Autorin Angela Lehner gewann heuer das achensee.literatour-Stipendium. Mit der „Tiroler Krone“ sprach sie über Klischees und Inspiration.
Krone: Um Ihren ersten Roman „Vater unser“ fertig zu schreiben, haben Sie eine Festanstellung gekündigt. Mittlerweile leben Sie ganz gut von der Schriftstellerei und heimsten sogar bereits einige Literaturpreise ein. Haben Sie Ihren Beschluss von damals je bereut?
Angela Lehner: Nein! Für mich stand schon damals fest, dass ich schreiben möchte. Es ist natürlich schön, dass ich von der Schriftstellerei leben kann. Um den Bezug zur Realität nicht zu verlieren, arbeite ich aber in Teilzeit noch als Bibliothekarin.
Ihre Charaktere, wie etwa Julia Hofer in „2001“ oder Eva Gruber in „Vater unser“, sind junge, kluge Frauen, die manchmal am Leben und der männlichen Überheblichkeit verzweifeln. Teilen Sie sich bestimmte Lebensrealitäten mit Ihren Romanfiguren?
Zum Glück muss ich die Leben meiner Romanfiguren nicht leben und musste auch nicht all das erdulden, was ihnen widerfuhr. Aber auch mich beschäftigten kuriose Dinge und ich teile mir mit Julia Hofer diese Zeit des Aufwachsens zur Jahrtausendwende in einem kleinen Touristenort.
Ich glaube, dass man durch meine Bücher einen kritischen, aber auch sehr liebevollen Blick auf die Menschen bekommt.
Angela Lehner
Sie schreiben mitunter auch über Klischees wie unersättliche Touristen oder einfältige Gesetzeshüter. Wurde Ihnen schon einmal Nestbeschmutzung vorgeworfen?
Diese Ehre hatte ich noch nicht (lacht). Wenn das passieren würde, dann würde ich es literarisch mit viel Ironie einzuordnen wissen.
Wie lange schreiben Sie im Schnitt an einem Buch?
Das ist unterschiedlich. Mein zweites Buch erschien bereits zwei Jahre nach meinem ersten. Zu lange sollte es nicht dauern. Denn Schriftstellerei ist ja auch ein Beruf und ist von wirtschaftlichen Realitäten betroffen.
Warum sollte man Ihre Werke unbedingt lesen?
Ich glaube, dass man durch meine Bücher einen kritischen, aber auch sehr liebevollen Blick auf die Menschen bekommt. Man kann sich beim Lesen auch gut in die Menschen hineinversetzten. Es kommt in meinen Büchern nicht nur ein Klischee um die Ecke, sondern es wird auch genauer hingeschaut.
Im Zuge der 11. achensee.literatour bekamen Sie ein Stipendium mit einem Schreibaufenthalt am Achensee verliehen. Arbeiten Sie schon an einem neuen Werk?
Da ich mich noch in dieser Anfangsphase befinde, in der viel möglich ist und ständig neue Inspirationen sowie Gedanken kommen, gibt es noch kein konkretes Thema.
Recka Hammann, Kronen Zeitung









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