Proteste in Myanmar

UNO fordert: „Stoppt das Töten von Demonstranten“

Ausland
16.03.2021 15:10

Die Vereinten Nationen haben das Militär in Myanmar eindringlich aufgefordert, das Leben von Protest-Teilnehmern in Myanmar zu achten. „Wir rufen das Militär auf, das Töten und das Inhaftieren von Demonstranten zu beenden“, sagte die Sprecherin des UN-Menschenrechtsrates, Ravina Shamdasani, am Dienstag in Genf. Bisher seien bei dem Vorgehen des Militärs nach dem Militärputsch am 1. Februar 149 Menschen getötet worden. Andere Quellen sprechen von mehr als 180 Toten.

Angesichts der Krise verschlechtert sich auch die Versorgungslage in Myanmar. Das UN-Welternährungsprogramm WFP warnte, die gestiegenen Lebensmittel- und Benzinpreise könnten schon bald dazu führen, dass die Armen des Landes Hunger leiden müssten. Reis etwa habe sich seit Anfang Februar um 35 Prozent verteuert, Benzin um 15 Prozent.

Der Gefangenenhilfsorganisation AAPP zufolge waren allein am Montag mindestens 20 Menschen von Sicherheitskräften erschossen worden nach 74 am Sonntag (siehe Video oben). Es kam auch zu Brandanschlägen auf Fabriken, die von Chinesen betrieben werden. Die Demonstranten werfen der Führung in Peking vor, die Militär-Junta zu unterstützen.

Militär spricht von Wahlbetrug
Trotz der Gewalteskalation gingen Demonstranten auch am Dienstag erneut auf die Straßen, um Demokratie und die Freilassung der festgesetzten Regierungschefin Aung San Suu Kyi einzufordern. Suu Kyis Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) hatte bei der Wahl im November einen erdrutschartigen Sieg gefeiert. Das Militär erkennt diesen jedoch nicht an, da es nach seiner Darstellung Wahlbetrug gegeben haben soll. Nachdem die Wahlkommission die Vorwürfe zurückgewiesen hatte, entmachtete das Militär Anfang Februar die zivile Regierung.

„Kriegsgebiet“ in Millionenmetropole Yangon
Seitdem kommt es regelmäßig zu Massenprotesten, gegen die das Militär mit harter Hand vorgeht. Das besonders schlimm betroffene Arbeiterviertel Hlaing Tharyar in der Millionenmetropole Yangon gleiche einem „Kriegsgebiet“, berichtete ein Augenzeuge der Deutschen Presse-Agentur. Mehr als 50 Militärfahrzeuge seien angerückt, und Soldaten hätten ununterbrochen Schüsse abgefeuert und die Anwohner beschimpft, erzählte der Demonstrant Htay Aung. Viele Wanderarbeiter, die in Hlaing Tharyar lebten, seien aus Verzweiflung in ihre Dörfer zurückgekehrt.

Es kam bei den Protesten zu zahlreichen Verhaftungen. Nach UN-Angaben sind im Zuge der Proteste auch 37 Journalisten festgenommen worden. Darunter seien 19 noch immer in Gewahrsam der Militärs.

USA verurteilen Gewalt scharf
Die stellvertretende Sprecherin des US-Außenministeriums, Jalina Porter, verurteilte die Gewalt der Militärs gegen die Menschen in Myanmar am Montag als „unmoralisch und nicht zu rechtfertigen“. Die Generäle hätten aus egoistischen Motiven geputscht und repräsentierten nicht den Willen des Volkes. „Die Vereinigten Staaten fordern weiterhin alle Länder auf, mit konkreten Maßnahmen auf den Putsch und die eskalierende Gewalt zu reagieren“, sagte Porter.

Quellen: APA/Reuters/dpa

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