22.06.2021 10:58 |

„Markt in Bewegung“

Immobilienpreise zogen auch im Jahr 2020 weiter an

Wohnen hat sich auch im Jahr 2020 verteuert: Sowohl die Immobilienpreise als auch die Mieten gingen kontinuierlich in die Höhe, so der aktuelle Immobilienpreisspiegel der Wirtschaftskammer. Eigentum verteuerte sich gegenüber 2019 im bundesweiten Schnitt zwischen 3,7 Prozent (Reihenhäuser) und 4,6 Prozent (gebrauchte Eigentumswohnungen); Baugrundstücke wurden um 7,5 Prozent teurer, freien Mieten stiegen um nur 1,7 Prozent - in Wien sogar um sechs Prozent.

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„Vielen Unkenrufen zum Trotz war die Immobilienwirtschaft ein großer, starker Träger der Wirtschaft und hat erheblich zum Bruttoinlandsprodukt beigetragen - der österreichische Immobilienmarkt ist ein sehr stabiler, im Vergleich zu anderen OECD-Ländern jener mit der meisten Stabilität“, so der Obmann des Fachverbands der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Georg Edlauer.

Günstige Finanzierung möglich
Die Zahl der Immobilientransaktionen stieg im Jahresabstand um über drei Prozent auf rund 120.000, davon entfielen etwa 52.000 auf den Verkauf von neuen und gebrauchten Eigentumswohnungen und 20.000 auf Baugrundstücke. Insgesamt gesehen seien die Einkommen im Vorjahr gleichgeblieben und die Sparguthaben gestiegen - „ein wesentlicher Teil dieses Geldes geht in Immobilien, bei gleichzeitig großzügiger Kreditvergabe durch die Banken“, sagte der Wiener Fachgruppenobmann Michael Pisecky. Die Nachfrage sei stark. Gleichzeitig gebe es die Möglichkeit, eine günstige Finanzierung zu bekommen.

Homeoffice beeinflusste Suchkriterien
„Es war ein besonderes Jahr - ein Jahr der Pandemie, des Homeoffice, der Ausgangsbeschränkungen. Entsprechend war der Wunsch nach Wohnen einer Veränderung unterworfen“, betonte Fachverbandsobmann Edlauer. Es seien größere Wohnungen mit einem Extraraum gesucht worden, „damit man nicht den Esstisch freiräumen muss am Abend“. Auch der Wunsch nach Freiflächen wie Balkon, Terrasse oder eigenem Garten habe sich verstärkt. 

Eigentumswohnungen kosten 4,6 Prozent mehr als 2019
Im österreichweiten Schnitt waren im ersten Corona-Jahr 2020 für eine gebrauchte Eigentumswohnung 1831,22 Euro pro Quadratmeter zu bezahlen - das waren um 4,6 Prozent mehr als 2019. Wohnungen im Erstbezug kosteten 2888,54 Euro pro Quadratmeter und somit um 4,2 Prozent mehr. Der Preis für Reihenhäuser ging um 3,7 Prozent auf 1873,06 Euro nach oben, jener für Einfamilienhäuser um 4,5 Prozent auf 2042,94 Euro pro Quadratmeter.

Innsbruck überholt Salzburg bei Grundstückspreisen
Baugrundstücke waren in Österreich 2020 um durchschnittlich 303 Euro je Quadratmeter zu haben, im Jahr davor waren es erst 281,97 Euro gewesen. Steigerungen bei den Grundstückspreisen gab es über alle Landeshauptstädte hinweg. Der bisherige Spitzenreiter Salzburg mit 1002,4 Euro (plus 6,4 Prozent) wurde von Innsbruck mit 1012,2 Euro überholt. Wien liegt „nur“ auf Platz drei mit im Schnitt 728,5 Euro (plus 9,7 Prozent).

Für neuwertige Mietwohnungen, die nicht den Mietzinsobergrenzen nach dem Mietrechtsgesetz (MRG) unterliegen, waren 2020 im bundesweiten Schnitt 8,51 Euro netto pro Quadratmeter (plus 1,74 Prozent) zu bezahlen, in Wien waren es allerdings 10,22 Euro (plus 6 Prozent). Die Mieten dürften künftig nicht mehr kräftig zulegen: „Der Mietmarkt ist in Bewegung. Es gibt nicht viele, die ihre Immobilie verkaufen und es gibt besonders viele, die jetzt ihre Wohnsituation verbessern möchten.“

Waldviertel erlebt erstmals Boom
Selbst das Waldviertel - einst verträumte Randlage für den Wochenendrückzug stressgeplagter Städter - erlebte den Angaben zufolge einen regelrechten Aufschwung. „Bis vor einem Jahr war es undenkbar, dort als Makler eine Immobilie zu verkaufen“, so der niederösterreichische Fachgruppenobmann Johannes Wild. „Da entwickelt sich Gewaltiges, natürlich von einem niedrigen Niveau ausgehend“, relativierte der Immobilienexperte. Zu 80 Prozent gehe es dort tatsächlich um Hauptwohnsitze. „Vor 20 Jahren war das genau umgekehrt.“ Vor der Pandemie habe man noch gustieren können und eine große Auswahl gehabt.

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