22.07.2021 07:15 |

Schicker im Interview

Sturm will in Europa nicht nur „Halligalli“ machen

Andreas Schicker geht in seine zweite Saison als Sportdirektor von Sturm. Der 34-Jährige nahm sich vor dem Start am Freitag daheim gegen Meister Salzburg Zeit für ein ausführliches Interview mit der  „Steirerkrone“.  Der Obersteirer über sein eigenes Transfer-Zeugnis, Liverpool und die schwarze Bullen-Herde.

Termin bei Andreas Schicker in der Geschäftsstelle in Messendorf. Auf dem Tisch liegt ein großes Puzzle mit Sprüchen und Zielen der Spieler. „Das haben wir beim Teambuilding ausgearbeitet. Es wird anschließend in der Kabine aufgehängt.“ An der Wand eine Magnettafel mit allen Kaderspielern. Womit wir mit Sturms Sportchef schon mitten drinnen sind.

Welches Transferzeugnis würden Sie sich selbst beim aktuellen Stand ausstellen? Ich war ja vorher auch Chef-Scout bei Sturm. Daher kann ich sagen, dass wir uns intensiv mit unseren neuen Spielern beschäftigt haben und ich da schon die Hoffnung habe, dass diese Transfers auch aufgehen. Ob es dann mit den Charakteren der Spieler auch hinhaut, da brauchst du auch immer ein bisserl ein Glück, was die richtige Mischung im Kader angeht. Ich glaube aber, dass es bisher sehr positiv gelaufen ist und eine klare Linie bei uns zu erkennen ist.

Sie haben mit Affengruber und Prass Personal aus Salzburg geholt, mit Ingolitsch oder Gazibegovic Spieler mit Red-Bull-Hintergrund. Befürchten Sie, dass das bei den Fans falsch ankommt? Bis jetzt hat sich keiner beschwert (lacht). Ich sehe einfach die Qualität dieser Spieler, die gut zu unserer Idee, wie wir Fußballspielen wollen, passen. Solche Spieler haben auch andere Möglichkeiten, aber sie sehen auch, dass unser Trainerteam um Chris Ilzer einen einzelnen Spieler bessermachen und entwickeln kann.

Wie steht’s um eure jungen Eigenbauspieler, die schnell in die Kampfmannschaft hineinwachsen sollen? Da hoffen wir, dass der eine oder andere den nächsten Schritt bald schafft. Wir haben ihnen einen Kaderplatz gegeben, die Jungs haben ein Jahr auf diesem Niveau erlebt. Aber jetzt muss bei dem einen oder anderen noch mehr kommen. Da reicht’s nicht bei allen.

Hat der Sportchef einen internationalen Lieblingsklub?Wen wünscht er sich bei der Auslosung? Liverpool taugt mir, da war ich schon öfter drüben. Die können wir aber nicht kriegen (lacht). Ich freu mich einfach darauf, was kommt. Mit unserer Mannschaft, mit der Mentalität und dem mutigen, aggressiven Fußball, den wir zeigen, habe ich keine Angst. Da kannst du es jedem schwermachen. Wir wollen nicht durch Europa fahren und nur ’Halligalli’ machen, sondern Österreich stark repräsentieren.

Bei Ihrer Übernahme als Sportdirektor im Mai 2020 wurden Sie teils belächelt - danach wurden Sie mit Sturm Dritter, zogen in eine europäische Gruppenphase ein. Verspüren Sie Genugtuung? Genugtuung verspüre ich nicht, weil ich immer einen klaren Plan verfolgt habe. Da ist’s dann die Frage, was man auch umsetzt. Es ist uns aber schon einiges gelungen. Ich war also kein ’Ankündigungsriese’ und ein ’Umsetzungszwerg’, sondern ich habe mein Konzept einfach klar präsentiert und auch durchgezogen. Wenn ich auf der Liste jetzt nachsehe, was weitergegangen ist, sehe ich viele Hakerl bei erledigten Dingen. Und eigentlich wenige ’X’ bei Dingen, die nicht passiert sind.

Die Mischung in der Mannschaft zwischen Routiniers und jungen Spielern passt, oder? Wenn du zu viele Führungsspieler hast, kann’s sein, dass sie sich gegenseitig blockieren und der eine oder andere das nicht so ausleben kann. Jetzt haben wir eine gute Routine-Achse mit Siebenhandl, Hierländer, Jantscher und Co. Sie sind die Chefs auf dem Platz.

Was muss passieren, damit der Sportdirektor in einem Jahr sagt:„Das war eine gute Saison!“? Wenn ich zurückblicke, ist vor einem Jahr die Entwicklung der Mannschaft und einzelner Spieler im Vordergrund gestanden. Das haben wir sehr gut geschafft, wir konnten den Marktwert verdoppeln. Wir müssen als Team noch einmal weiterkommen, vieles ist inzwischen gefestigt. Ich will es nicht nur von Ergebnissen abhängig machen. Wichtig ist, dass wir weiterhin so ein eingeschworener Haufen bleiben. Auch wenn es einmal schwierig sein sollte. In der Vergangenheit war Sturm immer dann sehr erfolgreich, wenn die Mannschaft eine gute Partie war. Dieses Gefühl hab ich bei unserem Teambuilding am Berg jetzt auch wieder gehabt. Es ist noch enger, noch ehrlicher.

Liga, Europacup und Cup, das wird eine Herausforderung im Herbst. Die Kunst wird sein, die richtige Mischung zu finden. Ein paar Spieler können nicht alle drei Tage spielen, die sind so veranlagt. Sonst haben wir bald viele Verletzungen. Daher schauen wir uns noch um Verstärkungen um.

Georg Kallinger
Georg Kallinger
Burghard Enzinger
Burghard Enzinger
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