25.08.2021 12:32 |

Drei Gründe dafür

Popper erwartet „ordentlichen“ Corona-Anstieg

Simulationsexperte Niki Popper erwartet für die kommenden Wochen eine „Challenge“ durch einen „ordentlichen Anstieg“ an Corona-Infektionen. Es gebe keinen Grund zu glauben, dass sich die Entwicklung anders gestalten werde, sagte er am Rande des „Forum Alpbach“. Er gebe im Wesentlichen drei Ursachen an: die Reiserückkehrer, den Schulbeginn sowie dass die Immunität Genesener aus der zweiten Welle verloren gehe, was ebenfalls ein „ordentlicher Booster“ sei.

Dass die Infektionen im Sommer schneller nach oben gegangen sind, als vom Prognosekonsortium vermutet, begründet der Experte damit, dass die Lage sehr schwer einzuschätzen gewesen sei. Aktuell handle es sich noch um viele „Mini-Epidemien“ - regionale Cluster, ausgelöst teils durch Reiserückkehrer -, dies wird sich Poppers Ansicht nach aber schon bald ändern.

Es beginne schon damit, dass man über die Schultests noch etliche Fälle zusätzlich entdecken werde, die im Sommer noch verborgen geblieben wären. Insgesamt gehe die Entwicklung in dieselbe Richtung wie im Vorjahr.

Ab wann gilt Situation auf Intensivstationen als kritisch?
Positiv ist für Popper, dass die Spitalszahlen, speziell im Intensivbereich, noch im Rahmen sind. Er empfiehlt aber, sich nicht darauf zu verlassen, da es hier immer einen Nachzieh-Effekt gebe. Auf Zahlen, wann eine kritische Situation an den Spitälern entstehen könnte, ließ sich der Simulationsexperte im APA-Gespräch nicht ein.

Dies sei auch eine Frage, die von der Politik definiert werden müsse - etwa ob man bei einer Kapazität von 750 Intensivpatienten ansetze oder ob es einem schon zu viel sei, wenn 300 oft junge Patienten eine entsprechende Behandlung benötigten.

Länder sollen nach Wien-Vorbild Angebote niederschwelliger gestalten
Zentral, um eine negative Entwicklung zu stoppen, ist für Popper eine Erhöhung der Impfrate. Über die Effektivität der Immunisierung brauche man nicht mehr zu diskutieren, die Frage sei impfen oder infizieren. Der Experte plädiert dafür, die entsprechenden Impfangebote niederschwelliger zu gestalten. Als Vorbild bezeichnet er hier Wien. Dass dort die Impfquote auch nicht höher ist als anderswo, sieht er im Großstadtfaktor begründet.

„Ich glaube nicht, dass sich die Menschen zwingen lassen“
Allzu optimistisch ist Popper nicht, dass noch allzu viele Menschen zur Impfung bewogen werden können. Das Problem sei die Radikalisierung und Polarisierung. Mehr Druck etwa auch über eine 1G-Regel wird seiner Einschätzung nach eher wenig bringen: „Ich glaube nicht, dass sich die Menschen zwingen lassen.“

Wenn es tatsächlich nicht gelingen sollte, die Impfquote zu erhöhen und eine qualitative Teststruktur aufrecht zu erhalten, geht Popper davon aus, dass man mit Hygiene-Maßnahmen - wie der Ausdehnung der Maskenpflicht - wird nachschärfen müssen. Denn einen weiteren Lockdown oder Home-Schooling wolle niemand mehr.

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