07.03.2021 05:00 |

Schwerhörigkeit

„Jetzt habe ich wieder Freude an der Musik!“

Alphornblasen und Ziehharmonika spielen - mit seinem Cochlea-Implantat kann ein pensionierter Schlosser aus NÖ erneut wieder alle Töne hören. 

„Ich merkte schon mit Mitte zwanzig, dass ich zunehmend schlechter höre. Als Maschinenschlosser im Stahlbau und später als Maschinist arbeitete ich immer in einer sehr lauten Umgebung - Knalltrauma inklusive“, erzählt Heinz Kirchschlager (57). „Meine Schwerhörigkeit war nicht verwunderlich. Ich trug Hörgeräte, das reichte für die kommenden Jahrzehnte. Nach drei Hörstürzen, dem letzten 2017, war Herr Kirchschlager aber am rechten Ohr taub. Links konnte er sich mit seinem Hörgerät noch halbwegs verständigen. Doch es wurde immer mühsamer. Kirchschlager: “Ich zog mich aus meinem Freundeskreis zurück, konnte auch nicht mehr in meinem Harmonika-Ensemble spielen und fühlte mich immer öfter niedergeschlagen und deprimiert. Auch der Beruf litt, das Arbeiten war mir aufgrund meiner Schwerhörigkeit irgendwann nicht mehr möglich.„ Der Tinnitus, der aus der Zeit der Stahlbauarbeit stammt, ist ein ständiger, belastender Begleiter.

„Nach seinem letzten Hörsturz wurde Herr Kirchschlager im Universitätsklinikum St. Pölten aufgenommen. Die Hörbehinderung stellte für ihn schon länger eine psychische Belastung dar“, berichtet OA Dr. Bernhard Gradl, Klinische Abteilung für Hals-, Nasen-, Ohrenkrankheiten, anlässlich des kürzlich stattfindenden Welthörtages. „Da rechts nur mehr Hörreste vorhanden waren, wurde dem Patient ein Cochlea-Implantat (CI) empfohlen. Nach etwa einem halben Jahr Bedenkzeit konnte er sich dazu entschließen. Bei der Entscheidung hat ihm ein langjähriger CI-Träger geholfen.“

Konsequentes Hörtraining
„Im Herbst 2018 war es so weit, ich erhielt mein Implantat am rechten Ohr. Sprache verstand ich bald nach der Erstanpassung gut, somit war die tägliche Kommunikation wiederhergestellt, was mich als geselligen Menschen sehr glücklich machte“, freut sich Kirchschlager. „Doch ich wollte mehr, nämlich meine Musik wieder zurück. Nach anfänglichen Misserfolgen - meine Harmonika klang für mich schauerlich - stellte sich langsam der Musikgenuss wieder ein. Das ist zu einem großen Teil meinem konsequenten Hörtraining sowie einem stationären Reha-Aufenthalt geschuldet.“ „Herr Kirchschlager konnte kurz nach der OP das Spital verlassen. Es folgten engmaschige Kontrollen, um das Gerät optimal einzustellen. Zusätzlich nutzte er auch unser Angebot der Musiktherapie, um ein möglichst natürliches und angenehmes Klangerlebens mit dem Implantat zu erzielen“, so Dr. Gradl.

Kontakt mit anderen CI-Trägern
„Was ich seither am meisten genieße, ist meine Musik. Ich nehme nun begeistert an Harmonika- und Alphorn-Workshops teil und spiele auch wieder in einem Trio. Ich habe neue Freundschaften mit anderen CI-Trägern geknüpft, mit denen ich gerne gemeinsam musiziere.“ Mit Mitte Fünfzig wurde der begeisterte Musiker frühpensioniert. Eine Arbeit als Maschinist wäre mit CI undenkbar, das ist viel zu laut: „Ich mache nun das Beste aus der Situation und konzentriere mich auf meine Hobbys, allen voran die Musik. Ich bin nicht nur ein Harmonika-, sondern auch ein großer Alphorn-Fan. Mein aktuelles Hauptprojekt ist in Bau: Ein Alphorn in Form einer Schnecke, also einer Cochlea (Anm.: Hörschnecke). Es wird aus Holz gefertigt und natürlich bespielbar sein. Dieses Instrument möchte ich noch heuer präsentieren.“

Karin Rohrer-Schausberger
Karin Rohrer-Schausberger
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