17.04.2021 12:50 |

Tiroler Bergbahn-Chef:

„Die Schweizer haben es besser gemacht“

Jakob Falkner, der Geschäftsführer der Bergbahnen Sölden, zieht im Gespräch mit der „Tiroler Krone“ ein zwiespältiges Resümee über die vergangene Wintersaison. Dem überschwänglichen Dank der Tiroler Bevölkerung für offen gehaltene Liftanlagen steht ein wirtschaftlicher Totalausfall gegenüber. Der wäre vermeidbar gewesen, sagt Falkner.

Mit Blick Richtung Schweiz übt der Ötztaler Seilbahn-Unternehmer Kritik an Österreichs Öffnungspolitik. „Wir haben versäumt, was den Schweizern in ihren Wintersportregionen gelang – nämlich durch koordinierte Öffnungsschritte die wirtschaftliche Situation im Tourismus und gleichzeitig das Gesundheitssystem zu stabilisieren“, sagt Falkner. Er war einige Male bei den Eidgenossen und hat gesehen, wie es funktioniert.

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Wirtschaftlich war der Winter natürlich ein Totalausfall.

Jakob Falkner

Die Bergbahnen Sölden haben mit 11. April ihren Winterbetrieb eingestellt, ab Juni soll dann die Sommersaison starten. „Wirtschaftlich war der Winter natürlich ein Totalausfall. Wir hatten im Vergleich zu einer normalen Wintersaison 99 Prozent weniger Umsatz“, zeigt Falkner auf. Dabei wären die perfekte Schneelage und die günstige Witterung die besten Voraussetzungen für eine Rekordsaison gewesen.

„Lifte-Öffnung war die richtige Entscheidung“
Trotz der hohen Kosten für die Inbetriebnahme steht für Falkner außer Zweifel, dass es richtig war, das Skigebiet in Sölden mit Ausnahme einer dreiwöchigen Unterbrechung offen zu halten: „Das Ausmaß an Dankbarkeit, das uns aus der Bevölkerung entgegengebracht wurde, ist bewegend. Es gab eine Unmenge von positiven und emotionalen Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Das hat uns gezeigt, dass wir einen entscheidenden Beitrag leisten konnten, diese schwierige Zeit lebenswerter zu gestalten.“

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Es gab eine Unmenge von positiven und emotionalen Rückmeldungen aus der Bevölkerung.

Jakob Falkner

Dennoch bleibt zusätzlich zur wirtschaftlichen Belastung der schale Beigeschmack, dass der Totalausfall hätte vermieden werden können. Falkner verweist auf das Beispiel der Schweiz. Dorthin pflegen die Bergbahnen Sölden bekanntlich enge Branchenbeziehungen. Mit den Jungfraubahnen unterhalten sie seit Jahren eine internationale Marketing-Kooperation.

„Restaurants waren zu, die Hotels aber offen“
„Die Schweiz hat trotz anfänglicher Kritik gezeigt, dass es möglich war, eine touristische Wintersaison zu absolvieren. Bergbahnen und Hotels waren in Betrieb. Restaurants und Bars blieben geschlossen. In manchen Orten wurden dadurch 70 bis 80 Prozent der regulären Umsätze erwirtschaftet. Gleichzeitig hat das dortige Gesundheitssystem Stabilität bewahrt. Die Pandemie-Situation hat sich im Verlauf des Winters in der Schweiz in Relation zu Österreich sogar verbessert“, berichtet Falkner.

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Eine Chance, die Österreich leider verpasst hat.

Jakob Falkner

In Österreich wäre es aufgrund des Ausbleibens internationaler Gäste zwar nicht möglich gewesen, Umsätze in diesem Ausmaß zu erlösen. Aber man hätte ein adäquates Angebot zur Erholung und Freizeitgestaltung schaffen können. „Zumindest für Österreicher, Schweizer und jene deutschen Gäste, welche die ursprüngliche Möglichkeit eines 48-Stunden-Aufenthaltes genutzt hatten. Mit Übernachtung und wie ursprünglich geplant ohne jeglichem Bar-, geschweige denn Aprés-Ski-Betrieb. Der heimischen Tourismusbranche hätte das enorm geholfen. Eine Chance, die Österreich leider verpasst hat“, resümiert Falkner.

Falkner blickt dennoch zuversichtlich in die Zukunft. Die Bergbahnen Sölden tätigen mit dem Neubau des Restaurants an der Gaislachkogl-Mittelstation im Sommer eine Großinvestition. Daneben werden zahlreiche Infrastrukturmaßnahmen und Qualitätsverbesserungen im Skigebiet realisiert. Das Investitionsvolumen bewegt sich im niedrigen zweistelligen Millionen-Bereich.

„Der Gast sagt uns weiterhin, was er will“
Dass sich der Tourismus nach Corona komplett verändern wird (das wünschen sich vor allem die Grünen), glaubt Falkner übrigens nicht: „Bis jetzt hat immer noch der Gast bestimmt, was er will. Und das wird auch in Zukunft so bleiben.“ Da brauche es keine gut gemeinten Tipps aus Wien, Innsbruck oder Brüssel. „Lasst die Unternehmer vor Ort einfach arbeiten, denn sie wissen selbst am besten, was sie zu tun haben und was nicht“, schließt Falkner.

Claus Meinert
Claus Meinert
Markus Gassler
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