09.01.2012 12:35 |

Schnee ohne Ende

Straßen geräumt: Vorarlberg ist wieder erreichbar

Vorarlberg ist wieder erreichbar - zumindest auf dem Straßenweg. Denn die Arlberg-Schnellstraße konnte Montagmittag für den Verkehr freigegeben werden. Erneute Schneemassen hatten am Morgen dafür gesorgt, dass Österreichs westlichstes Bundesland vom Rest des Landes abgeschnitten war. Lechs Bürgermeister Ludwig Muxel sprach von einer "außergewöhnlichen Situation".

Die Vielzahl umgestürzter und ineinander verkeilter Bäume, die die Arlberg-Schnellstraße (S16) blockierten, hatte den Einsatzkräften große Probleme bereitet. In der Nacht auf Montag war eine erste Räumungsaktion aus Sicherheitsgründen noch abgebrochen worden. Am Montagvormittag gelang es zwei Hubschraubern des Bundesheeres, den Schnee von den umgedrückten Bäumen abzuwirbeln. Daraufhin war die Räumung der S16 möglich, sagte der Sprecher des Landesmilitärkommandos Vorarlberg, Michael Kerschat, Montagmittag. Damit war auch die Zufahrt zum Arlbergtunnel wieder gewährleistet.

Lech, Zürs, Stuben und Klösterle wieder erreichbar
Die eingeschneiten Arlberg-Orte Lech, Zürs, Stuben und Klösterle waren schließlich ab Montagnachmittag wieder auf dem Straßenweg erreichbar. Sowohl die Arlbergstraße (L197) als auch die Lechtalstraße (L198) konnten wieder freigegeben werden, erklärte Lechs Bürgermeister Muxel.

Eine erste Entwarnung gab es zuvor auch schon im Montafon. Nach der Absprengung von Lawinen war die Silvrettastraße ab 11 Uhr wieder befahrbar, erklärte der Bürgermeister von Schruns, Karl Hueber. Damit war das Hochmontafon - die Ortschaften St. Gallenkirch, Gaschurn und Partenen - wieder zugänglich. Der Schnee habe sich verfestigt, die Lage müsse aber bei steigenden Temperaturen am Nachmittag neu beurteilt werden, so Hueber.

"Gäste lassen sich jetzt eben in den Hotels verwöhnen"
Die Verbindung in das Montafoner Örtchen Gargellen bleibt hingegen weiter geschlossen. "Derzeit sind die Lawinenzüge noch nicht einsehbar. Ungeachtet dessen haben wir entschieden, die Straße bis zumindest morgen früh gesperrt zu lassen", sagte Christian Thöny von der örtlichen Lawinenkommission. Man wolle die prognostizierte Warmfront mit neuerlichem Niederschlag abwarten, eine Neubeurteilung erfolge Dienstag früh.

Rund 40 Zentimeter Neuschnee waren in der Nacht in Gargellen dazugekommen. Vorerst habe man auch den Skiliftbetrieb eingestellt, berichtete Thöny. "Angesichts der derzeitigen Situation ist das besser so. Unsere Gäste lassen sich jetzt eben in den Hotels verwöhnen", so der Hotelier. Auch die Verbindung nach Warth (Bregenzerwald) wird bis mindestens Dienstag früh gesperrt bleiben.

"Seit 30 Jahren in Lech nicht mehr so viel Schnee wie heuer"
In den vergangenen Tagen hatte es im gesamten Arlberggebiet massig Neuschnee gegeben. Zu dieser Jahreszeit sei in Lech seit 30 Jahren nicht mehr so viel Schnee gelegen wie heuer, sagte Bürgermeister Muxel und verwies auf eine 2,40 Meter dicke Schneedecke im Ort. Die Schneefälle in der Nacht seien sehr stark ausgefallen, in Zürs seien 60 Zentimeter Neuschnee hinzugekommen, fügte Muxel hinzu.

Durch den vielen Neuschnee stehen auch bei der prognostizierten Wetterberuhigung schwierige Tage bevor. Zudem bleibt die Lawinengefahr hoch: Vielerorts gilt Warnstufe 4 auf der fünfstufigen Gefahrenskala. "Die Situation bleibt in höheren Lagen für Wintersportler noch heikel", erklärte Andreas Pecl vom Landeswarndienst. Er rät unerfahrenen Sportlern dringend davon ab, die gesicherten Pisten zu verlassen. Schneebrettabgänge und Lockerschneelawinen seien jederzeit möglich. Bereits einzelne Personen könnten sie auslösen.

Die Vorarlberger Landesregierung zog am Dienstag eine vorläufige Bilanz über die vergangenen Tage: Von 5. bis 9. Jänner 2012 wurde demnach die Rettungs-und Feuerwehrleitstelle 243 Mal alarmiert, so Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP). "Die Lage scheint sich nun langsam zu beruhigen, wir beobachten die Entwicklung aber weiter sehr genau", sagte Wallner.

Schnee bereitet auch Tirol und Salzburg große Probleme
Doch nicht nur in Vorarlberg sorgte derSchneefall weiterhin für Probleme. Immer wieder sorgen auch in Tirol umgeknickte Bäume für Behinderungen oder gekappte Stromleitungen. Montag früh waren rund 10.000 Tiroler Haushalte ohne Strom. Laut Tiwag Netz AG mussten rund 200 Mitarbeiter eingesetzt werden, um die Störungen zu beheben.

Die Lawinengefahr wurde laut Experten am Dienstag verbreitet von "groß" auf "erheblich" zurückgestuft, Stufe "3" der fünfteiligen Skala. Nach wie vor waren aber Straßen und Bahnverbindungen unpassierbar. Unter anderem war die Paznauntalstraße (B188) ab Kappl gesperrt, damit waren Ischgl und Galtür nach wie vor nicht erreichbar. Ebenso waren auch das Hintere Paznauntal ab Kappl und Seitentäler des Lechtales abgeschnitten.

Pinzgau weitgehend von Außenwelt abgeschnitten
Nach neuerlichen Schneefällen ist derzeit auch der Salzburger Bezirk Pinzgau weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Schwerpunkt der Aufräumarbeiten war am Nachmittag Taxenbach, wo durch die Schneelast Dutzende Bäume auf die Pinzgauer Bundesstraße gestürzt waren. "Die einzige freie Straßenverbindung ist zwischen Leogang und Hochfilzen. Auf dieser Strecke ist allerdings die Bahnverbindung unterbrochen", sagte Martin Reichholf von der Verkehrsabteilung der BH Zell am See.

Zu Problemen kam es auch bei der Stromversorgung, weil immer wieder Bäume unter der Schneelast auf Leitungen fielen. Die Gemeinde Mühlbach am Hochkönig war am Vormittag drei Stunden nicht am Netz, weil beide Anbindungen gleichzeitig ausgefallen waren.

Laut Alexander Ohms von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik Salzburg liegen auf dem Sonnblick inzwischen zweieinhalb Meter Schnee, 60 Zentimeter davon sind in den vergangenen 24 Stunden gefallen. Auch in den Tälern hat die Schneedecke eine Stärke von 60 bis 100 Zentimeter erreicht, so der Meteorologe.

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