Unwetter-Großeinsatz

Pensionist in Tod gerissen – aber Vermisster lebt

Kärnten
29.06.2022 20:24

Mehr als 30 Feuerwehren und noch viele weitere Helfer sämtlicher Einsatzorganisationen sind nach wie vor dabei, die Verwüstung nach dem Unwetter in den Bezirken Villach und Villach-Land zu beseitigen. Während ein Pensionist (82) aus Treffen leider nur noch tot geborgen werden konnte, wurde eine zweite vermisste Person abends lebendig aufgefunden.

Ein Augenzeuge will in Treffen gesehen haben, wie ein Pkw, der in Richtung Klamm unterwegs war, von einer Mure mitgerissen wurde. Der Autofahrer habe selbst sogar noch um vier Uhr früh bei der Feuerwehr Alarm geschlagen, dass er in Klamm zwischen den Muren eingeklemmt sei. Die intensive Suche blieb jedoch stundenlang ergebnislos.

Mittwochabend meldete sich jedoch Bezirkshauptmann Bernd Riepan mit der guten Nachricht: „Wir sind glücklich, dass der Mann lebend in Verditz aufgefunden wurde. Die Umstände sind noch unklar.“

Pensionist 300 Meter von Mure mitgerissen
Traurige Gewissheit gibt es über den Verbleib eines 82-jährigen Pensionisten. Seine Leiche wurde in der Nähe seines Wohnhauses nach intensiver Suche gefunden. Laut Polizei wurde der Treffener unmittelbar vor seinem Haus von den Geröllmassen erwischt und rund 300 Meter mitgerissen. Dabei erlitt er tödliche Verletzungen.

Beliebter Pilsachhof überschwemmt
Auch das Tierparadies Pilsachhof in Arriach wurde Opfer der Wasser- und Schlammmassen. Der Pilsachhof war das Zuhause unzähliger geretteter Tiere. Katzen, Hunde, Kaninchen, Esel, Ponys ...

Zwei Ponys, zwei Esel, zwei Pferde, ein Schaf, zwei Kaninchen, acht Katzen und alle Hühner, die dort lebten, haben nicht überlebt.

Umgestürzte Bäume, überflutete Wege
Besonders hart getroffen wurden in Kärnten die Bezirke Villach und Villach-Land. „Gemeinden im Gegendtal sind teilweise nicht mehr über die Straßen erreichbar!“, berichtet die LAWZ. Vermurungen, Überschwemmungen und Hagel machen Straßen und Wege unbefahrbar, Bäume sich umgestürzt. Nun muss das Bundesheer ausrücken, um eingesperrten Menschen in jenen Gemeinden zu helfen. „Die Menschen werden angehalten, ihre Häuser nicht zu verlassen und sich, wenn möglich im ersten Stock aufhalten.“ Die Gefahr durch Muren und reißende Bäche sei zu groß.

(Bild: APA/Gert Eggenberger)

„Die Menschen sitzen ohne Strom und Wasser in ihren Häusern und sind komplett von der Außenwelt abgeschnitten, warten auf Hilfe. Ab dem Kreisverkehr Treffen ist das Gegendtal gesperrt. Oben kreist der Hubschrauber über das Tal. Autos wurden weggespült, die kleine Brücke in der Einöde weggerissen, genauso wie das E-Kraftwerk Affritz. Murenabgänge und heftige Regenfälle führten dazu, dass der Affritzerbach aus den Ufern getreten ist, so etwas gab es zuletzt im Juli 1946, davon hat mein Vater oft erzählt“, berichtet Heinz Rauter, Anrainer aus Treffen.

Zivilschutzwarnung in Arriach
Auch in Arriach musste eine Zivilschutzwarnung ausgelöst werden, denn auch diese Gemeinde ist von der Umwelt abgeschnitten. Bürgermeister Gerald Ebner aus Arriach: „Katastrophe, alle Bäche sind über die Ufer getreten, alle Straßen weggerissen. Arriach ist von der Außenwelt abgeschnitten und nicht erreichbar. Zivilschutzalarm wurde ausgelöst.“ Man hofft, dass es mittelfristig möglich ist, über Feldkirchen und die Teuchen zuzufahren, aber es ist noch immer nicht absehbar, wann.

Im Ortsteil Hundsdorf in Arriach sind etwa 150 Menschen ohne Trinkwasserversorgung, denn das Leitungsnetz wurde schwer beschädigt. Beinahe das gesamte Gemeindegebiet soll ohne Stromversorgung sein, das Telefonnetz ist ebenfalls stark eingeschränkt!

Van der Bellen meldet sich über Twitter
Angesichts der Zerstörungen meldete sich auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen via Twitter zu Wort. Er appellierte an die Bevölkerung „Passen Sie auf sich & Ihre Mitmenschen auf“ und dankte den Einsatzorganisationen. Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) brach eine Brüssel-Reise ab, „um den Leuten, so gut ich es vermag, beizustehen“. Er werde am späten Abend zu den Einsatzkräften stoßen, sagte Kaiser in einer Videobotschaft.

Zivilschutzalarm auch in Salzburg
Indes wurde auch in Salzburg Zivilschutzalarm ausgerufen, konkret für die Bewohner von Tamsweg im Lungau. Der Leißnitzbach führt Hochwasser, die Bevölkerung wurde aufgefordert, in den Häusern zu bleiben, Tiefgaragen und Keller nicht zu betreten und sich von den Ufern sowie Brücken fernzuhalten.

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