18.08.2021 16:02 |

Datensätze erbeutet

Gesichtserkennung für Taliban: Afghanen in Angst

Die radikal-islamischen Taliban könnten nach der Übernahme der Macht in Afghanistan Menschenrechtlern zufolge biometrische Daten nutzen, um sich gezielt auf die Suche nach Kritikern zu machen. Es sei wahrscheinlich, dass sich die Taliban Zugang zu biometrischen Datensätzen verschafft hätten, erklärte die US-NGO Human Rights First.

Diese könnten Merkmale einzelner Personen wie Fingerabdrücke, Iris-Scans des Auges oder Daten zur digitalen Erkennung von Gesichtern umfassen, erläuterte die Organisation. Die Behörden in Afghanistan hatten in den vergangenen Jahren solche Daten etwa für Personalausweise oder die Registrierung zu Wahlen gesammelt - nun könnten sie von den neuen Machthabern gegen ihre Kritiker eingesetzt werden.

Für Menschen, die Repressalien fürchteten, werde es so wohl viel schwerer, sich zu verstecken und die persönliche Identität und die von Angehörigen zu verschleiern, sagte Welton Chang, Technologieexpertin bei Human Rights First. Die Organisation hat einen Leitfaden auf Farsi veröffentlicht, der dabei helfen soll, die digitalen Spuren einzelner Menschen zu verwischen. Zudem wurden Ratschläge zur Umgehung digitaler Gesichtserkennung verbreitet.

Leitfaden stammt ursprünglich aus Hongkong
Den Leitfaden hatte Human Rights First vergangenes Jahr für politische Aktivisten in Hongkong entwickelt, die die chinesischen Behörden fürchteten. Nun soll er auch Afghanen helfen. Denn es sei möglich, dass die Taliban die Datensätze nutzen, um Menschen zu finden, die für die frühere Regierung oder Menschenrechtsgruppen arbeiteten. Auch Telefon-Gesellschaften verfügten über Daten, die für ihre Nutzer gefährlich werden könnten, sagte Raman Jit Singh Chima von der Organisation Access Now, die sich für digitale Bürgerrechte einsetzt. In Afghanistan sei nicht genug getan worden, um einem Missbrauch der Daten vorzubeugen.

Die Afghanen müssen nun mit den Konsequenzen leben. Viele Menschen in den Land versuchen, ihre digitalen Spuren zu verwischen. Sie löschten etwa verzweifelt auf ihren Smartphones Chatverläufe, Bilder oder Songs, die ihnen gefährlich werden könnten.

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