30.06.2022 08:57 |

„Alles verwüstet“

Feuergefahr und Fluten: Wetteralarm im ganzen Land

Klimaextreme zerschneiden das Land. Während im Süden „Land unter“ herrscht - ein Kärntner (82) starb, wie berichtet, in einer Schlammlawine -, kämpfen der Osten und Norden mit Hitze und Trockenheit. Es besteht akuter Waldbrand-Alarm.

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Starkregen, wie es ihn seit 1946 nicht mehr gegeben hatte, sorgte in der Nacht auf Mittwoch für Weltuntergangsstimmung im Gegendtal und am Ossiacher See in Kärnten. Kleine Bäche schwollen zu einem Tsunami an und rissen Bäume, Felsbrocken, ja ganze Hänge mit sich. In den Gemeinden Arriach und Treffen wurde Zivilschutzalarm ausgelöst.

„Sogar ganzes Kraftwerk weggerissen“
„Das Wasser hat alles verwüstet. Brücken und Straßen wurden weggespült. Mehrere Ortschaften sind nicht mehr erreichbar. Ja, sogar ein ganzes Kraftwerk wurde weggerissen“, berichtet ein Feuerwehrmann. Die Wasser- und Stromversorgung ist in großen Bereichen des Katastrophengebietes ausgefallen. In manchen Häusern reichten die Schlammlawinen bis zum ersten Stock. Bewohner flüchteten bis unter das Dach, einige von ihnen mussten in Hubschraubern ausgeflogen werden. In Ställen eingeschlossene Tiere starben qualvoll in den Wassermassen.

Die Unwetter forderten auch ein Menschenleben. Ein Pensionist (82) war in Treffen von einer Schlammlawine mitgerissen worden. Sein Leichnam wurde Stunden später gefunden.

Viele stehen vor dem Nichts. Betroffene lagen sich weinend in den Armen. Die Bundesstraße durch das Gegendtal existiert nicht mehr. Sie zu sanieren, wird Monate dauern. „Eine Katastrophe für Hunderte Pendler!“, so Bürgermeister Klaus Glanznig.

Landeshauptmann Kaiser reiste von Brüssel ins Gegendtal
Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser brach seinen Besuch in Brüssel ab und traf um 3 Uhr in Kärnten ein und machte sich um 7.30 Uhr mit Katastrophenschutzreferent Daniel Fellner sofort auf dem Weg ins Gegendtal. Zudem wird es am Wochenende eine Sondersitzung der Kärntner Landesregierung geben, wo die Schäden des Unwetters genauer unter die Lupe genommen werden.

Sirenen in Salzburg, hundert Einsätze in Oberösterreich
Auch im Salzburger Tamsweg wurde am Mittwochvormittag Zivilschutz-Alarm ausgelöst. Der Leißnitzbach führte Hochwasser und bedrohte Teile des unteren Marktbereichs. In Oberösterreich halten die Unwetter die Feuerwehren ebenso seit Tagen auf Trab. Mehr als 100 Einsätze gab es Dienstagabend wegen Überflutungen und Hagel in mehreren Bezirken.

Grüne Bollwerke trotzen lodernder Bedrohung
Angesichts der Wetterextreme warnen Förster und Waldexperten vor einer leichtfertigen Gefährdung der natürlichen Schutzschilde, der Objektschutzwälder entlang von Transitrouten, Bahnstrecken oder um Bauernhöfe. Die Hauptbürde, das grüne Bollwerk klimafit zu halten und damit Dörfer und Talschaften vor Unheil zu bewahren, tragen die Bundesforste mit ihrem durch und durch ökologisch handelnden Vorstand Rudi Freidhager. Gehütet werden österreichweit rund 511.000 Hektar Fläche, davon sind etwa ein Drittel reiner Schutzwald. Den höchsten Anteil hat Tirol mit 42.000 Hektar.

„Ohne robuste Forste wäre ein Leben in den Alpen nicht möglich. Denn sie bremsen die Intensität von Steinschlägen und Geröllmassen“, so Christian Lackner vom Bundesforschungszentrum für Wald. Gesunde und sozusagen saftige Mischwälder trotzen aber auch ausbrechenden Bränden besser als vom Käfer dürr zerfressene Stämme. Wegen Sahara-Temperaturen warnt Felix Montecuccoli, Präsident der Land-und-Forst-Betriebe, vor erhöhter Feuergefahr.

Seine Appelle: Im Wald nicht rauchen! Schon eine einzige weggeworfene Zigarette kann eine Katastrophe auslösen. Und durch die Spiegelung oder Bündelung des Sonnenlichtes stellen auch liegen gelassene Glasflaschen ein Risiko dar. Gleiches gilt für Autos, die im trockenen Gras parken.

Mark Perry
Mark Perry
Christoph Matzl
Christoph Matzl
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