Kinderurologie

Wenn der Sprössling unter Harnreflux leidet

Bei dieser häufigen angeborenen Fehlbildung kommt es zu einem Rückfluss von Urin aus der Blase in den Harnleiter. Unbehandelt bedeutet dies eine Gefahr für die Niere.

Üblicherweise wird der in den Nieren produzierte Urin über die Harnleiter in die Blase geleitet, dort gesammelt und schließlich ausgeschieden. Ein defekter Verschlussmechanismus am Übergang zwischen Harnleitern und Blase führt jedoch dazu, dass dieses System nicht mehr wie eine Einbahnstraße funktioniert, sondern Urin in den Harnleiter zurückfließt (vesikoureteraler Reflux). 1-2% der Kinder sind davon betroffen, wie Prim. Josef Oswald, Leiter der Kinderurologie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern (OÖ), berichtet. Der rückwärts gerichtete Harnfluss und ein Aufsteigen von Bakterien in den oberen Harntrakt bewirken eine Anfälligkeit für obere Harnwegsinfekte. „Unbehandelt verursacht dies irreversible - das heißt nicht wieder umkehrbare - Schädigungen und Narbenbildungen in den Nieren bis hin zu Schwäche oder gar zum Versagen des Organs“, erklärt Prim. Oswald.

Erkrankung ernst nehmen, beim Spezialisten abklären
Bei Nichterkennen dieser Fehlbildung benötigen laut dem Experten bis zu 30% dieser Kinder eine Dialyse, um die Funktion der Nieren zu ersetzen. Betroffen davon sind vor allem Buben, welche eine zusätzliche Fehlbildung in der Harnröhre („Urethralklappen“) aufweisen. Man nimmt an, dass bis zu einem Drittel der Nierentransplantationen auf eine derartige Fehlbildung des Harntrakts zurückzuführen ist. „Ein pränataler Ultraschall der Nieren und Blase würde beim Ungeborenen schon Veränderungen erkennen lassen. Fieberhafte Harnwegsinfekte bei Neugeborenen bzw. kleinen Kindern sind ein Alarmsignal und deuten auf Mitbeteiligung der Niere hin. Dann ist rasches Handeln gefragt, denn bereits nach wenigen Stunden können dauerhafte Schäden am Organ entstehen“, so der Kinderurologe.

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Ein pränataler Ultraschall der Nieren und Blase würde beim Ungeborenen schon Veränderungen erkennen lassen.

Prim. Josef Oswald, Leiter der Kinderurologie am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern

Mit der Therapie so früh wie möglich beginnen
Im Säuglingsalter erfolgt die Behandlung mit einem Langzeitantibiotikum, um fieberhafte Infekte der oberen Harnwege zu verhindern. Ist eine operative Herstellung der Ventilfunktion an der Harnleitermündungsstelle notwendig, erfolgt diese erst nach dem 1. Lebensjahr, da vorher ein höheres Narkoserisiko besteht. Prim. Oswald: „Bei 70% der Patienten kann minimalinvasiv mittels endoskopischer Antirefluxinjektion behandelt werden. Dabei wird Hyaluronsäure unter die Schleimhaut gespritzt und sozusagen ein künstliches Ventil geschaffen. In schweren Fällen erfolgt eine operative Verlagerung/Neueinpflanzung des Harnleiters. Dieser wird in einen verlängerten Tunnel zwischen Muskulatur und Schleimhaut der Blase verlagert, um dadurch einen Antireflux-Mechanismus zu rekonstruieren.“

Erster Ansprechpartner betreffend Harnwegsinfekte bei den Sprösslingen ist in der Regel der Kinderarzt. Er wird gegebenenfalls zur Abklärung, ob ein Harnreflux vorliegt, an einen Experten überweisen. Die dann erforderlichen komplexen operativen Eingriffe gehören zum Spezialgebiet der Kinderurologie. Hier ist ein eigens geschultes Team, aber auch die entsprechende Infrastruktur erforderlich. In Österreich gibt es jedoch noch nicht viele solcher Zentren.

Regina Modl
Regina Modl
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Donnerstag, 02. Dezember 2021
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