als im innerstädtischen Bereich. Es werden sogar neue Straßen gebaut, etwa die Stadtstraße. Das Radwegenetz wird zwar erweitert, aber mit einem gravierenden Unterschied: es dürfen dabei keine Fahrspuren für den motorisierten Verkehr wegfallen.
Der fließende Verkehr wird in der Donaustadt von uns nicht auch noch zusätzlich aktiv behindert. Der hat es ja ohnehin schon schwer genug!
Ernst Nevrivy, Bezirksvorsteher der Donaustadt (SPÖ)
Bild: Jöchl Martin
„Unter grünen Stadträtinnen war jede Maßnahme für die Radfahrer eine Kriegserklärung an die Autofahrer. Das wollen wir nicht!“, verteidigt sich Bezirkschef Nevrivy.
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