10.10.2020 06:00 |

Politik muss handeln

Verbannt Glyphosat endlich von unseren Äckern!

Immer mehr Österreicher - von Bauern über Ärzte bis hin zu Umweltschützern - fordern das endgültige Aus für das Ackergift Glyphosat. Tenor: Die heimische Politik muss handeln, anstatt auf EU-Vorgaben zu warten. 

Der Druck auf die Regierung, das gefährliche Glyphosat in Österreich endlich zu verbannen, wächst! Umweltschützer und immer mehr Bauern fordern jetzt ein Verbot des Ackergifts.

„Glyphosat tötet jedes Leben - die nützlichen Bakterien, alles an wertvollen Mikroorganismen und natürlich die Beikräuter selbst. Die sind nach solchen Giftduschen spätestens in zwei Wochen tot“, sagt Christina Saahs aus Mautern in Niederösterreich erschüttert. Die Demeter-Winzerin und Prinz-Charles-Weinlieferantin gilt als Bio-„Jeanne d’Arc“ und Mutter des Widerstands gegen das Herbizid.

Mit Hunderten Mitstreitern in Feld und Stall will sie im wahrsten Sinne des Wortes die Schöpfung bewahren. Einer von ihnen - der Salzburger Brauerei-Chef Heinrich Dieter Kiener (Stiegl). Seine felsenfeste Überzeugung: „Was du der Erde zuführst, bekommst du auch zurück. Glyphosat lehne ich daher strikt ab.“

Greenpeace-Chef Alex Egit, GLOBAL-2000-Chemiker Helmut Burtscher und Spar-Geschäftsführer Dr. Gerhard Drexel erinnern jetzt Bundeskanzler Kurz an sein Versprechen, das Glyphosat-Verbot endlich durchzusetzen. Denn in Österreich ist das Totalherbizid noch immer zugelassen! Und zwar sowohl für private Anwender und Landwirte als auch für die öffentliche Hand.

Wie berichtet, hatten alle Parteien – außer der ÖVP – für ein Aus gestimmt. Das auch deswegen, weil 93 Prozent der Bevölkerung laut Greenpeace-Umfrage für einen Bann sind. Derzeit steckt das gesetzliche Verbot aber fest, weil die Kommission und das EU-Mitgliedsland Tschechien Bedenken angemerkt haben. Das ist aber – wie der renommierte Europarechtsexperte Univ.-Prof. Dr. Geert Van Calster bestätigt, für Wien nicht rechtlich bindend.

Dabei könnte das Gift auch so von unseren Äckern und Tellern verbannt werden, wenn Österreich – wie Luxemburg – allen glyphosathaltigen Produkten ganz einfach die Zulassung entzieht. Dort gibt es kein Glyphosat mehr zu kaufen. Denselben Weg könnte auch Österreich wählen – unabhängig von den EU-Vorgaben. „Dazu müsste die zuständige Ministerin Köstinger die Bundesanstalt für Ernährungssicherheit anweisen, Zulassungen zu entziehen. Dann wären wir auch bei uns dieses Pflanzengift endlich los“, so Egit und Drexel. Als leuchtendes Positivbeispiel gilt die Stadt Wien, wo sogar Friedhöfe seit Jahren ökologisch sind.

„Umweltgifte haben in unserer Natur nichts zu suchen“, sind sich Niederösterreichs SPÖ-Chef Franz Schnabl und EU-Abgeordneter Günther Sidl einig. Auch Vizeklubchef Jörg Leichtfried drängt auf ein rasches endgültiges Verbot: „Es muss uns endlich bewusst sein, dass alles, was wir in den natürlichen Kreislauf einbringen, schlussendlich auch im menschlichen Körper landet und Krankheiten auslösen kann.“

Biowinzerin Kathi Tinnacher aus Gamlitz bestätigt das: „Glyphosat wirkt sich negativ auf die Bodenlebewesen, die Nährstoffaufnahme des Rebstocks und die Versorgung der Trauben aus. All das beeinflusst die Qualität und Güte des Weines. Daher ist der Herbizidverzicht für mich selbstverständlich. Es ist in unserer Verantwortung, Enkel-gerecht zu arbeiten und die Vitalität unserer Böden für die Zukunft zu sichern. Das Gras in unseren Weinbergen wird daher gemäht, wenn es sehr steil ist auch per Hand mit der Sense ...“

Top-Ärzte schlagen Alarm
Glyphosat gerät auf der Suche nach den Ursachen für die Zunahme an hormonabhängigem Brust- und Prostatakrebs immer mehr ins Visier. „Grund dafür sind künstliche hormonaktive Stoffe, sogenannte ,endokrine Disruptoren‘ in Unkrautvernichtungsmitteln", äußert sich Top-Mediziner DDr. Johannes Huber besorgt. Er spricht vielen verantwortungsvollen Kollegen aus der Ärzteseele. So auch dem Leiter der Barmherzigen Brüder in Salzburg, Primarius Fritz Hoppichler oder Kammer-Präsident Dr. Thomas Szekeres.

Medizinischer Grundtenor: „Allein wegen der östrogenähnlichen Wirkung muss es ein sofortiges Verbot geben.“ Wissenschaftler der University of Florida sind außerdem in einer Studie zum Schluss gekommen, dass Glyphosat auch Alzheimer, Parkinson und Autismus auslösen sowie sogar zu Kreuzresistenzen gegen Antibiotika führen kann. Der international renommierte TCM-Mediziner Dr. Helmut Faulenbach und die sanft-alternativ behandelnde, erfahrene Kinderärztin Dr. Christine Saahs teilen die Bedenken.

Fakten

  • Glyphosat wurde 1974 vom Agrochemiekonzern Monsanto unter dem Namen Roundup® auf den Markt gebracht.
  • Es ist derzeit meistbenutztes Breitbandherbizid der Welt.
  • Das Spritzmittel ist auch als Antibiotikum patentiert und zerstört Mikroorganismen.
  • Vernichtet werden alle Pflanzen, die nicht durch Gentechnik resistent gemacht wurden.
  • Es wird in Österreich zu 90 Prozent in der Forst- und Landwirtschaft, aber auch im öffentlichen Raum verwendet.
  • 40 glyphosathaltige Mittel sind in Österreich zugelassen.
  • 2019 wurden bei uns mehr als 280.000 Kilogramm des Mittels versprüht.
  • Glyphosat gilt im Tierversuch als erwiesenermaßen krebserregend und laut Internationaler Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation beim Menschen als „wahrscheinlich krebserregend“.

Mark Perry, Kronen Zeitung

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