Audio-Netzwerk

Geschlossene Gesellschaft: Hype um App Clubhouse

Digital
19.01.2021 11:11

Ein soziales Netzwerk, in dem es nicht um Bilder, Videos oder Texte geht, sondern um Audio-Übertragungen, entwickelt sich gerade zum Hype unter Social-Media-Nutzern. Clubhouse, so der Name des Angebots, spielt mit dem Hauch des Elitären und ist zunächst nur für iPhone-Nutzer zugänglich, die von anderen Clubhouse-Nutzern eingeladen werden. Für Gesprächsstoff sorgt die hohe Promi-Dichte auf der Plattform - und der Datenschutz.

Clubhouse ist ein soziales Netzwerk mit Talkshow-Charakter: Mitglieder können sogenannte „Rooms“ zu Themen ihrer Wahl eröffnen und dort öffentlich oder privat zu diesem Thema diskutieren. Es gibt Moderatoren, die bestimmen, wer spricht. Es gibt Diskutierende und es gibt Zuhörer, die sich beim Moderator zu Wort melden können.

(Bild: Dominik Erlinger)

Für den Hype um Clubhouse sind insbesondere Prominente verantwortlich, die über die App debattieren. Da tummeln sich Paris Hilton, Rapper Drake und auch schon viele deutschsprachige Berühmtheiten. Treffen sie sich zum interaktiven Podcast, sind schnell Tausende Zuhörer mit im Raum.

Hotelerbin Paris Hilton nutzt Clubhouse. (Bild: 2020 Getty Images)
Hotelerbin Paris Hilton nutzt Clubhouse.

„Private Beta“ - kein Einlass ohne Einladung
Einlass gibt es nur für Auserwählte: Clubhouse ist nämlich noch kein finales Produkt, sondern eine „Private Beta“, die man nur auf Einladung eines anderen Nutzers - jeder darf zwei Kontakte einladen - ausprobieren kann. Auch gibt es die App bislang nur für Apples iPhone. Für den Großteil der Smartphone-Nutzer mit Android-Handy ist das Angebot noch nicht geöffnet.

Idee lockte schnell Investoren an
Entwickelt wurde Clubhouse von der US-Firma Alpha Exploration, zu deren Gründer-Team der ehemalige Google-Mitarbeiter Rohan Seth und Paul Davison gehören. Sie veröffentlichten im Frühling 2020 eine erste Version der App und lockten damit prompt Investoren an, die 10 Millionen US-Dollar in Alpha Exploration steckten, berichtet die „Zeit“. Bis zum Jahreswechsel verzeichnete man 600.000 Nutzer, unter Finanzexperten wurde die App in ihrer Anfangszeit mit 100 Millionen US-Dollar bewertet. Wie Clubhouse Geld verdienen will, ist allerdings noch nicht bekannt. Denkbar wäre Audio-Werbung, aber auch die Nutzerdaten könnten Geld bringen.

Wer Clubhouse nutzen will, braucht ein teures Apple-Smartphone und eine Einladung. (Bild: AFP)
Wer Clubhouse nutzen will, braucht ein teures Apple-Smartphone und eine Einladung.

Datenschutz wird kritisch betrachtet
Das Sammeln von Nutzerdaten - Stichwort: Datenschutz - sehen viele Beobachter kritisch. Die App verlangt Zugriff auf das Smartphone-Adressbuch, das Konto wird - ähnlich wie bei WhatsApp - mit der Telefonnummer verknüpft. Vor allem der Zugriff auf die Kontakte erscheint Datenschützern problematisch, immerhin kann die App im Prinzip aus dem Adressbuch Kontakte auf die Server des Betreibers hochladen, die sich gar nicht bei Clubhouse angemeldet haben. Laut seiner Datenschutzerklärung dürfe Clubhouse diese Daten auch weitergeben, schreibt die „Zeit“. Dass Gespräche standardmäßig aufgezeichnet werden - offiziell, um sie zu prüfen, wenn es zu Beschwerden kommt - gefällt Datenschützern auch nicht. Auf die europäische Datenschutzgrundverordnung DSGVO geht man in den AGB der App nicht ein.

Schwierig für die Betreiber von Clubhouse könnte langfristig die Moderation der Inhalte werden: Während anderswo Texte, Videos und Bilder gesichtet und bewertet werden müssen, müssten sich die Moderatoren hier massenhaft lange Audiobeiträge anhören. Offen ist auch, ob sich der Dienst langfristig etablieren kann oder ein Social-Media-Strohfeuer bleibt. Das dürfte wesentlich davon abhängen, ob der Dienst genug Nutzer erreicht und letztlich auch Geld für seine Betreiber und Investoren abwirft.

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