Prinzip Chaos

Messies vermüllen sich und andere

Gesund
06.11.2007 11:01
Berge von alten Zeitungen, leere Flaschen, Essensreste und Geschirr türmen sich. Oft ist nicht einmal genug Platz zum Durchgehen, die gesamte Wohnung ein riesiger Müllhaufen. Vermüllungssyndrom nennt man dieses Krankheitsbild der Psyche, das nichts mit "normaler" Unordnung oder Schlampigkeit zu tun hat. Betroffene brauchen professionelle Hilfe, um einen Weg aus dem Chaos zu finden.

"Räum doch auf!" - diese Aufforderung nützt bei Menschen mit Vermüllungssyndrom nicht. Im Gegenteil, die "Messies" (mess bedeutet Chaos, Unordnung) fühlen sich dadurch nur unter Druck gesetzt, ohne dass sie dem Zwang zum Sammeln entkommen können. Betroffene sammeln alles, was ihnen in die Hände kommt und schaffen es nicht, etwas wegzuwerfen. Sie können sich oft von den unsinnigsten Dingen nicht trennen. 
 
Das Verhalten in Beziehungen ist oft widersprüchlich. Zum einen ziehen sich Messies zurück und distanzieren sich vom Partner, auf der anderen Seite möchten sie sich behaupten und ihr Terrain erobern. 
 
Um diesem Teufelskreis zu entkommen, brauchen Betroffene gezielte Therapie. Es muss nicht nur die Wohnung, sondern auch die Seele aufgeräumt werden. Angehörige, Partner und Freunde leiden oft sehr unter dem chaotischen Leben, können aber, weil sie dem Betroffenen nahe stehen, meist am wenigsten helfen. Aber sie können dazu beitragen, dass Messies einsichtig werden und sich in Behandlung begeben: Verständnisvoll reagieren, keinen Druck machen, die Sammelwut vorsichtig hinterfragen, zuhören. 
 
Weitere Messie-Typen 
Neben dem Vermüllungssyndrom hat der deutsche Psychologe Werner Gross, Leiter des Psychologischen Forums Offenbach noch drei weitere Messie-Typen festgestellt: 

  • "Zeit-Chaoten" kommen immer zu spät oder vergessen dauernd Termine 
  • "Chaos-Arbeiter" beginnen ständig Neues aber bringen nichts zu Ende
  • "Ich-Chaoten" irren zwischen Themen, Trends und Interessen umher, ohne richtig bei einer Sache zu bleiben 

Mit vier Kisten endlich Ordnung schaffen 
In leichten Fällen können einsichtige Messies zunächst selbst versuchen, die Probleme in den Griff zu bekommen und sich kleine Ziele setzen. Wie etwa das Kaffehäferl nicht irgendwo abzustellen, sondern gleich auszuwaschen. 
 
Um Ordnung zu schaffen empfiehlt die amerikanische Gründerin der "Anonymen Messies" das Vier-Kisten-Prinzip: In eine Kiste kommt alles, was eigentlich zum Wegwerfen ist. In die zweite, was man verkaufen oder verschenken kann. Die dritte füllt man mit Gegenständen, bei denen man sich noch nicht entscheiden kann. Die letzte ist jenen Dingen gewidmet, die man unbedingt behalten will. Wichtig ist: Für alles, was in eine Kiste hinzu kommt, muss etwas anderes weggegeben werden. 
 
Tipps für schwerere Fälle siehe Linkbox: Die Vesuv-Methode stammt von einem Messie (Messies-Selbsthilfe.de)! 

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