Rückenschmerzen

Bandscheibenvorfall - was nun?

Nicht jeder Rückenschmerz ist gleich ein Notfall. Aber wie reagiert man richtig? Ein Orthopäde erklärt, wann ein Arztbesuch nicht hinausgezögert werden sollte.

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Typische Situation: Sie heben ein schweres Sackerl aus dem Kofferraum, drehen sich ein wenig - plötzlich schießt ein Schmerz im Rücken ein, vielleicht sogar bis ins Bein. Könnte das ein Bandscheibenvorfall sein, fragen sich dann viele Schmerzgeplagte. „Eines vorweg: Auch bei sehr starken Rückenschmerzen muss kein Bandscheibenvorfall die Ursache sein, ein schlimmer Hexenschuss vermag ebenfalls sehr wehzutun. Von den rund 80 Prozent der Österreicher, die über Probleme mit dem Rücken klagen, haben 5 bis 10 Prozent akute Bandscheibenvorfälle“, erklärt der Wiener Orthopäde Univ.-Prof. Dr. Ronald Dorotka.

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Von den rund 80 Prozent der Österreicher, die über Probleme mit dem Rücken klagen, haben 5 bis 10 Prozent akute Bandscheibenvorfälle.

Univ.-Prof. Dr. Ronald Dorotka, Orthopäde

„Es gibt aber Hinweise, die auf dieses Leiden hindeuten. Neben den Beschwerden (meist) im Lendenwirbelbereich klagen Betroffene sehr oft darüber, dass elektrisierende Schmerzen ins Bein ausstrahlen. Auch beim Husten oder Niesen ,schießt‘ es dann gleichsam bis ins Bein. Mitunter kommt es zu Gefühlsstörungen oder gar Lähmungen.“ Diese Probleme haben ihre Ursache darin, dass Teile der Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern hervortreten. Dieses „vorgefallene“ Gewebe drückt dann auf die Nerven im Bereich der Wirbelsäule und reizt sie.

Nervenschmerzen sollten zum Arzt führen
Bei solchen „Nervengefühlen“ sowie Kribbeln (typisch auch an der Unterschenkel-Außenseite) sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, die klassische Ansprechperson stellt der Orthopäde dar. Aber auch Allgemeinmediziner können weiterhelfen. Vor allem wird ärztliches Eingreifen notwendig, wenn - sehr selten - Probleme mit Blasenlähmungen, unfreiwilligem Harn- oder Stuhlverlust mit den Rückenschmerzen einhergehen.

„Hilfreich bei akuten Rückenschmerzen ist die so genannte K-Lagerung, die rasch Linderung schafft und die Kehrseite entlastet. Dafür legt man sich auf den Rücken, die Unterschenkel lagern auf einem Sessel oder ähnlichem. Die Hüfte ist 90 Grad abgewinkelt, die Kniegelenke abgeknickt“, erläutert Prof. Dorotka. „Auch Wärme tut gut, mitunter sind Schmerzmittel hilfreich. Wenn Sie nach ein paar Stunden immer noch starke Beschwerden haben, einen Arzt aufsuchen!“

Nicht ausschließlich schonen ist nun angesagt
Dieser behandelt dann etwa mit Infiltrationen, weiteren Medikamenten oder Manualtherapie. Erhärtet sich beim Mediziner der Verdacht auf Bandscheibenvorfall, kommen neben der klinischen Untersuchung bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Magnetresonanz zur Diagnosefindung zum Einsatz.H andelt es sich tatsächlich um einen Vorfall, muss so schnell wie möglich mit der Behandlung begonnen werden. „Neben gezielter Schmerztherapie bedeutet dies auch, dass man sich locker und ohne starke Belastungen bewegen sollte, strenge Bettruhe ist nicht sinnvoll“, erläutert der Orthopäde. „Dabei würden die Muskeln nur dramatisch abgebaut, was einer Chronifizierung der Probleme Vorschub leisten könnte.“

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Nur ein MRT-Bild sagt nichts aus, es braucht die Untersuchung des Arztes. Dann wird entschieden, welche Therapie sinnvoll ist.

Univ.-Prof. Dr. Ronald Dorotka, Orthopäde

Nach der akuten Phase dann unbedingt weiter gezielt kräftigen, etwa mit Physiotherapie, Rückenschule oder speziellem Gerätetraining. „Nicht damit aufhören, wenn es einem besser geht!“, warnt Prof. Dorotka. „Wer nicht zumindest ein paar Übungen täglich macht, wird das bald wieder schmerzhaft zu spüren bekommen.“ Bleiben die Beschwerden aber bestehen und helfen keine medizinischen Anwendungen oder Medikamente, muss eine Operation in Betracht gezogen werden. Ebenfalls, wenn es zu Lähmungen kommt.

Wer ist am ehesten von einem Bandscheibenvorfall betroffen? „Während manche Menschen nie darunter leiden, obwohl sie täglich im Job Zementsäcke stemmen, erwischt es andere, wenn sie sich lediglich einmal ungünstig im Bett umdrehen“, fasst der Experte zusammen. „Man kann aber davon ausgehen, dass es eine vererbte Komponente gibt. Bei Menschen mit lockerem Bindegewebe ,verrutschen‘ die Bandscheiben ebenfalls leichter. Nach Fehl- oder Überbelastung kommt es dann zum unangenehmen Ereignis.“ Grundsätzlich macht es aber für jeden Menschen, der an Rückenschmerzen leidet Sinn, die Muskulatur dort zu kräftigen. Eventuell lässt sich damit Schlimmerem vorbeugen.

Eva Greil-Schähs
Eva Greil-Schähs
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Dienstag, 09. August 2022
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