03.11.2021 06:34 |

Surf-Oscar für Ried

Monsterwelle - dieser Ritt raubt einem den Atem

Ein weit über 20 Meter hoher Brecher rollt mit gewaltigem Tosen auf die Küste von Nazare zu. Mittendrin in dem „Monster“ reitet ein Surfer auf seinem Brett. Die Wassermassen rücken immer näher an den Sportler heran, die Szene raubt einem den Atem. Am Ende verliert die Welle ihre Aufholjagd gegen Sebastian Steudtner. Der 36-Jährige, der seinen Hauptwohnsitz in Waldzell (Bezirk Ried) hat, gewann damit heuer den Big-Wave-Award, den „Oscar“ des Surfsports.

Vergangene Woche wurde er bei der Online-Vergabe auf Red Bull TV geehrt. Sebastian hat den Ritt noch genau vor Augen: „Diese Welle hatte extrem viel Energie, ich war noch nie so schnell auf dem Surfbrett unterwegs. Das war von der Dimension her schon krass.“ Wie hoch die Welle genau war, rechnet die World Surf League gerade anhand von Video- und Fotoaufnahmen aus. In knapp zwei Wochen soll das Ergebnis feststehen. Steudtner hofft, dass sie höher war als der bisherige Weltrekord von 24,38 Metern.

Grund für die Riesenwellen vor Nazare ist ein Unterwassercanyon mit bis zu 5000 Metern Tiefe und 200 Kilometer Länge, der 200 Meter entfernt von den Klippen der Stadt endet. Über der dort noch immer 150 Meter tiefen Schlucht haben die Wellen dieselbe Geschwindigkeit wie im Ozean. Da sich solche Ungetüme nicht mehr vom Strand aus anpaddeln lassen, ziehen Jetskis die Surfer in die Dünung hinein. Die Hände sind fest am Seil, die Füße in Schlaufen auf dem Brett fixiert. Am höchsten Punkt der Welle lassen die Ausnahmeathleten das Seil los, flitzen mit mehr als 70 km/h die Wasserwand hinunter. Steudtner erhält bei seinen Ritten Unterstützung von einem großen Team. Ein Beobachter mit Fernglas auf der Klippe gibt Tipps für die beste Welle, Rettungsfahrer auf Jetskis stehen bereit. Am Strand beobachtet ein extra aus Deutschland eingeflogener Militärarzt, der im Notfall sofort Erste Hilfe leistet, alles. „Wer etwas Gefährliches tut und sich nicht um die Sicherheit kümmert, handelt total fahrlässig“, sagt Steudtner, dessen Mutter Katharina Österreicherin ist.

Enorme mentale Stärke und durch knallharte Arbeit erworbene Fitness sind die entscheidenden Faktoren. Sein Grazer Fitnesstrainer Radosav Djukic, der einst im Leistungsdiagnostik-Team des Olympiastützpunkts Obertauern mit Hermann Maier arbeitete, betont: „Für das Big Wave Surfing brauchst du Kraft wie ein Abfahrtsweltmeister im Skifahren.“ Sebastian, der sechs Minuten die Luft anhalten kann, betont weiters: „Der Umgang mit Stress und Angst ist ja meine Kernkompetenz. Wenn ich von einer 20 Meter hohen Welle begraben und minutenlang unter Wasser gehalten werde, darf ich einfach keine Panik bekommen.“

Diesen Extrem-Waschgang hat er schon häufiger erlebt - und immer gut überstanden. Schmerzhaft war heuer im Frühjahr der Crash mit dem Brett eines anderen Surfers, das plötzlich aus dem Wasser auftauchte und ihm das Schlüsselbein brach (Video oben). Vor Kurzem brach er sich den Mittelfuß, als er in der Fußschlaufe hängenblieb. Aber so etwas wirft einen Sebastian Steudtner nicht aus der Bahn.

Matthias Mödl
Matthias Mödl
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