16.05.2022 22:02 |

ÖGK-Chefarzt im Talk

Angst vor Long Covid: „Es gibt ein Zurück“

Rund zehn Prozent aller Corona-Erkrankten spüren auch noch Wochen nach der Infektion unterschiedlichste Symptome. Bei diesen Langzeitfolgen spricht man von „Long Covid“. Die Symptome reichen von Müdigkeit bis Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche oder Geschmacks- und Geruchsverlust. Über die Diagnose Long Covid, wie viele Menschen in Österreich darunter leiden, wen es am Häufigsten trifft und welche Therapiemöglichkeiten es gibt, hat krone.tv-Moderatorin Raphaela Scharf mit dem Chefarzt der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), Dr. Andreas Krauter, in der aktuellen Ausgabe des Gesundheitsmagazins gesprochen.

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Long Covid werden die Langzeitfolgen einer Covid-Infektion bezeichnet und die Betroffenen werden auch hierzulande immer mehr. Auch Kinder sind betroffen. „Wir wissen heute noch nicht so viel über Long Covid, wie wir uns wünschen würden“, räumt Dr. Andrea Krauter gleich zu Beginn des Talks mit krone.tv-Moderatorin Raphaela Scharf ein. Es handle sich um ein Krankheitsbild, das vier Wochen nach einer Infektion beginnt, erklärt der Chefarzt der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK).

Long Covid unabhängig vom Schweregrad der akuten Erkrankung
Der Schweregrad der akuten COVID-19 Infektion hat übrigens keinen Einfluss, Long Covid kann auch bei milderen Verläufen auftreten und bringt laut Krauter einen „bunten Strauß an Symptomen“ mit sich. Aufmerksam werden sollte man, warnt der Experte, wenn auch vier Wochen nach Beginn der akuten Covid-Erkrankung Beschwerden nicht abklingen oder neu hinzukommen und sich nicht anders erklären lassen. Dazu zählen beispielsweise: Erschöpfung (= Fatigue-Syndrom), reduzierte körperliche Belastbarkeit in Kombination mit weiterbestehender Kurzatmigkeit, Herzrasen, Schwindel, Geruchs- und/oder Geschmacksverlust, Antriebslosigkeit oder anhaltender Durchfall.

ÖGK startet Pilotprojekt mit Long-Covid-Wegweisern
Therapiemöglichkeiten würde sich heute nicht an der Erkrankung orientieren, sondern an den Symptomen der einzelnen Betroffenen, merkt Krauter an. Umso wichtiger sei das Gespräch mit seinem niedergelassenen Arzt, ergänzt er. Die ÖGK richtet derzeit auch sogenannte Long-Covid-Wegweiser ein, die Untersuchungen durch eine ganze Gruppe an Fachärzten möglich machen. Erste Pilotprojekte dazu starten laut dem ÖGK-Chefarzt in Wien und Graz. Kardiologe, Pulmologe und Neurologe würden dann erst einmal die Frage klären, ob es sich überhaupt um Long Covid handelt, so Krauter im Talk mit Raphaela Scharf.

Den Betroffenen macht Krauter Mut: „Fürchtet euch nicht“, denn der Großteil der Krankenstände mit Long Covid würden dem ÖGK-Chef zufolge nur einige Tage bis 14 Tage bis maximal 3 Wochen daueren, „und dann geht es diesen Menschen meistens besser“. Bei einigen hundert Menschen in Österreich reiche die Krankheitsdauer über ein halbes Jahr hinaus. Eine knappe Handvoll Betroffener habe über ein Jahr lang Long-Covid-Symptome. Aber: „Es gibt ein Zurück“, den Menschen wird ausreichend Zeit gegeben, um durch die richtige Form der Rehabilitation in den Berufsalltag zurückkehren zu können.

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Mittwoch, 29. Juni 2022
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