„Bitte gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen“, dürfte wohl das Motto der erneuten Beratungsrunde unserer Bundesregierung am Dienstag gewesen sein. Österreich bleibt nämlich trotz aller Negativ-Signale nur auf der Gas-Frühwarnstufe. Wenn es die Regierung Ihnen nicht sagen will, soll es hier in aller Deutlichkeit stehen: Ziehen Sie sich warm an, denn es kommen harte Zeiten auf uns zu!
Es ist ja schon ein wenig schizophren, wenn Österreich auf der einen Seite trotz der angespannten Situation bei der Frühwarnstufe bleibt und gleichzeitig aber Unternehmen dazu auffordern will, auch auf andere Energieträger zu setzen. Auch die Bitte, ein wenig Energie zu sparen und vorzusorgen, ist irgendwie lieb. Aber dass sich das Problem so einfach lösen lässt, ist leider unrealistisch.
Putin wird uns weiter unter Druck setzen
Denn ja, die Energieministerin Leonore Gewessler hat recht, wenn sie sagt, dass sie nicht prognostizieren kann, „wie sich Wladimir Putin verhält“. Aber: Bei einem verhaltensoriginellen Autokraten mit perfid-kühlem Strategiegeschick brauchen wir nicht an besonders viel Gutes glauben. Er wird die Sanktionen nicht so einfach auf sich sitzen lassen und uns als Gegenschlag gehörig unter Druck setzen. Dazu muss man kein großer Profiler sein.
Wir waren zu gutgläubig
Selbst der Glaube an die Pakttreue von Putin, als er unserem Bundeskanzler versprach, dass unsere Gasversorung „gesichert“ sei, war naiv. Schon damals - vor wenigen Monaten - hätten bei uns alle Alarmglocken schrillen und uns vorsorgen lassen müssen. Vielleicht wäre so noch etwas zu sanieren gewesen. Jetzt bei einem drohenden kalten Winter mit großen Beratungsrunden zu starten, ist eben reichlich spät.
Für Samthandschuhe ist es jetzt zu spät
Deswegen wäre es ratsam, JETZT die Bevölkerung auf einen harten Winter einzustimmen. Immerhin sollten uns doch gerade Corona und die Erfahrungen mit der Impfkampagne gezeigt haben, dass man möglichst schnell damit beginnen muss, uns reinen Wein einzuschenken, damit - wenn es ernst wird - auch wirklich jeder versteht, dass er am Abend das Licht abdrehen muss. Für Samthandschuhe und eine falsche Gelassenheit ist es nämlich schon zu spät. Wir müssen jetzt vorbauen.
Was Ihnen die Energieministerin nicht so sagen möchte
Wir müssen jetzt damit anfangen, Strom und Gas zu sparen, wo es nur geht. Wir müssen vorsorgen und auf andere Quellen umstellen, wo auch immer das möglich ist. Wir müssen auch darüber sprechen, wie wir mit Putin umgehen sollen, wenn die aktuelle Lage noch länger dauert. Auch, wenn Ihnen die Energieministerin das noch nicht so deutlich sagen möchte: Wir müssen jetzt handeln!












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