25.02.2021 15:47 |

12,6 Mio. Euro mehr

Mehr Geld für Schulbuchaktion: Zu wenig, zu spät?

Die Schulbuchaktion ist ein seit Langem bewährtes Programm. Doch angesichts fehlender Budgetmillionen müssen - wie berichtet - aber immer mehr Eltern die Bücher für ihren Nachwuchs aus der eigenen Geldbörse bezahlen. Die Regierung hat jetzt reagiert und erhöht erstmals seit rund zehn Jahren im kommenden Schuljahr die Mittel für die Aktion. Fraglich jedoch, ob das am Donnerstag angekündigte Plus von 12,6 Millionen Euro mehr als nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. SPÖ und FPÖ begrüßten zwar grundsätzlich die Anhebung, sparten aber auch nicht mit Kritik, vor allem am Tempo der Regierung.

Klagen über eine zu geringe Dotierung der Schulbuchaktion gibt es schon länger. Immerhin wurde zwischen 1999 und 2019 der Maximalbetrag, der pro Schüler für Bücher zugeschossen wird, um nur 16 Prozent angehoben, während der Verbraucherpreisindex im selben Zeitraum um fast 45 Prozent gestiegen ist.

Nachfrage nach digitalen Schulbüchern regelrecht explodiert
Allein bei den Print-Büchern der Schulbuchaktion würden rund 20 bis 30 Millionen Euro fehlen, hatten die Schulbuchverleger und der Fachverband für Buch- und Medienwirtschaft der Wirtschaftskammer Österreich im Vorjahr gegenüber krone.at beklagt. Da sind die digitalen Schulbücher, also genau jener Bereich, dem angesichts der Corona-Krise vom Bundeskanzler abwärts eine Schlüsselrolle in Sachen Lernen zugeschrieben wird, noch nicht einmal mitgerechnet.

Denn die Nachfrage für Schulbücher mit E-Book Plus (E-Books mit multimedialen, interaktiven Online-Anwendungen) war schon vor Corona regelrecht explodiert: Von rund 100.000 Bestellungen im Schuljahr 2018/19 auf rund 900.000 im Jahr 2019/20. Für das laufende Schuljahr waren es bereits mehr als 1,3 Millionen Bestellungen.

Laut Fachverband wären hier weitere 30 Millionen Euro pro Jahr dringend notwendig, um den eingeschlagenen Weg des „hybriden Bildungsmediums“, also der Kombination aus Print und Digital, weiter gehen zu können. Somit ist für Brancheninsider mehr als fraglich, ob das am Donnerstag verkündete Plus von 12,6 Millionen Euro - insgesamt gibt es für das Schuljahr 2021/22 laut Familien- und Jugendministerin Susanne Raab (ÖVP) 124 Millionen Euro aus dem Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) für die Schulbuchaktion - ausreichen, um das „Gratis-Schulbuch“ mit fortschreitender Digitalisierung sinnvoll weiterzuentwickeln - und nicht bloß am Leben zu erhalten.

Familienministerin Raab zufolge entsprechen 6,7 Millionen Euro Anhebung in der Sekundarstufe II (Berufs- und Polytechnische Schulen, AHS-Oberstufen und BMHS) dem aktuell ermittelten Bedarf an Schulbüchern. „Damit wollen wir vermeiden, dass Eltern hohe Zuzahlungen für Schulbücher leisten müssen“, so Raab. Der Rest der angekündigten Erhöhung, also mehr als die Hälfte, soll indessen in den Ausbau des digitalen Angebots - sieben Millionen Euro für digitale Schulbücher für die Sekundarstufe I (v.a. Mittelschulen, AHS-Unterstufe) und II - fließen.

„Die Digitalisierung ist nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie sowohl im privaten als auch im schulischen Bereich vorangetrieben worden. Somit war es mir wichtig, dass auch E-Books als immer wichtigere Ergänzung zum gedruckten Schulbuch vermehrt gefördert werden“, betonte die Jugendministerin. Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) verwies darauf, dass ih Rahmen seines Acht-Punkte-Plans zur Digitalisierung an Schulen laufend Schulbücher digitalisiert würden. „Mit den zusätzlichen Mitteln können wir hier noch aktiver sein.“

SPÖ und FPÖ kritisieren langsame Regierung
Die Opposition begrüßte gegenüber krone.at zwar grundsätzlich die Erhöhung des Budgets für die Schulbuchaktion, sparte aber zugleich nicht mit Kritik. So stellte SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid fest, dass die Ausweitung - „besonders im Hinblick auf die digitale Bildung“ - nötig gewesen sei, es nun aber wichtig sei, „dass die zuständigen Ministerien auch wirklich in die Umsetzung kommen“. Es gehe schließlich darum „interaktive und ansprechende Lernmaterialen den SchülerInnen zugänglich zu machen“, so Hammerschmid.

„Froh“ darüber, dass sich beim Budget für die Schulbuchaktion endlich etwas tut, zeigte sich am Donnerstag FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl - auch wenn er im Gespräch mit krone.at befürchtet, dass die nun angekündigte Erhöhung nicht ausreichen wird. Sein besonderer Dank gilt den Schulbuchverlagen, die seit Beginn der Corona-Krise sinnvolles Homeschooling mit ihren vielfältigen digitalen Inhalten - teils auf eigene Kosten und für Eltern und Kinder kostenlos zur Verfügung gestellt - überhaupt möglich gemacht haben.

Harald Dragan
Harald Dragan
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