30.04.2021 06:00 |

34% Plus seit 2011

Warum die Mieten in Österreich so stark steigen

Im Schnitt zahlt man jetzt 551 Euro im Monat für Wohnungen. Zu wenig Angebot, Befristungen und Single-Trend treiben die Kosten hoch.

Wir zahlen laut EU-Statistik 18% unseres verfügbaren Haushaltseinkommens fürs Wohnen - vergleichsweise wenig (Euro-Schnitt ist 20%) und seit Langem stabil. Andererseits galoppieren Kaufpreise wie Mieten seit geraumer Zeit und machen das neue Heim für immer mehr Menschen schwer leistbar. Das zeigt: Speziell im Mietbereich greifen ideologisch einfache Erklärungen nicht. Der jüngst gescheiterte Mietpreisdeckel in Berlin etwa brachte zwar kurzfristig Preissenkungen bei Alt-Verträgen, wer aber eine Wohnung suchte, fand kein Angebot mehr vor.

Warum bei uns Wohnen spürbar teurer wurde, beleuchtet Tobias Thomas, Chef der Statistik Austria, mit nackten Fakten: „Seit 2011 stiegen die Mieten insgesamt um 33,9%. Das ist etwa doppelt so viel wie die allgemeine Inflationsrate.“ Interessanterweise gilt dies jedoch in ähnlicher Höhe für alle Vertragsdauern und vom Gemeindebau bis zum freien Wohnungsmarkt.

  • Wichtigster Preistreiber ist daher für Thomas „die Nachfrage. Die Bevölkerung ist in zehn Jahren um 520.000 gewachsen, das Wohnungsangebot ist dem nicht überall nachgekommen.“ Wien etwa habe 12% mehr Einwohner. Verstärkter Neubau sei daher die beste Mietbremse.
  • Zweiter Faktor: Obwohl die Mehrzahl der Österreicher noch günstige frühere Verträge besitzt, schlagen die teuren Neuvermietungen stark durch. „Durchschnittlich zahlt man mit Betriebskosten 8,3 € pro m2. Bei Altverträgen über 30 Jahren sind es nur 5,5 €, bei Neuverträgen aber 9,8 €.“
  • Drittens werden Wohnungswechsel und dadurch neue, teurere Verträge häufiger. „Der Anteil der Altverträge sinkt seit zehn Jahren, wir haben eine strukturelle Verschiebung hin zu mehr Befristungen.“ Zuletzt war schon fast ein Viertel aller Hauptmieten (inklusive Bestand!) befristet, 2011 waren es unter 16%. Die private Durchschnitts-Hauptmietdauer sank so von elf auf unter neun Jahre.
  • Der Trend zu Single-Wohnungen treibt die Nachfrage „und bedeutet einen relativ höheren Quadratmeterpreis, weil z.B. die Kosten für ein Bad auf weniger Fläche aufgeteilt werden.“ Zugleich wird die Ausstattung immer besser. So stieg der Anteil der höherpreisigen Kategorie-A-Objekte von knapp 92% auf zuletzt 95% an. Die Baukosten bei Sanierungen und Neuerrichtung kletterten im Jahrzehnt mit knapp 20% ebenfalls über der allgemeinen Inflation.
  • Regionale Unterschiede: In Salzburg (9,90 Euro), Vorarlberg (9,60 €), Tirol (9,20 €) und Wien (8,60 €) zahlt man pro Quadratmeter (inkl. Betriebskosten) am meisten, im Burgenland nur 6,40 Euro. Das liegt an Nachfrage, Grundstückskosten und Förderungen. Doch günstigere Gegenden legen genauso stark wie teure bei den Mieten zu, was dort das Teuerungsgefühl verstärkt.
Christian Ebeert
Christian Ebeert
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