07.01.2021 17:00 |

Innsbrucker Künstlerin

Intensive Experimentierlust im Corona-Lockdown

Die in Innsbruck lebende, gebürtige Lettin Baiba Dēķena hat die Kultur-Lockdowns ausgiebig für Musikexperimente und zur Verfeinerung ihrer Produktionsfertigkeiten genutzt. Nach dem musikalischen Sprung von ihrem Debütalbum „These Storms“ zum demnächst erscheinenden Nachfolgewerk „Lighter“ steht womöglich bald sogar ein neuer Wandel ins Haus.

Selbst kann Baiba Dēķena, die als Musikerin schlicht als Baiba fungiert und seit sechs Jahren in Tirol lebt, die Verwunderung über diese Veränderungen kaum unterdrücken. „Vor drei Jahren hätte ich definitiv nicht geglaubt, dass mich beispielsweise Popmusik von Beyoncé oder Dua Lipa beeinflusst“, schildert sie. Irgendwann habe sie allerdings begriffen, dass es eine besondere Kunst sei, ein gutes Pop-Lied zu schreiben.

„Geht auch um Frauenpower“
Mit dieser Erkenntnis ging auch die Entwicklung weg von gitarrenlastigen Singer-Songwriter-Liedern hin zu elektronischer, beatlastiger und dezent experimenteller Popmusik einher. „Dabei geht es nicht zuletzt auch um Frauenpower“, nennt sie einen weiteren Grund, warum „Lighter“ anders als ihr Erstlingswerk klingt. Sie habe nämlich zunehmend damit begonnen, Beats und Sounds gänzlich selbst zu produzieren anstatt das Männern zu überlassen, verdeutlicht sie im Gespräch mit selbstbewusstem Blick.

Viel entsteht im Wohnzimmer
Damit ist sie an einem für sie passenden und spannenden Ort angekommen. „Je mehr ich selbst mache, desto mehr ist auch insgesamt musikalisch für mich möglich“, betont Dēķena, die auch die Isländerin Björk als wichtigen Einfluss nennt. Viel Musik inklusive Gesang entstehe mittlerweile bei ihr Zuhause im Wohnzimmer. „Ich kann somit die möglichst gut ausformulierten und vorproduzierten Demos als Files an meinen Produzenten Christoph Holzknecht schicken“, erklärt sie. Im Studio entstehe dann alles im Dialog auf Augenhöhe mit ihm. „Im Moment schreibe ich lettische Lieder, die ich mit Beats mische“, gibt sie Einblicke in eine noch nicht abgeschlossene Entwicklung, die ihre musikalische Ausrichtung abermals verschieben könnte.

Bei all dem betont sie aber den roten Faden ihres Musikschaffens. „Eine leichte Melancholie ist stets präsent“, streicht sie heraus. Die Musik von „Lighter“, die bereits im Winter 2019 auf 2020 entstanden ist, sei aber zusätzlich auch tanzbar. „Man muss dazu bei Konzerten nicht mehr nur in der Ecke stehen und weinen“, erklärt sie lachend.

Auch den einen oder anderen deutlich hörbaren Lichtschimmer hat sie sich erlaubt: „Nicht alles auf dem Album ist elektronische Popmusik mit dunklem Unterton“. Umso mehr fehle es ihr, diese Musik auf ein potenziell tanzwütiges Publikum loszulassen. „Ich habe in diesem Jahr leider nur einige wenige Konzerte gespielt“, berichtet sie.

„Publikum von größter Wichtigkeit“
Auch für die womöglich bevorstehende neuerliche Musik-Transformation sei das Publikum von größter Wichtigkeit. „Live merkt man sofort, ob die Energie bei einem Song fließt oder eben nicht“, hält die Musikerin fest, die auch eine Anstellung bei der Kulturinstitution „Die Bäckerei“ in Innsbruck innehat.

Da dort derzeit weniger Arbeit anfalle als üblich und die Bühne als Ort des Austausches mit dem Publikum nicht in Frage komme, stehe ihr gegenwärtig mehr Zeit als sonst zur Verfügung. Diese nutze sie zum Rodeln, Eislaufen, Spaziergehen und selbstverständlich auch zum Produzieren und Experimentieren. „Denn die Musik ist selbstverständlich auch in dieser schwierigen Situation das absolute Zentrum für mich“, streicht sie heraus.

Markus Stegmayr, Kronen Zeitung

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